Köpfe der Clubs: Helge Pramschüfer (ECDC Memmingen Indians)Hockeyweb hautnah

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Steckbrief

Alter: 43 Jahre

Geburtsort: Weimar

Familie: Ledig, keine Kinder

Ausbildung: Dipl.-Betriebswirt, Finanzkaufmann

Beruf: Selbständiger Bau-Finanzierungsberater

Hockeyweb: Herr Pramschüfer, was führte Sie nach Memmingen und wie kamen Sie zum Eishockey? Haben Sie selbst einmal gespielt?

Pramschüfer: „Ich bin nun schon seit 1990 hier in Memmingen. Gleich nach dem Mauerfall habe ich meine Sachen in Weimar gepackt, wo ich geboren wurde, bin nach Westen gezogen, habe eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und bin dann hier in memmingen geblieben. Und zum Eishockey bin ich gar nicht gekommen, sondern das Eishockey zu mir.“

Hockeyweb: Erzählen Sie uns davon!

Pramschüfer: „Wir haben 1992 mit einigen Freunden einen Streethockey-Club gegründet. Seither bin ich Vorstand. 2004 wurde dann der damalige Memminger Eishockeyverein insolvent und wir haben den Kindern der Nachwuchsabteilung ein neues Zuhause geboten. Seither steht Eishockey bei uns an erster Stelle im Club. Und ich bin davon auch total begeistert: Eishockey ist ein toller Sport, den man einfach live in einem Stadion erleben muß.“

Hockeyweb: Sie sind ein rein ehrenamtlich organisierter Club. Wie sieht die Aufgabenteilung in Ihrem Vorstandsteam aus?

Pramschüfer: „Marcus Klär, der wie ich seit 1992 im Club ist, kümmert sich um den sportlichen Bereich. So kann ich mich auf das Sponsoring und die Repräsentation des Clubs nach außen konzentrieren. Die Finanzen sind bei Claudia Just gut aufgehoben. Und darüber hinaus haben wir für den Nachwuchs, die Ordner und andere Bereiche unserer Tätigkeit viele helfende Hände.“

Hockeyweb: Sie feiern in diesem Jahr bereits Ihr zwanzigstes Jubiläum als Clubvorsitzender und werden selbst erst 44 Jahre alt - Kein bischen amtsmüde oder mal Lust, etwas anderes zu machen? Was treibt Sie an?

Pramschüfer: „Am Ende einer Saison ist man immer etwas ausgebrannt, aber gerade die tollen Fans in Memmingen und die diesjährige Mannschaft und das Trainerteam geben mir Kraft, weiter zu machen.“

Hockeyweb: Wie ist die Entwicklungsperspektive des ECDC, und welche Philosophie verfolgen Sie dabei?

Pramschüfer: „Unsere Perspektive ist, einmal an die Tür zur Oberliga zu klopfen. Und dies wollen wir mit möglichst vielen Spielern aus unseren eigenen Reihe bewerkstelligen – das ist unsere Philosophie. So haben wir Nachwuchsteams in allen Altersklassen und unsere Junioren spielen als 1b-Team bereits im Seniorenbereich.“

Hockeyweb: Sie wollen an die Oberligatür klopfen? Meist hat man den Eindruck, Bayernligisten lieben ihr Biotop und wollen gar nicht daraus empor...

Pramschüfer: „Ich will wirklich einmal die große Fairness und Kollegialität hervorheben, mit der man sich in der Bayernliga begegnet. Das gilt auf dem Eis und insbesondere auch zwischen allen Funktionsträgern der Vereine. Aber natürlich ist ein Aufstieg immer ein sportliches Ziel, wenn er dann auch zu finanzieren ist.“

Hockeyweb: Und dazu stehen Sie auch nach dem Eklat mit Schweinfurt in der Meisterrunde noch? Da haben Sie nach der 1:8-Heimniederlage der ‚Mighty Dogs’ gegen Weiden von Wettbewerbsverzerrung gesprochen und daß Schweinfurt dafür in die Bezirksliga rückgestuft werden sollte. Der Schweinfurter Marketingleiter Steffen Reiser revanchierte sich mit den Worten: ‚Der Pramschüfer hat sich aufgeführt wie ein Dreijähriger, dem man die Förmchen weggenommen hat.’ – Disput schon ausgeräumt oder schwelt da noch etwas?

