Kleinigkeiten entscheiden

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Der Mainzer Bandenchef sprach am Morgen danach von einem „hochklassigen Hessenligaspiel“ – alle Beteiligten und Augenzeugen werden ihm rechtgeben. Das Spitzenspiel bot Amateur-Eishockey auf hohem Niveau, spieltechnische und läuferische Klasse gepaart mit großem, aber fairem Einsatz auf beiden Seiten und taktischer Disziplin. Eine Phase des Abtastens durchbrach Michael Horcicka nach neuneinhalb Minuten. Der Mainzer Außenstürmer startete in der neutralen Zone ein unwiderstehliches Solo, ließ dabei die gesamte Kasseler Hintermannschaft und den starken Kasseler Torwart Julian Meyer alt aussehen – das 0:1 (10.).

Mainz verstand es, die Gastgeber vom eigenen Tor fernzuhalten – mit zwei Ausnahmen, die effektiv und gnadenlos bestraft wurden. Einen Vorwurf wolle er seiner Mannschaft nicht machen, sagte Pöritzsch im Anschluss, „wir haben Kassel nur phasenweise – meist durch individuelle Fehler – zur Entfaltung kommen lassen“. So geschehen in der 15. Spielminute: Im eigenen Angriff gaben die Mainzer zunächst die Scheibe unnötigerweise an der Blauen Linie preis, im Gegenzug wurde Kassels Kapitän Oliver Wohlrab im Slot freigespielt und netzte per Direktabnahme unhaltbar für den ebenfalls überzeugenden Marc Stromberg ein. Damit nicht genug, denn ganze 16 Sekunden später hatten die Young Huskies das Spiel gedreht, Nils Vogel verwertete zum 2:1.

Auch der Start ins Mitteldrittel verlief für die Gäste nicht nach Wunsch. Oliver Mizera erhöhte zunächst auf 3:1 (23.). Doch dieser Treffer wirkte wie ein Weckruf für die Wölfe. Sie erarbeiteten sich ein von Minute zu Minute zunehmendes Übergewicht und besaßen größte Chancen zum Anschlusstreffer. Patric Kaliszewski besaß die wohl beste, erwischte nach Vaclav Cimbureks exzellenter Vorarbeit im Angesicht des leeren Tores die Scheibe nicht (28.). Kaliszewski hatte sich extra für das Spitzenspiel freigenommen und war nicht nur aufgrund dieser Szene der Pechvogel des Abends: Nach einem Check besteht bei ihm der Verdacht auf Gehirnerschütterung. Was Mainz im zweiten Durchgang auch versuchte, die Scheibe fand einfach nicht den Weg über die Linie. „Es gibt Spiele, da will der Puck einfach nicht ins Tor“, bilanzierte Pöritzsch.

Auf umstrittene Weise lag dieser zu Beginn des Schlussdrittels schließlich hinter der Mainzer Torlinie. Stromberg hatte einen Nachschuss glänzend mit dem Schoner pariert und die Scheibe offensichtlich blockiert. Doch die Referees pfiffen erst ab und zeigten auf Tor, als Manuel Six sie samt Torwart über die Linie gestochert hatte. Wie fast alle engen Szenen an diesem Abend verlief auch diese zum Nachteil der Gäste. Die hatten es nun natürlich dreifach schwer, versuchten – zumeist mit zwei Reihen – alles, doch erst 66 Sekunden vor der Schlusssirene schoss Martin Sagula zum 2:4 ein (59.). Für eine finale Aufholjagd reichte die Zeit nicht mehr.

„Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir die Tabellenführung an Kassel abgeben mussten“, sagte der Mainzer Bandenchef Pöritzsch. „Das Gute daran ist, dass wir bereits am kommenden Sonntag in Mainz die Chance haben, dies wieder zu ändern.“ Um 18.15 Uhr wird am 2. Advent der zweite Teil des Hauptrunden-Gipfels in der Eissporthalle am Bruchweg eröffnet. Die Wölfe hoffen auf ähnliche Unterstützung wie beim letzten Heimspiel gegen Wiesbaden. Das Hinspiel in Nordhessen machte jedenfalls Lust auf mehr.

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