Memmingen stinksauer auf Schiedsrichter

Memmingen stinksauer auf SchiedsrichterMemmingen stinksauer auf Schiedsrichter
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„Es hätte ein sportlich fairer Kampf um Platz acht werden sollen – doch es wurde ein Skandalspiel. Am Freitagabend verloren die Memminger Indians mit 3:6 beim EC Pfaffenhofen. Fader Beigeschmack: Die Schiedsrichter hatten mit ihren Entscheidungen wesentlichen Anteil am Spielausgang. Einseitig wurden so lange Strafen gegen die Maustädter ausgesprochen, bis die IceHogs aus einem 1:2-Rückstand eine 6:2-Führung machten. Um sich nicht weiter der Willkür der
,Unparteiischen' auszusetzen, nahm Indians-Coach Jogi Koch seine Truppe im zweiten Drittel kurzzeitig vom Eis.
Zwei Drittel (2:1/0:5/1:0) gewonnen, doch am Ende das Spiel verloren – so lautet das bittere Fazit von der Reise in die Hallertau. Beim ECDC fehlten neben dem gesperrten Marc Stotz auch Manfred Jorde (Grippe), Tobias Vorderbrüggen (Schulter) und Tim Tenschert (beruflich). Die Indians begannen aggressiv und gingen in der 9. Minute in Überzahl in Führung. Martin Jainz zog von der blauen Linie ab, David Vycichlo fälschte zum 1:0 ab. Postwendend allerdings der Ausgleich durch David Vokaty, als in der Memminger Hintermannschaft die Zuordnung fehlte. Die Maustädter zeigten weiter vollen Einsatz und blieben gefährlich.
Kapitän Martin Löhle setzte sich in der 13. Minute mit einem Solo durch und schloss platziert zur 2:1-Führung ab. Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Nach einer Aktion vor dem eigenen Tor bekam Verteidiger Andreas Schmelcher plötzlich 2+10 Strafminuten wegen „Check gegen den Nacken“. Für ihn besonders bitter, bedeutete dies die dritte 10-Minuten-Strafe in dieser Saison. Somit fehlt er am Sonntag
im Derby gegen Sonthofen. In der Folge häuften sich die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Kurz vor Ende des ersten Drittels: Bei einer Rangelei schlägt Pfaffenhofens Terry Campbell drei Mal (!) mit der Faust ins Gesicht seines Memminger Gegenspielers. Die Folge: 2 Strafminuten für Campbell, 2 + 2 gegen die Indians. Memmingen nun mit zwei Mann in Unterzahl, doch mit einer konzentrierten Leistung wurde das starke erste Drittel über die Zeit gebracht. Als die Rot-Weißen in der 23. Minute endlich wieder komplett sind, hat Ron Newhook eine Riesenchance. Von Derek Switzer frei gespielt taucht er vor Florian Lachauer auf, doch bei seinem Schlenzer bekommt Pfaffenhofens Goalie irgendwie noch die Fanghand nach oben und lenkt den Puck übers Tor. Was sich in der Folge ereignete, trieb den rund 120 mitgereisten Memminger Anhängern allerdings die Zornesröte ins Gesicht. Erst übersehen die Unparteiischen ein Haken an Markus Kerber, dann muss der Gefoulte selbst auf die Strafbank. Kurz darauf eine fast deckungsgleiche Szene: Ein klares Beinstellen an Markus Jänichen wird nicht geahndet, sehr wohl jedoch der erste Protest der Memminger Bank. Kurz nach Ablauf dieser Strafe klingelt es innerhalb von 20 Sekunden zweimal im Kasten von Dominik Wagner. Doch damit nicht genug: Der nächste Memminger, der wegen Reklamierens für 10 Minuten gehen muss, ist Stefan Rott. Die Folge: Totale Verunsicherung bei den Indians, die die Icehogs zur 4:2-Führung nutzen. Konsequent dezimieren die Schiedsrichter die Maustädter auch in den folgenden Minuten: Die nächste 10-Minuten-Diszi erhält David Vycichlo, dann der traurige Höhepunkt: Markus Kerber muss wegen Spielverzögerung vom Eis, weil er sich angeblich beim Wechseln zu lange Zeit nahm. Eines der wichtigsten Spiele der Saison verkommt zu einer Farce. Memmingens Anhang tobt, Trainer Jogi Koch nimmt seine Jungs aus Protest vom Eis. Nach einigen Minuten in der Kabine geht es in doppelter Unterzahl weiter. Pfaffenhofen schraubt das Ergebnis auf 6:2. Erst, als das Spiel im dritten Abschnitt längst zu Gunsten der Gastgeber entschieden ist, beruhigt sich die Strafzeitenflut gegen Memmingen. Die Indians stemmen sich gegen die Niederlage, der starke Martin Jainz verkürzt mit einem strammen Schuss von der blauen Linie auf 3:6. Zu mehr reicht es aber nicht mehr, in den letzen Minuten drängen sich nochmals die Schiedsrichter in den Mittelpunkt. Gleich zwei Penaltys bekommt der ECP zugesprochen, was von Memmingens Fans nur noch mit Galgenhumor quittiert wird. Während der erste vertretbar ist, als ein Spieler als letzter Mann gefoult wurde, ist Strafschuss Nummer zwei schlichtweg indiskutabel. Verteidiger Andreas Schmelcher wird von einem Icehog ins Gehäuse geschubst, der Schiedsrichter entscheidet auf Penalty wegen absichtlichen Verschieben des Tores. Für die Indians bedeutet die Niederlage acht Punkte Rückstand auf Platz 8, den nun Pfaffenhofen einnimmt. Noch sind 15 Punkte zu vergeben - so lange die rechnerische Chance lebt, wird die junge Indians-Mannschaft weiter kämpfen. Beim morgigen Allgäu-Derby gegen Sonthofen am Hühnerberg (18.30 Uhr) stehen zudem Prestige und Ehre auf dem Spiel. Vielleicht nicht die schlechteste Möglichkeit, sich den
Freitags-Frust von der Seele zu schießen.“