16 Sekunden fehlen zum Rebels-SiegStuttgart unterliegt Heilbronn nach Penaltyschießen

Doppel-Torschütze Philipp Hodul zeigte ein ganz starkes Rebels-Debut auf der Waldau.Doppel-Torschütze Philipp Hodul zeigte ein ganz starkes Rebels-Debut auf der Waldau.
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Ausgestattet mit lärmenden Klatsch-Leporellos von Spiel-Promotion-Partner SSB, der sein neues Nachtbusnetz bewarb, schufen beide Fanlager schon vor dem Spiel die passende Atmosphäre in die abgedunkelte Halle. Dies beflügelte die Hausherren sichtlich. Denn anders als beim ersten Spiel zwischen den beiden Titelkandidaten agierten sie offensiv, erarbeiteten sich Chance um Chance und ließen die Käthchenstädter nicht zur Entfaltung kommen. Geschickt stellten sie sofort nach Scheibenverlusten die Passwege ins Mitteldrittel zu und verhinderten so die Spielentwicklung der Gäste bereits im Ansatz. Insbesondere die gefürchtete erste Eisbären-Angriffsreihe mit Milan Liebsch, Manuel Weibler und Alexander Hackert fand so gar nicht ins Spiel.

Und so fiel die überraschende Heilbronner Führung quasi aus dem Nichts nach einer sehenswerten Einzelleistung von Benjamin Brozicek, der mit der Scheibe rechts das Mitteldrittel durchquerte, die freundlich Spalier stehenden Rebels-Verteidiger Ryan Sparks und Alexander Schmidt nacheinander umkurven durfte und nur in Dusan Strharsky im Tor seinen Meister fand. Gegen den Nachschuss des völlig frei stehenden Robin Platz war aber auch der Slowake im Rebels-Gehäuse machtlos. Wenig später eröffnete sich den Landeshauptstädtern in Überzahl Gelegenheit, diesen Schönheitsfehler wettzumachen. Doch stattdessen gelang es den Gästen mit einem Abziehbild des ersten Tores, ihren Vorsprung auszubauen. Diesmal spazierte Liebsch an Sparks und Schmidt vorbei, bevor Dominique Hensel seinen Pass nur noch einzuschieben brauchte. Auf Vorarbeit seines unermüdlich antreibenden Kapitäns Christopher Mauch gelang Artur Votler kurz vor Ende des ersten Spieldrittels der längst überfällige erste Treffer für die Hausherren mit einem Drehschuss von der blauen Linie durch die Beine von Gästekeeper Marian Metz.

Im Mittelabschnitt wogte das Geschehen hin und her. Im Hochtempo ging es durch die neutrale Zone. Mannschaftlich homogen drückten die Rebels, zumeist mit Einzelaktionen antworteten die Unterländer. Als Neil Witthöft mit seinem Ausgleich in der 23. Minute die Uhren wieder auf Null stellte, hoffte das begeisterte Publikum, dass sich die steten Bemühungen der Waldauer nun im Ergebnis niederschlagen würden. Aber erneut zeigten die Eisbären ihre Raubtierqualitäten. Erst stocherte Liebsch eine Gemeinschaftsproduktion seiner Sturmreihe über die Linie, dann vollendete Brozicek den vielleicht ersten wirklich schönen Angriff seines Teams zur erneuten Zwei-Tore-Führung. Doch die Rebels blieben unbeeindruckt. Was auf normalem Wege schwierig schien, gelang Philipp Hodul aus Hintertorposition. Unter Mithilfe von Metz verkürzte der bärenstarke Neuzugang in seinem Premierenspiel auf der Waldau postwendend zum 3:4, bevor Haiko Hirsch, wiederum mit einem Alleingang, den alten Abstand sofort wieder herstellte. Aber Hodul zeigte sich trotzig und unterstrich mit seinem abermaligen Anschlusstreffer seine Scorerfähigkeiten.

