40 Minuten reichen dem EVL nichtEV Lindau

40 Minuten reichen dem EVL nicht40 Minuten reichen dem EVL nicht
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„Wir waren 40 Minuten die bessere Mannschaft, haben aber die besten Chancen ausgelassen. Das war insgesamt zu wenig“, sagte Trainer Pavel Mojtek nach der zerfahrenen Partie, in der die Gäste den besseren Start hatten. Konzentrierter als der EVL, der merkwürdig verhalten ins Spiel ging und sich viele Fehler leistete. Verdient gingen die Gäste nach zehn Minuten in Überzahl durch Florian Barth in Führung, während auf der Gegenseite die Islanders zwar ungenau und mit vielen Fehlpässen spielten, aber dennoch gute Chancen hatten. Die beste hatte Nikolas Oppenberger nach zwölf Minuten, als er einen Penalty an ans Lattenkreuz setzte. Zuvor hatte er sich solo durchgesetzt und war dabei gefoult worden. Eine Willensaktion mit Seltenheitswert. „Wir waren im ersten Drittel vor beiden Toren zu weich“, sagte Mojtek. „Ehrlich gesagt hat mir bis weit ins zweite Drittel die Körpersprache, die Entschlossenheit gefehlt. Da hat mir der eine oder andere sogenannte Führungsspieler zuviel Larifari gespielt. Diese Leistungsunterschiede kann und will ich nicht verstehen“, wurde EVL- Vorsitzender Marc Hindelang deutlicher.

Auch die nur 305 Zuschauer waren entsetzt über die Konzentrationsfehler und vielen Fehlpässe im Lindauer Spiel. Kurios war dabei, dass die Islanders dennoch Chancen ohne Ende hatten. Im zweiten Drittel, in dem sie druckvoller spielten brachte es Mike Dolezal sogar fertig, die Scheibe nicht im leeren Tor unterzubringen. Als er sich endlich entschloss, zu schießen, war der überragende  EHC-Goalie Fabian Birk zur Stelle und verhinderte den fälligen Ausgleich. Auf der anderen Seite waren die clever und kompakt Gäste mit ihren Kontern immer gefährlich – hier hielt Varian Kirst seine Islanders im Spiel.

Aber was nutzt es, wenn das Schussglück nicht zurück kommt, weil eine Mannschaft erst zu spät begreift, was auf dem Spiel steht? Zu aller Enttäuschung darüber, dass die Lindauer zu oft das schöne Tor erzielen und den perfekten Pass spielen wollen, kam dann echtes Pech. Wie sonst kann eine Scheibe vom Pfosten an die Latte prallen und dann wieder heraus? Timo Krohnfoth war nicht der einzige mit Aluminiumpech (43.), auch Lubos Sekula traf in Überzahl fünf Minuten nur den Pfosten. Den Rest besorgte Waldkraiburgs Torhüter und eine Minute vor dem Ende Jürgen Lederer mit dem 0:2 ins leere EVL- Tor. Dies und die schwere Verletzung von Leiprecht ließ die Islanders ratlos und tief deprimiert zurück. Es scheint, als könne den EVL jetzt nur noch eine Trotzreaktion helfen.

Denn schwerer wird es auswärts nicht mehr kommen für den EV Lindau: Am Sonntag (18 Uhr) müssen die Islanders zum EHC Bayreuth, als härtester Verfolger des Tabellenführers Sonthofen zweitbestes Team der Bayernliga. „Das Gute ist, dass dort niemand etwas von uns erwartet und wir frei aufspielen können“, sagt der sportliche Leiter Bernd Wucher zur harten Aufgabe des EVL. Zuletzt haben die Wagnerstädter zwar auch bedingt durch die schwere Verletzung von Torjäger Michal Hlozek (Kreuzbandriss) etwas Boden auf Sonthofen verloren, „aber die Qualität des EHC ist nach wie vor enorm.“ Auswärts gaben die Tigers zwar den einen oder anderen überraschenden Zähler ab – etwa zuletzt in Pfaffenhofen und am Freitag bei der Überraschenden Niederlage in Buchloe – aber im Tigerkäfig sind sie eine Macht, gewannen sieben ihrer neun Heimspiele.

Dass der EVL auswärts alles andere als eine Macht ist, kommt hier erschwerend dazu. Allerdings konnten die Islanders auch selten komplett antreten. So werden bei diesem Spiel Bernhard Leiprecht, Markus Schweinberger, Patrick Prell, Benjamin Arnold und Andre Martini fehlen. Dazu ist die ganz große Frage, wie sehr die bittere Niederlage in Waldkraiburg nachwirkt und ob sich die Islanders mental überhaupt danach aufrichten können. „Wir sollten diesmal von Anfang an alles in die Waagschale werfen, was wir haben, müssen vor allem intelligent spielen und von der Strafbank wegbleiben“, sagt Trainer Pavel Mojtek. „Bayreuth hat eine starke Offensive, die jeden Fehler ausnutzt.“ Ein Vorteil für die Islanders sei deshalb in der Tat, dass sie bei den Franken nichts zu verlieren haben.