Ein stiller Star

Ein stiller StarEin stiller Star
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Viel wird derzeit darüber spekuliert, mit welchem Kader die Mannschaft des EV Regensburg im Oktober in die Landesligasaison 2008/2009 startet. Vor allen Dingen die mögliche Besetzung der erlaubten Kontingentstelle sorgt für viel Diskussionsstoff. Ein Name wird dabei immer wieder heiß gehandelt: Jason Miller.

Ohne Zweifel wäre Miller damit der Star der Liga, würde mit einer Entscheidung für Regensburg aber auch den Ausklang einer ungewöhnlichen und doch so erfolgreichen Profikarriere einleiten. Der hünenhafte Center wurde am 22. März 1971 im kanadischen Edmonton geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und durchlief alle Jugendmannschaften des traditionsreichen NHL-Standortes. 1987 wechselte Miller zu den Medicine Hat Tigers in die Western Hockey League. Während er im ersten Jahr in 71 Saisonspielen 11 Treffer erzielen konnte, platzte in den darauf folgenden Spielzeiten endgültig der Knoten. Von 1988 bis 1991 erzielte der Ausnahmestürmer 154 Tore in 204 Spielen.

Diese beeindruckenden Statistiken riefen auch die NHL-Scouts auf den Plan, so dass Jason Miller im Jahre1989, neben so bekannten Stars wie Mats Sundin, Mike Sillinger oder Olaf Kölzig von den New Jersey Devils in der ersten Runde gedraftet wurde. Er galt in dieser Zeit als eines der größten Sturmtalente der Welt, was er mit seinem Wechsel in die American Hockey League im Alter von 20 Jahren eindrucksvoll unterstrich. Doch der Traum einer großen NHL-Karriere blieb unerfüllt. Über einen Zeitraum von drei Spielzeiten bekam Miller nur sechs Mal die Möglichkeit, sich aufgrund vieler Ausfälle bei den New Jersey Devils zu empfehlen. Er konnte in der besten Liga der Welt jedoch nicht auf Anhieb überzeugen und stand kurz darauf wieder im Kader seines jeweiligen AHL-Teams. In dieser Liga spielte er bis zu seinem 24. Lebensjahr in drei verschiedenen Mannschaften und gehörte jeweils zu den besten Scorern.

Doch das war Jason Miller zu wenig. Er wollte sich verändern und wagte 1995 mit seinem Wechsel zu HPK Hämeenlinna in die finnische SM-Liiga erstmals den Sprung nach Europa, wo er schon damals auf seinen späteren Teamkameraden Niklas Hede traf. Nach 22 Partien in denen Miller 10 Scorerpunkte erzielte, gab er ein kurzes Gastspiel in der DEL, als er sich drei Mal das Trikot der Kaufbeurener Adler überstreifte. Im kommenden Jahr ging Millers Weg wieder zurück über den großen Teich. Es folgten zwei erfolgreiche Spielzeiten in der International Hockey League, doch wiederum erlag der Mittelstürmer den Lockrufen der DEL. Diesmal sollte seine Rückkehr nach Deutschland bis zum heutigen Tage andauern.

Bei der Düsseldorfer EG stellte Jason Miller in der Saison 1997/98 bereits sein Können unter Beweis. Sein anschließender Wechsel zu den Nürnberg Ice Tigers sollte ihn dann in ganz Eishockeydeutschland bekannt machen. In 216 Spielen verbuchte der Mittelstürmer 83 Tore und bereitete weitere 114 vor. 1999 wurde er zwischenzeitlich sogar ins DEL-Allstar-Team berufen, nachdem er mit Martin Jiranek und Sergio Momesso wohl eine der erfolgreichsten Sturmreihen die es bis dato auf deutschem Eishockeyboden zu bewundern gab, gebildet hatte. Die beeindruckende Plus-Minus-Bilanz von 39 Pluspunkten in dieser Saison setzt bis zum heutigen Tage Maßstäbe.

Im Alter von 31 Jahren wollte sich Miller nochmals verändern und lief nach vier denkwürdigen Spielzeiten bei den Nürnbergern nun für die die Hamburg Freezers auf. Hier wurde der sympathische Kanadier allerdings nicht glücklich und entschloss sich zu einem Engagement in der zweiten Eishockey-Bundesliga. Doch auch in Schwenningen konnte Miller nicht mehr an die großen Erfolge seiner Karriere anknüpfen. Im Jahre 2004 sollte mit dem Wechsel zu den Regensburger Eisbären alles besser werden und zugleich seine bis dato letzte sportliche Ortsveränderung erfolgen. Die Anhänger schlossen den begnadeten Techniker schnell ins Herz und Jason Miller fand nach längerer Durststrecke wieder zu alter Stärke zurück. Bereits im ersten Jahr erzielte der Kanadier 37 Treffer und bereitete ebenso viele vor. Zusammen mit Mark Woolf und Sven Gerike lehrte er den gegnerischen Abwehrreihen ein ums andere Mal das Fürchten.

Auch in den kommenden Spielzeiten setzte der Mittelstürmer Zeichen und entpuppte sich in den entscheidenden Partien oftmals als Zünglein an der Waage. Später wurde der erfahrene Center zum Kapitän der Eisbären berufen und sollte in seiner Funktion jederzeit ein Vorbild für die anderen Akteure sein. Viele schöne Tore und Aktionen hat der Kanadier in die Donau Arena gebracht. Aktuell bleibt sicherlich sein 1:0 Siegtreffer beim letzten Auswärtsspiel in Landshut in Erinnerung. Die vielen Fanhuldigungen konnte der bescheidene Star immer nur schwerlich verdauen und so kämpfte Miller bei den Saisonabschlussfeiern von Jahr zu Jahr mit den Tränen. Unvergessen ist sein Ärmelzupfen vor jedem Bully und sein Kopfnicken als Vergewisserung, dass der Torsteher auch wirklich bereit ist. Auch der entschlossene Blick gepaart mit nimmermüdem Siegeswillen brannten sich in die Herzen der Regensburger Anhängerschar.

So hat Jason Miller diesem Eishockeystandort im Verlauf der letzten Spielzeiten viel gegeben und reiht sich nahtlos in die Liste von berühmten Regensburger Spielerpersönlichkeiten ein. Auch in vielen Jahren wird man noch über die Verdienste des Kanadiers reden und in den guten alten Erinnerungen schwelgen. Miller blickt auf eine große Karriere zurück und brachte ähnlich wie Jiri Lala einen Hauch von Weltklasseeishockey in die Donau Arena. Schnell wurde klar, dass der Regensburger Kapitän in der Domstadt heimisch geworden ist. Die aus sportlicher Sicht wohl traurigsten Momente seiner langen Laufbahn durchlebt Miller dagegen in diesen Tagen. Der Auflösung seiner Mannschaft in der zweiten Eishockey-Bundesliga folgte nun auch noch eine schwere Operation an der Achillessehne. Erst in drei Monaten wird Miller wieder aufs Eis zurückkehren können. Dass sein Comeback erfolgreich verlaufen wird, scheint aufgrund seiner technischen Möglichkeiten außer Frage zu stehen.

Vielleicht dürfen die Regensburger Fans dann Zeuge dieses Schauspiels werden, wenn ein Sohn heimkehrt und es Mitte Oktober beim ersten Landesligaspiel durch die Donau Arena hallt: Welcome back, Jason Miller. (Michael Pohl)

(Foto: Jason Miller im Trikot der kanadischen Nationalmannschaft beim Deutschland-Cup 2000 in Hannover / City-Press)