Pramschüfer: „Mit einem Herrn Reiser werde ich sicherlich nie wieder zusammenarbeiten. Was sich da beim Spiel Schweinfurt gegen Weiden abgespielte, hat mit Sport nicht viel zu tun.“

Hockeyweb: Nochmal konkret zum Oberliga-Aufstieg: In diesem Jahr wollten Sie ein Aufstiegsrecht ja nicht wahrnehmen – warum? In welchem Zeithorizont denken Sie, oder was muß passieren, um einen Aufstieg auch finanziell zu stemmen?

Pramschüfer: „Bisher ist eine Oberliga für uns kein spannendes Ziel. Sie verspricht kaum mehr Zuschauer und auch kaum mehr Spiele. Selbst wenn es 12 Mannschaften in der Oberliga Süd werden (was ich noch nicht glaube), hat man 22 Heimspiele. Das reicht nicht, um den Etat mehr oder weniger zu verdoppeln. Und so viele neue Sponsoren sind ja gar nicht möglich. Also warum sollte man aufsteigen. Um dann sportlich so dazustehen wie Erding? Ich kann mir Schöneres vorstellen.“

Hockeyweb: Würden Sie denn im Aufstiegsfall den Spielbetrieb in eine eigene Gesellschaft ausgliedern wollen, um das Risiko für den Verein und seine Führung zu senken, ähnlich wie Bad Tölz das in der Oberliga handhabt?

Pramschüfer: „Das wäre für uns in der Tat eine Überlegung.“

Hockeyweb: Welche Rolle spielen die Indians in Stadt und Region?

Pramschüfer: „Neben dem Fußball ist Eishockey in Memmingen stark verwurzelt und die Stadt unterstützt unsere Arbeit durch sehr günstige Hallen-Mietpreise.“

Hockeyweb: Wo wir nun schon beim Wirtschaftlichen sind, mit welchem Etat und Zuschauerzahlen planten Sie denn für diese Saison?

Pramschüfer: „Wir hatten als Bayernligist einen Etat von 200.000 Euro, wobei auf die 1. Mannschaft etwa 120.000 Euro entfielen. Dafür kalkulierten wir mit durchschnittlich 1.000 Zuschauern pro Spiel, wobei das Derby gegen Sonthofen immer starkes Gewicht hat [zum Derby kamen in der Hauptrunde 2.806 Besucher, d. Red.].“

Hockeyweb: Der ECDC Memmingen gilt ein wenig als schlafender Riese, der sein Potential in den vergangenen Jahren sportlich nicht recht auszuschöpfen wußte: zweimal hintereinander haben Sie deutlich die Meisterrunde verpaßt. In diesem Jahr sind Sie als Vorrundenvierter bereits in der Meisterrunde gescheitert. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Saison und welches Resumé ziehen Sie?

Pramschüfer: „Wir wollten diesmal an der Meisterrunde teilnehmen und Achter werden. Das haben wir mit Platz vier in der Vorrunde diesmal geschafft.“

Hockeyweb: Wie ist Ihre Zielsetzung für die neue Saison? Und was muß sich ändern, um dieses Ziel zu erreichen?

Pramschüfer: „Aussagen und Zeile für die neue Saison sind zum jetzigen Zeitpunkt viel zu früh.“

Hockeyweb: Vor der Saison tippten Sie auf Sonthofen als Meister und Schongau als Abstiegskandidat Nummer Eins. Beides kann noch eintreten. Bleibt’s bei dem Tip?

Pramschüfer: „Ja!“

Hockeyweb: Für Memmingen ist die Saison seit einer Woche vorbei. Wie sehen für Sie persönlich nun die nächsten Wochen aus? Urlaub oder Saisonvorbereitung?

Pramschüfer: „Wir sind schon wieder mitten in den Planungen. Ein Indianer schläft nie…“

Hockeyweb: Herr Pramschüfer, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die neue Saison!