Der EVR ist wieder da

EVR zieht nach Zitterpartie ins Bayernkrug-Finale einEVR zieht nach Zitterpartie ins Bayernkrug-Finale ein
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Es ist vollbracht. Nach einem würdigen Finalspiel gegen die ebenbürtigen Gäste aus Lindau konnte sich der EV Regensburg den Aufstieg in die Bayernliga sichern.

Die Liste mit den Vätern des Erfolges ist unglaublich lang und nicht jeder kann dabei namentlich erwähnt werden. Den größten Anteil an diesem Aufstieg dürfte aber ohne Zweifel Sven Gerike haben. Wenn sich ein Spieler im besten Eishockeyalter dazu entschließt, seinem Verein selbst in den tiefsten Regionen des deutschen Eishockeys die Treue zu halten, verdient diese Entscheidung höchsten Respekt. Gerike hat in der Folgezeit nicht nur als Spieler seine Karriere in Regensburg fortgesetzt, sondern auch die Fäden hinter den Kulissen in die Hand genommen.

Dabei hat er sowohl namhafte Akteure zu einem Engagement in Regensburger überreden können, als auch versucht, die verständlicherweise verärgerten Sponsoren zurück zu gewinnen. Mit Erfolg, denn der Name Sven Gerike steht inzwischen auch für Seriosität im Regensburger Eishockey. Gerike wird sich hoffentlich nicht dazu verleiten lassen, waghalsige Finanzspielchen einzugehen und vermittelt auch den Fans glaubhaft und oftmals sehr schmerzvoll, was das derzeitige Budget tatsächlich zulässt. Doch auch die Schlachtenbummler haben aus der Vergangenheit gelernt und reagieren auf jegliche Neuigkeiten verständnisvoll, ohne große Forderungen zu stellen.

So wären wir bei einem weiteren Argument für Regensburg, welches Sven Gerike in jeder Spielerverhandlung berücksichtigen konnte: Die großartigen Fans. Hat nicht jeder Eishockeyspieler schon als kleiner Junge davon geträumt, in einer großen Halle vor vielen Zuschauern zu spielen? Dass dies auch in der Landesliga möglich ist, konnte der Eishockeystandort Regensburg eindrucksvoll unter Beweis stellen. Mehr als 1000 Dauerkarten fanden im Saisonverlauf einen neuen Besitzer. Dazu gesellte sich in jedem Spiel noch eine gehörige Anzahl Kurzentschlossener. Am 20. Februar 2009, beim Topspiel gegen den 1. EV Weiden, konnten die stolzen Verantwortlichen eine ausverkaufte Donau-Arena vermelden. 4961 Zuschauer sorgten für eine solch grandiose Stimmung, dass wohl selbst ein Großteil der höherklassigen Vereine den EV Regensburg in der Landesliga beneidete.

Aber auch in den anderen Spielen konnten sich die Regensburger Verantwortlichen nie über die Zuschauerzahlen beschweren. Nach den ersten Partien erkannte das fachkundige Publikum bereits, dass die Umstellung vom Bundesliganiveu hin zur Landesliga viel reibungsloser als erwartet verlaufen würde. Schnell hatte man sich mit den Gegebenheiten abgefunden und auch die Reize dieser Liga entdeckt.

Die Auswärtsreisen zu den Freiluftstadien gestalteten sich fast wie eine Rückkehr in die viel gelobte Vergangenheit. Es wurde jedem klar, dass hier kein Weihereishockey gespielt wird und die Zeiten der schwachen Schlittschuhläufer in unterklassigen Ligen ohnehin längst vorbei ist. Natürlich fielen einige Siege sehr hoch aus, doch der Unterhaltungswert war immer gegeben, was auch an den vielen traditionsreichen Vereinen in der Landesliga lag.

Beim Blick auf den Regensburger Kader fallen einem zudem viele klangvolle Spielernamen auf. Akteure, die sicherlich ohne große Probleme auch weiterhin in den sportlich und finanziell reizvolleren Ligen hätten mitspielen können, aber trotz allem dem EV Regensburg in der Landesliga ihre Zusage gaben.

Das Kollektiv hat einfach gepasst und dennoch wird ein Name immer in Verbindung mit diesem Aufstieg gebracht werden: Thomas Daffner. Die großartigen Leistungen des Ex-Nationalspielers über die gesamte Saison hinweg, ebneten unbestritten den Weg für diesen Erfolg. 39 Tore und 53 Vorlagen verbuchte der Routinier bis zum jetzigen Zeitpunkt und steht damit in der Scorerliste der Landesliga ganz weit oben.

