Hawks bieten desolate Leistung

Traurig und enttäuschtTraurig und enttäuscht
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So richtig wusste es nach dem Spielende wohl keiner der gut 400 Zuschauer, was er in den 60 Spielminuten zuvor gesehen beziehungsweise nicht gesehen hatte. Doch das Resultat leuchtete deutlich sichtbar von der Anzeigetafel: 2:4 stand dort zu lesen. Im wohl schlechtesten Spiel seit der Vereinsgründung des ESC Haßfurt vor über vier Jahren blamierten sich die Hawks bis auf die Knochen. Gegen den krassen und dazu noch sehr dezimierten Außenseiter ERC Lechbruck erreichte nur Fabian Sprenger Normalform – und der saß zum Glück für ihn auf der Ersatzbank.

Selbst Trainer Stan Mikulenka, äußerlich relativ gefasst aber innerlich brodelnd, fand keine Erklärung für den Kollektivausfall seiner Mannschaft, die in der wichtigen Pflichtbegegnung total versagt hat. „Das habe ich in meinem schlimmsten Albtraum noch nicht erlebt“, zog der Tscheche ein kurzes Fazit. „Ich habe gar nicht gedacht, dass man solche Spiele abliefern kann. Da muss ich mich selbst schämen“, sprach er von einer „Katastrophe.“ Dabei begann der Vergleich mit dem Tabellenletzten der Aufstiegsrundengruppe A nach zugegebenermaßen holpriger Anfangsphase recht vielversprechend, denn nach dem 1:0-Führungstreffer von Markus Waldvogel nach exakt 6:19 Minuten schien der Bann gebrochen und die zähe Nuss Lechbruck erstmals angeknackt. Weil sich die Haßfurter Puckjäger im Anschluss weitere tolle Möglichkeiten erarbeiteten und die Hartgummischeibe sogar einmal an den Pfosten knallten, schien der zweite Treffer nur eine Frage der Zeit. Doch der überraschende Ausgleich, den Bernd Schweinberger nach einem der zahlreichen Konter der Flößer erzielte (16.), war nicht, wie die meisten im weiten Rund dachten, ein kleiner Betriebsunfall. Er war vielmehr der Beginn eines noch nicht gesehenen Trauerspiels im Stadion am großen Anger.

Vor allem das Mitteldrittel kann mit gutem Gewissen als „unterirdisch“ bezeichnet werden. Völlig planlos agierten zu diesem Zeitpunkt die vollzählig angetretenen Hausherren, die nur noch mit Einzelaktionen mit Gewalt den Ausgleich herstellen wollte – vergeblich. Stattdessen tauchten die von Richard Kolb trainierten, insgesamt zwölf tapferen Schwaben, immer öfters vor dem Gehäuse von Martin Hildenbrand auf. Zwei ihrer Konter schlossen erst der wiedergenesene Kapitän Markus Schneider zum 1:2 (23.) und zehn Minuten später Christoph Pfeiffer zum 1:3 (33.) erfolgreich ab. Wer im letzten Abschnitt auf die wahren Hawks gehofft hatte, die nach einer kräftigen Pausenpredigt endlich aufgewacht waren, wurde erneut bitter enttäuscht. Zwar kämpften die Gastgeber, wie die Zuschauer längst lautstark forderten, mehr als noch zuvor. Spielerisch brachte dies aber nichts. Im Gegenteil: Als Martin Hildenbrand zwei Minuten vor dem Ende einem sechsten Feldspieler Platz machen musste, um vielleicht doch den Anschlusstreffer und einen möglichen „Last-Minute“-Ausgleich zu erzielen, machte Michael Hölzle den Sack mit einem Empty-Net-Goal endgültig zu und die sportliche Sensation perfekt (59.). Dass Andreas Herrmann drei Sekunden vor der Schlusssirene den 4:2-Endstand erzielte, interessierte keinen mehr der maßlos enttäuschten ESC-Anhänger.

„Nicht ein Einziger war heute in der Mannschaft, welcher das Spiel beruhigt, und versucht, mit der Scheibe etwa Sinnvolles zu machen“, ordnet Mikulenka die unerwartete Schlappe in die Kategorie „herber Rückschlag“ ein. „Die Jungs können sich auf etwas gefasst machen, das garantiere ich“, kündigte der 46-jährige eine harte Woche an. „Wenn sie nicht beim Spiel wollen, dann müssen sie eben beim Training.“

Durch die indiskutable Niederlage hat sich die Situation in der Tabelle merklich verschlechtert. Nachdem die nach wie vor ungeschlagenen Tigers des EHC Bayreuth schon langsam den „Bayernliga-Welcome“-Sekt kaltstellen können, geht es für die Hawks vermutlich nur noch um den ebenfalls wichtigen Platz zwei. Nur ein Sieg am Faschingssonntag bei den Kelten in Burgkirchen würde dahin gehend weiterhelfen. Doch davor gibt am Freitagabend mit dem TSV aus Trostberg erneut ein krasser Außenseiter seine Visitenkarte in der Kreisstadt ab. Bleibt zu hoffen, dass sich die abgelieferte Leistung sowie eine ähnliche blamable Schlappe nicht wiederholt. Ein weiterer Ausrutscher, und der Traum von der Bayernliga 2009/2010 wäre geplatzt. (Naumann)


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