Play-off-Halbfinale gegen Dortmund

Favorit war eine Nummer zu großFavorit war eine Nummer zu groß
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Sechs ereignisreiche Monate liegen hinter dem Neusser EV. Nach einer Vorrunde mit Höhen und Tiefen lieferte die Mannschaft von Trainer Andrej Fuchs eine überragende Oberliga-Aufstiegsrunde ab und belohnte sich selbst mit dem Einzug in das Play-off-Halbfinale. So kommt es an diesem Wochenende zum Duell der Regionalliga-Urgesteine, denn die Neusser treffen auf den EHC Dortmund. Nach einigen spektakulären Transfers gingen die Westfalen Elche als klarer Aufstiegs-Favorit in die Saison. Zwar verzeichneten auch die Bierstädter zwischenzeitliche Schwächephasen, aufgrund deren individueller Klasse hat die Einschätzung jedoch weiterhin Bestand. Während der NEV am Freitag im heimischen Südpark antritt (20 Uhr), steigt am Sonntag (19 Uhr) das Rückspiel in der Westfalenmetropole.

Während mancher Liga-Rivale auf der Suche nach kurzfristigem Erfolg in der Vergangenheit scheiterte, ging man beim EHC Dortmund einen alternativen Weg. In den letzten Jahren wurden die Rahmenbedingungen konsequent verbessert, so dass vor zwölf Monaten nur noch ein Tor zum sportlichen Aufstieg in die Oberliga fehlte. Die Verantwortlichen des Vereins resignierten jedoch nicht, sondern stellten für die aktuelle Saison einen Kader zusammen, der nicht nur die Klassenkonkurrenten mit der Zunge schnalzen ließ. Erwartungsgemäß setzten sich die Dortmunder frühzeitig an die Tabellenspitze, von der sie sich bis zum Ende der Vorrunde nicht mehr verdrängen ließen. Dennoch sah man zwischenzeitlich Handlungsbedarf auf der Trainerposition, was eine Kettenreaktion in Form des Verlusts von drei Spielern zur Folge hatte, die aus Loyalität zum entlassenen Czeslaw Panek die Gefolgschaft verweigerten. Bei der Suche nach Ersatz wurde man mit Sven Linda, Danny Fischbach (beide Herne) und Pierre Kracht (Halle) in der Oberliga fündig, dazu konnte mit Lars Gerike ein erfahrener Ex-Profi aus Hamm verpflichtet werden. Trotz der zwischenzeitlichen Turbulenzen sicherten sich die Elche mit nur einer Niederlage und zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft der Regionalliga NRW und bestätigten damit ihre Favoritenrolle.

Deutlich mehr Mühe hatten sie anschließend in der Aufstiegsrunde, die sich im Vergleich zum Vorjahr in der Spitze als stärker und vor allem deutlich ausgeglichener präsentierte. Erst vor einer Woche beseitigte der EHC die letzten Zweifel am Einzug in die Play-offs, die er dank seines starken Endspurts letztendlich doch noch als Tabellenzweiter in Angriff nehmen kann. Mit 133 geschossenen Toren stellte man nicht nur den erfolgreichsten Angriff der Verzahnungsrunde, sondern mit 39 Gegentreffern auch noch die stabilste Defensive. Bei einem Blick auf den Kader verwundern die Zahlen kaum, verfügt der EHC doch über das mit Abstand stärkste Personal aller Endrunden-Teilnehmer. Routiniers wie Christian Kohmann, Mirko Reinke und Christian Franz waren noch im Vorjahr in der 2. Bundesliga aktiv und erfüllten dort ihre Rolle als Leistungsträger und Führungsspieler. Matthias Potthoff kehrte direkt aus der DEL (Iserlohn) zu seiner früheren Wirkungsstätte zurück, während Torsten Schmitt (Bad Nauheim), Nils Sondermann (Hannover) und Daniel Zollo (Passau) von Oberligisten den Weg an die Strobelallee fanden. Auch auf den Kontingentstellen ist man mit Antti-Jussi Miettinen und Jiri Svejda überdurchschnittlich besetzt. Dass die Neusser beide Endrunden-Duelle gegen den Aufstiegs-Favoriten nach hartem Kampf für sich entscheiden konnten, war dementsprechend als große Überraschung zu werten, folgerichtig sehen sie sich nun erneut als Außenseiter. Das Dortmunder „Star-Ensemble” bewies am vergangenen Wochenende mit Siegen gegen Dinslaken (7:2) und Essen (13:1), dass es bereit ist, in der entscheidenden Saisonphase sein Potenzial abzurufen. Auf der anderen Seite kann das Neusser Team um Kapitän Ronny Sassen nach zahlreichen überraschenden Erfolgen in der Endrunde ohne Druck aufspielen und versuchen, den übermächtig erscheinenden Gegner ein weiteres Mal zu ärgern. Auch wenn man sich bewusst ist, dass dafür alles optimal laufen muss, sind das Selbstvertrauen und die Vorfreude auf den Saison-Höhepunkt groß.

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