HEG entthront Neuss

Favorit war eine Nummer zu großFavorit war eine Nummer zu groß
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Wie häufig bekommt man schon die Gelegenheit, an einem Abend zwei Meister zu sehen? Beim Spitzenspiel zwischen der Herner EG und dem Neusser EV war genau dies der Fall. Denn vor dem Spiel war der Neusser EV noch Meister der Regionalliga NRW. Nach dem 5:3 (0:0, 2:1, 3:2)-Sieg der Herner EG krönten sich die Blizzards jedoch selbst als Nachfolger der Südpark-Mannschaft.

Als aktueller NRW-Meister waren die Neusser in Herne angetreten und zeigten von Anfang an, dass sie nicht gewillt waren, die Krone nach der Partie an die Blizzards zu übergeben. So entwickelte sich ein temporeiches Duell, in dem beide Teams verbissen um jeden Zentimeter Eis kämpften. Die Gastgeber machten frühzeitig und nicht nur mit vollem Körpereinsatz deutlich, dass man am Gysenberg nur bestehen könne, wenn man bereit sei, Schmerzen in Kauf zu nehmen. Neuss nahm den Kampf an und gestaltete das Spiel offen, einen Torerfolg konnte jedoch keiner der Kontrahenten für sich verbuchen. Die beste Gelegenheit besaß Hernes Berger bei einem Break in der 17. Minute, doch NEV-Goalie Dennis Kohl behielt im Duell mit dem Herner Stürmer die Oberhand. So ging es mit einem absolut leistungsgerechten Unentschieden in die Kabinen.

Der zweite Abschnitt begann ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Neusser. Ein Richtung Bande fliegender Puck traf Schiedsrichter Naust, woraufhin die Scheibe ins Feld zurücksprang, und zwar direkt vor die Füße von Shannon McNevan. Nach schnellem Pass auf Sebastian Haßelberg ließ der Dennis Kohl keine Chance und brachte die Gastgeber mit 1:0 in Führung (22.). Was man im Boxsport als “Wirkungstreffer” bezeichnen würde, machte sich auf dem Eis nun durch Herner Dauer-Druck bemerkbar, weshalb Dennis Kohl immer mehr im Blickpunkt stand. Umso wichtiger, dass Evgenij Kozhevnikov, der im ersten Drittel eine Disziplinarstrafe aufgebrummt bekommen hatte, nach dem Ablauf selbiger der Ausgleich gelang (27.). Doch die Blizzards ließen sich davon nicht aus dem Rhythmus bringen und legten nach einem Pfostenschuss von Karl Jasik nur zwei Minuten später das 2:1 nach. Bei 5:3-Überzahl war Sebastian Haßelberg erneut gegen seine ehemaligen Mannschaftskollegen erfolgreich und es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Wie bereits im ersten Drittel ging es phasenweise hart und unsauber zur Sache, so dass das Schiedsrichtergespann viel Arbeit hatte. Die Folge waren erneut zahlreiche Überzahlspiele auf beiden Seiten, wobei die HEG auch in dieser Hinsicht im zweiten Drittel überlegen war. Während der Top-Favorit bei personeller Überlegenheit mächtig Druck auf das Neusser Gehäuse ausübte, konnten sich die NEV-Cracks bei ihren Gelegenheiten nur selten in Szene setzen.

Dies sollte sich im letzten Abschnitt aber ändern. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da verwertete Lutz Klauck ein Überzahlspiel zum erneuten Ausgleich. Bei der nächsten Strafe gegen die Gastgeber ging der Schuss allerdings zunächst nach hinten los, Matthias Baldys traf in Unterzahl zum 3:2 für Herne (44.). Doch obwohl sie immer wieder einem Rückstand hinterher laufen mussten, bewiesen die Neusser Moral und wurden nur 46 Sekunden später mit dem 3:3 belohnt, das Gilbert Schröder mit einem abgefälschten Schuss von der blauen Linie erzielte. Nun machte sich der offene Schlagabtausch auch im Ergebnis bemerkbar und Erinnerungen an das legendäre “Finale” im März wurden wach, das der NEV in letzter Sekunde mit 4:3 für sich entscheiden konnte. Doch auch wenn sich beide Teams beim Wiedersehen erneut auf Augenhöhe präsentierten, sollte sich Geschichte nicht wiederholen. Hauptverantwortlich dafür war Sebastian Haßelberg, der zunächst seinen dritten Treffer erzielte (49.) und vier Minuten später zum vorentscheidenden 5:3 durch Peter Kalinowski die Vorlage gab. Auch wenn für eine anschließende Aufholjagd die Kraft fehlte, muss man den Schützlingen von Trainer Andrej Fuchs ein großes Kompliment aussprechen, die das Spiel gegen die Über-Mannschaft der Liga 53 Minuten lang offen halten konnten und sich über weite Strecken als gleichwertig präsentierten. Dass man die vorzeitige Meisterschaftsfeier der Blizzards nicht verhindern konnte, lag nicht an der eigenen Leistung, sondern an der individuellen Klasse der Gastgeber, für die der Titel nur der erste Schritt auf dem angestrebten Weg in die Oberliga ist. Ein fader Beigeschmack blieb auf Neusser Seite dennoch, weil die personelle Situation für das Sonntags-Spiel in Iserlohn alles andere als rosig ist. Zum einen zogen sich Sebastian Emde und Boris Ackermann in Herne schwere Blessuren zu, zum anderen kassierte Evgenij Kozhevnikov in der Schlussphase eine Spieldauer-Disziplinarstrafe, weshalb auch der Topscorer im Sauerland definitiv fehlen wird.

Tore: 1:0 (21:51) Haßelberg (McNevan), 1:1 (26:20) Kozhevnikov, 2:1 (28:27) Haßelberg (McNevan, Pelzer/5-3), 2:2 (41:56) Klauck (Reisinger, Melia/5-4), 3:2 (43:48) Baldys (Czerwiec, Jablonski/4-5), 3:3 (44:34) Schröder (Kozhevnikov, Melia/5-4), 4:3 (48:16) Haßelberg (Pelzer, Vanek), 5:3 (52:38) Kalinowski (Vanek, Haßelberg/5-3). Strafen: Herne 24, Neuss 18 + 10 + Spieldauer (Kozhevnikov). Zuschauer: 819.


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