Angetrieben von den nun zur Hochform auflaufenden Stuttgarter Fans gelang dem offensivstarken Schmidt mit einem Schlagschuss von der rechten Seite der blauen Angriffslinie der Ausgleich kurz nach der zweiten Drittelpause. „Bully – Tor“ beschreibt die erste Rebels-Führung, nur wenige Augenblicke später: Wiederum auf der rechten Seite gewann Miguel Tilgner das Anspiel und auf Pass von Votler machte Maxim Beck mit einem beherzten Schuß kurzen Prozeß. Hätte Beck kurz darauf nicht nur den Pfosten fast aus derselben Position getroffen, wäre das Spiel für den Tabellenzweiten wohl entschieden gewesen. So aber blieb Heilbronn im Spiel.

Der für den verhinderten Gäste-Trainer Kai Sellers coachende Conrad Hoffmann versuchte zwei Minuten vor Schluss mit einer Auszeit die letzten Impulse zu setzen, als ihm die einzige Strafzeit der Hausherren zur Hilfe kam. Nun wurde auch Goalie Metz 77 Sekunden vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. Doch nachdem ein Befreiungsschuss der aufopferungsvoll kämpfenden Mannen von Rebels-Coach Pavol Jancovic knapp am leeren Eisbären-Gehäuse vorbei strich, Mauch einen Schuss aus dem Slot mit seinem Körper noch blocken konnte, gelang Weibel mit seinem brachialen Nachschuss 16 Sekunden vor Schluss doch noch der insgesamt schmeichelhafte Ausgleich. Damit war das reguläre Spiel aber noch nicht beendet, denn 2 Sekunden vor der Schlusssirene hätte Beck mit einer Duplette seines Führungstreffers doch noch den Sieg für die Gastgeber sicherstellen können; diesmal parierte aber Metz.

Im direkt folgenden Penaltyschießen vergaben Hodul und Beck für den Tabellenzweiten, während Votler zwischenzeitlich ausgleichen konnte. Aber wie im Spiel zeigten sich auch hier die Eisbären kaltblütiger und sicherten sich mit Treffern von Hackert und Heiko Vogler, bei einem Fehlversuch von Weibler, den Zusatzpunkt.

Hoffmann zeigte sich anschließend überglücklich mit dem Sieg seiner Mannschaft: „Nach 10 Minuten hätten wir schon 0:2 oder 0:3 zurückliegen können. Deshalb bin ich insgesamt natürlich zufrieden mit dem Verlauf. Stuttgart hat ein sehr starkes Team.“ Und Jancovic war stolz auf sein Team: „Wir müssen immer einen hohen Aufwand betreiben, um zu Chancen zu kommen. Das haben wir gemacht und uns auch durch Rückschläge nicht aus der ruhe bringen lassen. Vor dieser tollen Kulisse wollte sich jeder von seiner besten Seite zeigen. So sollte es weitergehen.“ Und auch Rebels-Vorstand Thomas Klebsattel zeigte sich unbeeindruckt vom Spielausgang: „Wichtig ist, dass wir das letzte Saisonspiel gegen Heilbronn gewinnen. Dafür bin ich zuversichtlich.“

Tore: 0:1 (10.) Platz (Brozicek), 0:2 (12.) Hensel (Liebsch) 4-5, 1:2 (20.) Votler (Mauch, Horwath), 2:2 (23.) Witthöft (Pratnemer, Vetsch), 2:3 (28.) Liebsch (Hackert, Weibler), 2:4 Brozicek (Oppenländer, Kollmar), 3:4 (32.) Hodul, 3:5 (33.) Hirsch (Bernhardt), 4:5 (35.) Hodul (Horwath) 5-4, 5:5 (44.) Schmidt (Horwath), 6:5 (45.) Beck (Votler, Tilgner), 6:6 (60.) Weibler 6-4, 6:7 Vogler GWP

Strafen: Rebels 2, Eisbären 4 + 10 Metz
HSR: Breiter, LR: Vater, Schmid
Zuschauer: 826