Derbysieg im Penaltyschießen

EVR zieht nach Zitterpartie ins Bayernkrug-Finale einEVR zieht nach Zitterpartie ins Bayernkrug-Finale ein
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Aus spielerischer Sicht war es bestimmt kein hochklassiges Derby zwischen dem EV Regensburg und dem VER Selb. Was die Spannung und die Dramatik anbelangt, konnte man als Eishockeyfan wohl keinen besseren Abend erwischen. Vor der Saisonrekordkulisse von 3044 Zuschauern, schenkten sich beide Mannschaften in der Regensburger Donau-Arena nichts. Letztlich konnten die Regensburger in diesem leidenschaftlichen Duell mit 6:5 nach Penaltyschießen die Oberhand behalten, obwohl es im ersten Drittel wahrlich nicht danach aussah.

Bereits in der ersten Spielminute hätte Martin Sekera seine Wölfe fast in Front gebracht, doch zum Glück für die Hausherren vertändelte der Routinier den Puck bei seinem Alleingang. Auch die Regensburger hatten gleich darauf eine Großchance zu verzeichnen, als Kristoffer Bäckström den Puck nur an den Pfosten schlenzte. Dann war es erst einmal vorbei mit dem Eishockeysport, da eine defekte Plexiglasscheibe für eine längere Unterbrechung sorgte. In der Folge hatten die Regensburger zunächst nichts mehr zu bestellen, denn die Oberfranken spielten groß auf. Das 1:0 fiel in der zwölfte Minute. EVR-Goalie Bastian Niedermeier konnten einen harmlosen Schuss nur abprallen lassen und Dennis Thielsch netzte zum 1:0 für die Wölfe ein. Natürlich sehr zu Freude der knapp 1000 oberfränkischen Schlachtenbummler. Als die Selber kurz darauf fast zwei Minuten lang in doppelter Überzahl agieren durften, erhöhte Martin Sekera auf 2:0 (12.). Das ohnehin schon nervöse Kombinationsspiel der Gastgeber fand nun gar nicht mehr statt und Tormöglichkeiten basierten eher auf Zufälligkeiten.

Doch nach dem Seitenwechsel agierte der EVR plötzlich auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer. In der 21. Minute nutzte Kristoffer Bäckström eine Überzahlsituation zum 1:2-Anschlusstreffer. Als Daniel Huber kurz darauf einen Fehler von Gästegoalie Benjamin Dirksen eiskalt bestrafte und den Ausgleich besorgte, verwandelte sich die Donau-Arena in ein Tollhaus. Ermöglicht wurde diese Rückkehr ins Spiel aber nur, weil Bastian Niedermeier seinen Fehler längst ausgebügelt hatte und mehrfach glänzend rettete. Begünstigt durch viele Strafen nahmen auch die Torchancen zu. So brachte der Ex-Regensburger Tim Schneider den Gästefanblock erneut zum überkochen, als er die Wölfe mit 3:2 in Führung schoss (25.). Martin Sekera sollte seiner Mannschaft kurze Zeit später allerdings einen Bärendienst erweisen, als er nach einem völlig unnötigen Foul an EVR-Stürmer Daniel Huber vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Roman Schreyer nutzte die Gelegenheit aus und konnte den Rückstand der Hausherren erneut egalisieren (27.). Der vermeintliche Führungstreffer blieb den Regensburger nach einer Torraumabseitsentscheidung jedoch verwehrt (28.). Auch in den nächsten Minuten füllte sich das Strafzeitenkonto beider Teams munter weiter. Das normale Eishockeyspiel wurde nun zum waschechten Derby. Wiederum erwiesen sich die Selber beim Ausnutzen der numerischen Überlegenheiten zunächst als das konsequentere Team. So war es erneut Dennis Thielsch vorbehalten, den vierten Selber Treffer zu erzielen (33.). Der von der Strafbank zurückgekehrte Martin Lamich erhöhte kurz vor der zweiten Drittelpause sogar auf 5:3. Diese wurde dann auch vorzeitig eingeläutet, nachdem Gästestürmer Fabian Bauer ungebremst gegen die Bande prallte und verletzt vom Eis getragen werden musste.

Nach dem Seitenwechsel mobilisierten die Hausherren noch einmal die letzten Kräfte. Die Regensburger waren nun die deutlich bessere Mannschaft und Benjamin Dirksen stand immer wieder im Mittelpunkt. Den neuerlichen Anschluss durch Kristoffer Bäckström konnte aber auch er nicht verhindern (43.). Das junge EVR-Team war nun drauf und dran, wiederum den Ausgleich zu erzwingen. In der 46. Minute ging aber die nächste Plexiglasscheibe zu Bruch und stoppte den Angriffswirbel der Hausherren. Der Kräfteverschleiß bei den angeschlagenen Wölfen konnte aber auch durch diese willkommene Pause nicht wettgemacht werden. Der Kampf um die drei Punkte ging in die Endphase und genau wie der EVR setzten die Selber alles daran, diese wichtigen Zähler zu erringen. Die Regensburger wurden mit zunehmender Spieldauer stärker und stärker. Die Gäste konnten nur noch vereinzelt Entlastungsangriffe fahren. Diese wurden immer wieder durch den nimmermüden Sergej Waßmiller eingeleitet, der seiner fast 40 Jahre zum Trotz, keinen Puck verloren gab. In 58. Minute passierte die Scheibe aber doch noch einmal die Selber Torlinie. Mit seinem dritten Treffer an diesem Abend besiegelte der schwedische Verteidigerhüne Kristoffer Bäckström die inzwischen gerechte Punkteteilung. Auch im anschließenden Penaltyschiessen gehörte das bessere Ende den Regensburgern. Sven Gerike gelang dabei der einzige Treffer.

Die Regensburger kletterten durch diesen Erfolg auf den fünften Tabellenplatz, während die Selber ihre Tabellenführung wieder an den TEV Miesbach abgeben mussten. (Michael Pohl)