Sieg gegen Dorfen, aber Sorgen um Doyle

Sieg gegen Dorfen, aber Sorgen um DoyleSieg gegen Dorfen, aber Sorgen um Doyle
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Dementsprechend verärgert waren die Islanders auch über den Auftritt der Eispiraten. „Das hatte mit Eishockey wenig zu tun. Dorfen fühlte sich vom Schiedsrichter benachteiligt, ist aus dem Rhythmus gekommen und hat dann Jagd auf unsere Spieler gemacht“ sagte  der sportliche Leiter des EVL, Bernd Wucher. Eigentlich unverständlich, denn auf dem Spiel stand nichts mehr, nachdem schon seit Freitag klar war, dass auch Dorfen in die Abstiegsrunde muss. Oder sollten hier bereits Spieler eines möglichen Gegners vorab absichtlich verletzt werden?

Jedenfalls sammelten die in den Zweikämpfen mehr als ungestümen und ungeschickten Gäste schon im ersten Drittel einen Großteil ihrer am Ende 140 (!) Strafminuten. So kassierte ESC- Ausländer Chad Anderson für einen Stockschlag gegen Jiri Kunce (der Lindauer Verteidiger erlitt eine blutende Gesichtsverletzung) eine Spieldauer- Disziplinarstrafe. Der EVL spielte in den ersten 20 Minuten fast ständig in Überzahl, machte daraus bei 20:3 Torschüssen aber viel zu wenig. Lediglich Kyle Doyle konnte in der 19. Minute mit einem Schlagschuss den starken Dorfener Torhüter Sebastian Weiß überwinden.

Wenn die Gäste von der Strafbank wegblieben, waren sie ein absolut gleichwertiger Gegner und zeigten im zweiten Drittel ihre Qualitäten. Es ging hin und her, wobei die Tore nicht ausblieben. Michael Trox glich nach 30 Minuten aus. Fünf Minuten später verzog Timo Krohnfoth einen Schuss, den Abpraller von der Bande versenkte dann Mike Dolezal zur erneuten Führung. Ein Missverständnis in der EVL Hintermannschaft ermöglichte Daniel Kreß eine Minute später das 2:2, das erneut Dolezal  in doppelter Überzahl beantwortete (35.). Nach zwei Dritteln stand es aber unentschieden, da Dominic Koß 31 Sekunden vor der Pause erneut ausglich.

Im Schlussabschnitt hatten dann vor 550 Zuschauern wieder die Islanders mehr vom Spiel, die von ihrer dritten Reihe getragen wurden. Sascha Paul war es, der die Gastgeber nach 44 Minuten mit einem traumhaften Rückhandschuss in den Winkel zum vierten Mal in Führung brachte. Diesmal fand Dorfen keine – sportliche – Antwort mehr. Im Gegenteil: Innerhalb von vier Minuten entschieden die Lindauer bei Gleichzahl das Spiel. Nur 28 Sekunden später war es der erneut starke Patrick Prell, der mit einem Flachschuss von der blauen Linie traf, der für die Vorentscheidung sorgte. 12 Minuten vor dem Ende schnürte Paul mit einem weiteren sehenswerten Tor seinen Doppelpack zum 6:3. Was danach passierte, war unwürdig und dem Eishockeysport abträglich. Dorfen spielt nun endgültig wie die Axt im Walde. Gästestürmer Tobias Brenninger verfolgte Kyle Doyle regelrecht, checkte ihn mit dem Ellbogen in den Nacken, worauf hin Doyle in die Bande stürzte, den Helm verlor und noch auf die Eisfläche prallte. Doyle musste schwer verletzt ausscheiden, Brenninger erhielt zurecht eine Matchstrafe. Sein Mitspieler Dominic Koß bespritzte daraufhin mit der Wasserflasche in Richtung Schiedsrichter, wofür er eine zehn Minuten Strafe erhielt. Anschließend beleidigte er Schiedsrichter und Linienrichter und erhielt daraufhin zwei weitere Spieldauer- Disziplinarstrafen. Mit insgesamt 54 Strafminuten in diesem Spiel dürfte er einen einsamen Rekord aufgestellt haben. „Ich bin froh, dass sich unsere Spieler von dieser Gangart nicht haben anstecken lassen und diszipliniert geblieben sind“ sagte Wucher angesichts der nur sieben Strafen gegen sein Team. Eine davon nutzten die Lindauer sogar noch zu einem Tor. Exakt eine Sekunde vor dem Ende verwertete Manuel Merk einen Abpraller nach einem Schuss von Bernhard Leiprecht zum verdienten 7:3 Endstand. Das Geplänkel war daraufhin aber noch nicht vorbei. Das „I“- Tüpfelchen auf den ESC Auftritt setzte Trainer John Samanski mit einigen peinlichen Aussagen auf der Pressekonferenz, als er den EVL unter anderem bezichtigte, das Spiel im Dezember aus Angst vor einer Niederlage abgesagt zu haben, da sein Team einen Lauf hatte.

„Wenn er in so einer Traumwelt lebt, wundert mich nicht, dass er seine Mannschaft so wenig im Griff hat“, sagt der zweite Vorsitzende des EVL, Peter Riedmüller. Mit Abteilungsleiter Ratajak sei die Angelegenheit ausführlich besprochen worden, dazu habe sich der EVL an Dorfens Bus- und Verpflegungskosten beteiligt. „Er hatte Verständnis für die durch Stadt und Feuerwehr erfolgte Absage, da es ja auch einen schweren Unfall gegeben hat. Welchen Respekt Samanski und sein Team offenbar vor der Gesundheit anderer haben, haben wir ja heute gesehen.“