Obwohl Daffner in seiner langjährigen Karriere beinahe alles erreicht hat, war er sich nicht zu schade, für den EV Regensburg in jeder Partie bis an die körperliche Schmerzgrenze zu gehen. Schnell schloss das Regensburger Publikum ihren Kapitän ins Herz und der Schlachtruf „Boom, Boom, Daffner“ ließ bei jedem Treffer des inzwischen 37-jährigen die Donau Arena erzittern. Dabei war die anfängliche Skepsis groß, ob ein Altinternationaler im Herbst seiner Laufbahn noch einmal bereit ist, dorthin zu gehen, wo es weh tut. Thomas Daffner hat alle Kritiker verstummen lassen und die Antwort auf der Eisfläche gegeben. Der Kapitän erfüllte seine Rolle vorbildlich und hielt das Schiff „EV Regensburg“ jederzeit auf Aufstiegskurs. So durfte er am gestrigen Abend feiern und tat dies trotz seiner vielen Erfolge in der Vergangenheit unglaublich emotionsgeladen.

Im Verbund mit Sven Gerike präsentiert er derzeit eindrucksvoll das neue, positive Regensburger Eishockeygefühl, welches selbst den tiefen Fall im Vorjahr aus den Köpfen der Fans verdrängt hat.

Es gilt jetzt, diesen Aufschwung im Regensburger Eishockey zu nutzen. Die Euphorie der Fans wirkt durchwegs nicht schlechter, als zu besten Zweitligazeiten. Auch in der Bayernliga scheint es möglich, trotz sicherlich leicht erhöhter Konditionen an der 1000-er-Marke beim Dauerkartenverkauf zu kratzen, oder diese vielleicht sogar erneut zu überbieten.

Zahlreiche Traditionsduelle stehen dann auf dem Programm, eine erhöhte Werbewirksamkeit rundet die zufriedenen Regensburger Gesichter ab. Die Aussicht, mit nur einem Aufstieg wieder Profieishockey in der Domstadt zu sehen, dürfte auch die Sponsoren erfreuen. Vielleicht entscheiden sich selbst die zuletzt verständlicherweise eher vorsichtigen Gönner aus Bundesligazeiten erneut zu einem Engagement beim EV Regensburg. Die hervorragenden Zuschauerzahlen geben den Bemühungen von Sven Gerike Recht und selten waren Unzufriedenheit und Verärgerung so weit vom Standort Regensburg entfernt, wie dieser Tage.

Natürlich kann eine positive Stimmung sehr schnell ins Negative umschlagen, doch auch ein mehrjähriger Aufenthalt in der Bayernliga scheint für die Regensburger Spieler und Fans angesichts der Turbulenzen in den höheren Klassen kein Horrorszenario darzustellen.

Man darf sich beim „Projekt Oberliga“ nur nicht unter Druck setzen lassen, sondern sollte durch vernünftiges Wirtschaften langsame Aufbauarbeit leisten. Das Regensburger Eishockey dürfte aus sportlicher Sicht also erstmal gefestigt sein.

Sehr gut funktionierte in dieser Saison auch die Informationspolitik zwischen den vielen freiwilligen Offiziellen und den Fans. So wurden die Fans bei zahlreichen Entscheidungen mit eingebunden und nicht, wie in der Vergangenheit, vor vollendete Tatsachen gestellt. Zahlreiche Vergünstigungsaktionen, vielfältige Ankündigungsflyer und die gute Idee mit dem Dauerkartenzähler rundeten den positiven Gesamteindruck ab.

Sogar bei der Einbindung des Nachwuchses haben die Verantwortlichen, allen voran Sven Gerike, Wort gehalten. Viele Eigengewächse bekamen in der ersten Mannschaft ihre Chance und konnten diese zumeist auch nutzen. Lange Jahre wurde der Einsatz von jungen Spielern vehement von den Fans gefordert. Inzwischen haben sich viele Nachwuchsakteure von Mitläufern zu echten Leistungsträgern entwickelt.

Allen aktuellen und ehemaligen Fans wurde am gestrigen Abend zweifelsohne eine Sache wieder ins Bewusstsein gebracht: Der EVR ist wieder da. (Michael Pohl)