Vom Topspiel zum Strafzeitenfestival

Gemeinderat Timmendorf will Eishalle schließenGemeinderat Timmendorf will Eishalle schließen
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Es sollte ein Topspiel werden. Das erste Aufeinandertreffen zwischen dem EHC Timmendorfer Strand und den Rostocker Piranhas seit längerer Zeit. Die beiden in der Regionalliga Nord ungeschlagenen Mannschaften trafen vor 710 Zuschauern im Pokal aufeinander. Das Prädikat „Topspiel“ verdiente diese Partie nur bis zur 28. Spielminute, danach übernahm Hauptschiedsrichter Patrick Meier die Hauptrolle. Die Beachboys verloren am Ende mit 4:11 (3:1, 1:6, 0:4). 60 Strafminuten und 90 Disziplinarstrafminuten standen am Ende für die Timmendorfer auf dem Spielberichtsbogen, der insgesamt zwei Seiten umfasste. Dazu gab es zwei Seiten Zusatzmeldung. Darin schrieb Meier: „Insgesamt war das Spiel von zahlreichen Disziplinarstrafen der Heimmannschaft geprägt“. Fast bei jeder kleinen Strafe gab es von Meier eine Disziplinarstrafe oben drauf.

Die Beachboys legten einen Blitzstart gegen den hoch gehandelten Meisterschaftsfavoriten aus der Hansestadt hin. Youngster Timo Wassermeier traf nach gerade einmal 53 Sekunden Spielzeit zum 1:0. 45 Sekunden später konnte Marcus Klupp mit einem satten Pfund auf 2:0 erhöhen - die Piranhas wurden eiskalt erwischt. Mit gutem Forechecking konnten die Beachboys den Spielaufbau der Rostocker unterbinden. Mit dem zweiten Überzahlspiel des Abends baute Jason Horst die Führung auf 3:0 aus (10.). Ebenfalls in Überzahl kam Rostock durch den Ex-Beachboy James Trevena-Brown zum Anschlusstreffer.

Nach nur 20 Sekunden im zweiten Drittel erhöhte Torjäger Korbinian Witting auf 4:1, doch Thomas Dreischer stellte postwendend den alten Abstand wieder her und Karol Bartanus verkürzte etwas später auf 4:3 (28.). Was dann kommen sollte, werden die anwesenden Zuschauer sicherlich nicht so schnell vergessen. Hauptschiedsrichter Meier verteilte zahlreiche Strafen gegen die Beachboys und zum Ende des Spielabschnitts saßen mit Jeff Maronese, Marcus Klupp, Alexandre Santos und Patrick Saggau gleichzeitig vier Leistungsträger des EHCT 06 jeweils eine zehnminütige Disziplinarstrafe ab. Die Gäste nutzten diese Möglichkeit aus und kamen nicht nur zum Ausgleich sondern drehten das Spiel bis zum Drittelende auf 4:7, wobei sie besonders ihre Überzahlmöglichkeiten optimal verwerteten. Die Mannschaft von Coach Matze Schnabel war mehr mit den Entscheidungen des Schiedsrichters als mit dem Gegner beschäftigt und das eigentlich fair geführte Spiel drohte somit zu eskalieren. Daraufhin sah sich Trainer „Matze“ Schnabel genötigt,  seine Mannschaft zwei Minuten vor Drittelende in die Kabine zu holen, um etwas Ruhe in das Spiel zu bringen und die Gemüter zu beruhigen. Statt die Drittelpause vorzuziehen, forderte Meier die Beachboys auf, wieder auf das Eis zu kommen. Dieser Aufforderung kamen die Beachboys nach.

Im Schlussabschnitt hagelte es weiter diskussionswürdige Strafen gegen die Beachboys und die Piranhas zogen auf 4:11 davon. Neben weiteren Disziplinarstrafen mussten Christian Herrmann (Spieldauerdisziplinarstrafe) und Patrick Saggau (Matchstrafe) vorzeitig duschen gehen. Goalie Björn Reinke, der zahlreiche Glanzparaden gezeigt hatte, musste auch das Eis verlassen. Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen zog er sich aber eine Verletzung zu und musste ins Krankenhaus transportiert werden. Dort wurde ein Muskelfaserriss festgestellt. Reinke fällt vier bis sechs Wochen aus. In den letzten Minuten standen Coach Schnabel wegen Verletzungen und Strafen nur noch ganze sechs Feldspieler zur Verfügung und er konnte somit nicht wie üblich reihenweise wechseln, sondern die beiden übrig gebliebenen Verteidiger spielten durch und ein Stürmer konnte immer für kurze Zeit verschnaufen. Schnabels „letzte Mohikaner“ hatten gegen die starken Rostocker natürlich nichts mehr entgegen zu setzen. Sie kämpften stark, konnten die letzten Gegentore aber nicht mehr verhindern. Dieser Einsatz wurde von den Zuschauern gewürdigt, denn trotz des deutlichen Ergebnisses verließ niemand frühzeitig die Halle und die Beachboys wurden bis zur letzten Sekunde von ihren Fans unterstützt. Dass es aus Sicht der Spieler kein unfaires Spiel gewesen ist, auch wenn insgesamt über 200 Strafminuten auf den ersten Blick eine andere Sprache sprechen, wurde nach dem Spiel deutlich, als beim Handshake der Mannschaften auf beiden Seiten auch die im Spiel durch Strafen und Verletzungen ausgeschiedenen Spieler teilnahmen und sich gegenseitig beglückwünschten.

