1075 Fans sehen unfassbaren Krimi und Derbysieg der BärenEHC Neuwied

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Vor der Rekordkulisse von 1075 Fans schlagen die Neuwieder Bären die Luchse aus Lauterbach mit 8:7 (3:1, 0:3, 4:3) nach Penaltyschießen. „Langeweile wollen wir hier nicht im Icehouse“, sagte EHC-Trainer Arno Lörsch, dessen Team besonders im letzten Drittel eine unglaubliche Moral bewiesen hatte.

Aber der Reihe nach: Keine zwei Minuten waren gespielt, da ging Lauterbach mit dem ersten Schuss auf das Tor von Keeper Alexander Neurath durch Benjamin Schulz in Führung. Doch in einer turbulenten Anfangsphase drehten die Gastgeber den Spieß schnell um: Simon Cremer (4.), Brian Gibbons (5.) in Überzahl und Andrew Love (7.) sorgten für eine beruhigende 3:1-Führung nach dem ersten Drittel. Zu beruhigend, wie sich im zweiten Abschnitt herausstellen sollte. „Das war vermutlich unser schlechtestes Drittel der Saison, aber sowas dürfen wir auch mal haben“, sagte Lörsch. Die Gäste erwischten die Bären gleich mehrfach im Tiefschlaf – plötzlich stimmten Laufwege nicht mehr, kamen Zuspiele nicht mehr an, fehlte die Zuordnung. Pierre Kracht (28.), Jens Feuerfeil (34.) und Paul Schmelzer (40.) nahmen dankend an. Der 4:3-Führungstreffer der Gäste 15 Sekunden vor der Pause fiel bei doppelter Überzahl, weil unter anderem Andreas Funk nach einem Foulspiel eine berechtigte Spieldauer-Disziplinarstrafe kassiert hatte.

Als im finalen Abschnitt erneut Kracht gar auf 5:3 für die Luchse erhöhte (47.), da witterten die zahlreich mitgereisten Fans aus Lauterbach schon Morgenluft – nicht ahnend, dass da die spektakulärsten 13 Minuten der jüngsten Neuwieder Eishockeygeschichte folgen sollten. Die 1075 Fans, unter ihnen rund 300 Karnevalisten aus der Region, die den EHC an diesem Abend besuchten, erlebten ein unglaubliches Wechselbad der Gefühle. Neuwied glich durch Tore von Karl Neubert (48.) und Dominik Kley (49.) zum 5:5 aus, ging dann sogar durch Andrew Love (52.) mit 6:5 in Führung. Das Momentum und die Kulisse schrien förmlich nach Heimsieg. Doch auch Lauterbach zeigte eine grandiose Moral: Jakob Fardoe und Benjamin Schulz drehten innerhalb von einer Spielminute die Partie erneut (53.), jetzt führten die Gäste wieder mit 7:6. Doch EHC-Kapitän Willi Hamann gelang drei Minuten vor dem Ende noch der viel umjubelte Ausgleich (57.).

Dass an einem solchen Abend auch das Penaltyschießen keinen normalen Verlauf nehmen sollte, war zu erwarten. Nach drei Schützen hatten beide Teams jeweils zwei Mal getroffen, auch nach dem vierten Schützen stand es unentschieden. Mit einem sehenswerten Rückhand-Schlenzer in den Winkel brachte Jens Hergt sein Team dann auf die Siegerstraße, weil im Gegenzug der zuvor stark aufspielende Pierre Kracht am für das Penaltyschießen eingewechselten Alexander Rodens scheiterte. „Die Art und Weise, wie die Mannschaft zurückgekommen ist, macht mich stolz“, sagte Lörsch. „Wir wollen nicht zu euphorisch sein, aber wir haben zwei Punkte eingefahren. Und die haben wir uns redlich verdient. Zur Kulisse und zur Atmosphäre heute Abend fehlen mir einfach die Worte. Das war grandios.“

Ähnlich sah es auch sein Gegenüber Roger Nicholas: „Das war pure Werbung für unseren Sport. Diese Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen und werden sicherlich wiederkommen. Natürlich sieht man es als Trainer nicht gerne, wenn man so viele Gegentore kassiert, aber es war einfach nur ein fantastisches Spiel. Ich verstehe, warum Neuwied so weit oben in der Tabelle steht, sie haben eine sehr gute Mannschaft und selbst in kritischen Phasen nie die Nerven verloren. Aber auch mein Team hat mich begeistert. Wir haben mit Herz, Technik und Taktik gespielt. Großes Kompliment an die Jungs.“ Nicholas hatte die Luchse erst unter der Woche als neuer Trainer übernommen, seine Handschrift war aber schon in Neuwied unverkennbar. Lauterbach agierte deutlich stärker als noch bei der 2:5-Niederlage gegen den EHC im Hinspiel.

Vor dem Spiel hatte der EHC seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Billigmann an dessen Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht: Unterstützt von der Europcar-Autovermietung Werner Mannebach  wurden mehrere überdimensionale Geburtstagskuchen mit dem Bärenlogo auf das Eis gefahren. Der Kuchen wurde anschließend in der ersten Drittelpause kostenlos an die Fans in der Halle verteilt. Torte für alle – es war nicht der einzige außergewöhnliche Moment an einem denkwürdigen Abend.

Das nächste Heimspiel des EHC Neuwied steigt am kommenden Sonntag um 19 Uhr in der Bärenhöhle. Gegner ist dann die 1b der Ratinger Ice Aliens. Am Samstag gastiert der EHC um 17 Uhr beim TuS Wiehl.

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