EV Lindau verpasst den Aufstieg

EV Lindau bleibt in der LandesligaEV Lindau bleibt in der Landesliga
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Der EV Lindau hat den direkten Aufstieg in die Bayernliga verpasst. Durch die 3:7 (1:3, 1:2, 1:2)-Niederlage beim 1. EV Weiden mussten die Islanders die Blue Devils noch an sich vorbeiziehen lassen und nun versuchen, über Platz drei der Landesliga nachzurücken.

Am Ende machten drei Tore Unterschied in der Tabelle im direkten Vergleich den Unterschied zwischen Platz Eins und Zwei aus. Auf dem Eis war es allerdings mehr. Vor 2560 Zuschauern in der ausverkauften Weidener Eishalle holten die wild entschlossen Gastgeber alles aus sich heraus, während die phasenweise wie gelähmt agierenden Lindauer ihre schlechteste Saisonleistung ablieferten. „Wir waren nie wirklich in der Halle“, sagte ein sichtlich enttäuschter EVL-Sportchef Bernd Wucher. „Wir hatten zu wenig Bewegung im Spiel und waren dadurch immer zu weit Weg vom Mann.“ Dies rächte sich vor allem, weil der 1. EV Weiden, der die Partie mit zwei Toren Unterschied gewinnen musste, um aufzusteigen, von Anfang ein enormes Tempo ging, konsequent forcheckte und mit drei krachenden Checks in der Anfangsphase gleich den Ton für die Partie setzte. Dennoch hatten die Islanders es selbst in der Hand, in Führung zu gehen. Zweimal durften sie in den ersten neun Minuten in Überzahl agieren. Heraus kam dabei gar nichts, zu nervös agierten die Gäste. „Wir haben unsere gute Ausgangsposition ohne Not einfach so weggeworfen. Das tut mir für die 150 Fans weh, die den langen Weg mitgefahren sind, für 1000 Leute am Liveticker, die mitgefiebert haben, aber auch für die Jungs selbst, weil sie sich so unendlich weit unter ihrem Wert verkauft haben“, sagte EVL- Vorsitzender Marc Hindelang. „Glückwunsch an Weiden. Sie haben den Aufstieg verdient.“ Zwar konnte die stimmgewaltige Lindauer Kolonie 27 Sekunden nach dem Führungstreffer der Gastgeber durch Thomas Schreier in Überzahl jubeln, als Dominic Mahren ein klasse Solo nach 10 Minuten zum Ausgleich verwandelte. Aber die Initialzündung blieb aus. Erst leistete sich Markus Schweinberger ein überflüssiges Foul, das Florian Bartels zum 2:1 im Powerplay nutzte (15.), drei Minuten später gipfelte eine sinnlose Aktion von David Volek in einer doppelten Überzahl für Weiden, die Martin Zajac zum 3:1 nutzte. Nach dem ersten Drittel war Weiden mit diesem Spielstand in der Bayernliga.

Mit großem Einsatz kamen die Lindauer, bei denen überraschend der am Knie verletzte Tobi Fuchs sein Comeback gab, im zweiten Durchgang besser ins Spiel und nahmen den Druck des EVW heraus. Die Partie verlief nun ausgeglichener und nach 28 Minuten schienen die Islanders dann endlich in Weiden angekommen. In doppelter Überzahl traf David Volek zunächst den Pfosten, ehe Benjamin Hecker links oben zum 3:2 traf. Der Moment war nun auf Seiten der Gäste, die durch Peter Kraus sogar die Chance zum Ausgleich hatten. Die Wende schien möglich – bis Waldemar Quapps Aussetzer dem EVL das Genick brach. 32 Minuten und 46 Sekunden waren gespielt, als der Puck auf Quapp zukullerte. Der Torhüter wollte die Scheibe „einfrieren“ und den Fanghandschuh drauf legen. Er legte ihn allerdings daneben, Florian Bartels erkannte die Situation als erster und stocherte den Puck über die Linie. „Ich weiß nicht, wie so etwas passieren kann. Aber es war typisch. Weiden war auch gedanklich zwei Schritte schneller, während bei uns kein einziger Spieler sein wahres Leistungsniveau erreicht hat“, sagte Trainer Willy Bauer, der nur wenig später eine Auszeit nehmen musste. Seine Mannschaft hatte das Spiel nun komplett aus der Hand gegeben und nur eine halbe Minute später durch Schreiers Schuss aus der Drehung das 5:2 kassiert. Außer einer Chance von Mojtek, die Weidens Torhüter Christian Hamberger vereitelte kam vom EVL nichts mehr im zweiten Drittel. Weiden kontrollierte mit seiner läuferischen Überlegenheit die Partie. „Sie waren oft zu schnell für uns“, sagte Pavel Mojtek.

Die Ausgangslage vor dem Schlussabschnitt war klar. „Wir hatten nichts mehr zu verlieren und zwei Tore wären im Eishockey machbar gewesen“, sagte Kapitän Peter Kraus. Allerdings war Weiden auf den Lindauer Ansturm gut gewappnet und lauerte auf Konter. Marcel Waldowsky hatte schon nach wenigen Sekunden das sechste Tor auf dem Schläger, was Quapp glänzend verhinderte. Allerdings war nach anderthalb Minuten dann alles klar: Florian Zellner stand beim Rückpass von Bartels vollkommen frei vor dem Tor, als er auf 6:2 stellen konnte. Zwar wehrten sich die Islanders noch einmal und kamen durch einen haltbaren Schlenzer von Pavel Mojtek auf 6:3 heran (44.), aber die Hoffnung auf eine weitere Aufholjagd war schnell erstickt. Wieder schalteten die Gastgeber schnell um, was kein Problem gewesen wäre, wenn Quapp den harmlosen Rückhandschuss von Schreiber nicht aus spitzem Winkel hätte zum 7:3 passieren lassen (46.). Damit war der Widerstand der Islanders endgültig gebrochen. „Es hat uns auch die Kraft gefehlt. Man hat gesehen, wie sehr die letzten Wochen, die vielen Aufholjagden und Willensleistungen uns ausgezehrt haben“, sagte Bauer. So waren die Islanders letztlich gegen einen bis in die Haarspitzen motivierten Gegner chancenlos und müssen nun am kommenden Wochenende versuchen im kleinen Finale gegen Königsbrunn Platz Drei zu erobern, der zum Aufstieg als Nachrücker berechtigt, wenn der Bayernligameister sein Aufstiegsrecht wahrnimmt. „Wir haben trotz allem eine gute Saison gespielt. Jetzt gilt es wieder aufzustehen und noch zweimal Charakter zu zeigen. Dann warten wir ab, was passiert“, sagte Vorsitzender Hindelang.


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