Piranhas-Coach Henry Thom war in der ungewohnten Lage auf der Pressekonferenz in Timmendorf als erstes sein Statement abgeben zu müssen: „Bis zur 28. Spielminute haben wir das beste Spiel gesehen, dass es in den letzten Jahren in Timmendorf gab. Timmendorf hat uns im ersten Drittel eiskalt erwischt. Damit haben wir nicht gerechnet. Das Spiel hat jemand beim Stande von 4:4 übernommen. So will kein Rostocker gewinnen.“

Beachboys-Trainer Matze Schnabel meinte: „Meine Mannschaft hat im ersten Drittel ganz tolles Eishockey gezeigt. Wir haben gezeigt, dass wir mit einer Topmannschaft wie Rostock auch mit einem kleinen Kader mithalten können. Diesen Schiedsrichter möchte ich hier nie wieder sehen. Es war das dritte Spiel hintereinander und alle Spiele weisen Parallelen auf. Das macht keinen Spaß, dann bleibe ich lieber zuhause und gucke Fernsehen.“

Das für Sonntag angesetzte Pokalspiel in Rostock musste unterdessen abgesagt werden, da die Beachboys aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen und Sperren keine spielfähige Mannschaft stellen konnten. Das Spiel wurde in Absprache mit der Ligenleitung auf den 20. November (20 Uhr) verschoben. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit. Am kommenden Wochenende müssen die Strandjungs zweimal in der Regionalliga Nord antreten. Am Freitag (13.11.) gastiert die SG Salzgitter in der Eishalle am Kurpark und am Samstag muss der EHCT 06 dann auswärts beim alten Rivalen aus der Wedemark antreten (20 Uhr).

Tore: 1:0 (0:53) Timo Wassermeier (Christian Herrmann, Alexandre Santos), 2:0 (1:39) Marcus Klupp (Patrick Saggau), 3:0 (9:49) Jason Horst (Moritz Meyer) PP 5-4, 3:1 (16:09) James Travena-Bown (Karol Bartanus, Ralf Herbst) PP 5-4, 4:1 (20:20) Korbinian Witting (Marcus Klupp, Patrick Saggau) PP 5-4, 4:2(20:40) Thomas Dreischer (Jens Stramkowski) PP 5-4, 4:3 (27:06) Karol Bartanus (Viatcheslav Koubenski) PP 5-4, 4:4 (29:11) Viatcheslav Koubenski (Aaron Reckers, Jens Stramkowski) PP 5-4, 4:5 (32:12) Aaron Reckers (Jürgen Brümmer, Viatcheslav Koubenski), 4:6 (37:08) Aaron Reckers (Thomas Dreischer, Viatcheslav Koubenski) PP 5-3, 4:7 (38:27) Aaron Reckers (Thomas Dreischer, Viatcheslav Koubenski) PP 5-4, 4:8 (45:06) Kevin Nighbert (James Trevena-Bown), 4:9 (50:40) Jens Stramkowski (Thomas Dreischer, Karol Bartanus) PP 5-3, 4:10 (53:07) Viatcheslav Koubenski (Karol Bartanus, Thomas Dreischer) PP 5-4, 4:11 (55:42) Thomas Dreischer (Karol Bartanus, Jens Stramkowski).

Strafen: Timmendorfer Strand 60 + 10 (Jeff Maronese) + 10 (Marcus Klupp) + 10 (Alexandre Santos) + 10 (Patrick Saggau) + 10 (Korbinian Witting) + 10 (Matthias Koglin) + 10 (Dennis Overbeck + 5 + Spieldauerdisziplinarstrafe (Christian Herrmann) + Matchstrafe (Patrick Saggau), Rostock 15 + 10 (Paul Stratmann) + 10 (Karol Bartanus) + 5 + Spieldauerdisziplinarstrafe (James Trevena-Brown). (lb)