ECC überrollt Erfurt im zweiten Drittel

Vorteil PreussenVorteil Preussen
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Zunächst sah es nicht nach einem klaren Heimsieg aus, aber in einem imponierenden Zwischenspurt schossen die Preussen sieben Tore. Am Ende hieß es 10:2 (1:1, 7:0, 2:1) gegen die Black Dragons.

Anfangs der Saison schien die Liga ausgeglichene Spiele mit knappem Ausgang zu garantieren. Doch inzwischen häufen sich (der Winterszeit gemäß) die spektakulären Tor-Lawinen. Der ECC gewann das erste Drittel in Niesky mit 5:0, Erfurt machte gegen FASS sieben Tore im Mittelabschnitt, und der ECC rächte nun den Nachbarn mit 7:0 Treffern gegen die Drachen innerhalb von nur 17 Minuten. Was da aus relativ heiterem Himmel auf die unterlegene Mannschaft einprasselt, ist oft rational nicht zu erklären und gehört zu den größten Geheimnissen des Eishockeys. Ermüdung? Frust? Tschechische Altstars im Dauereinsatz? Zumindest die letzte Ausrede fällt ja gegen die Preussen aus.

Nach dem ersten Drittel hätte der ECC über einen Rückstand nicht klagen dürfen. Erfurts gefährlicher Stürmer Robert Schmidt war gleich drei Mal in klaffende Abwehrlücken gestoßen und allein auf Björn Leonhardt zugelaufen. Doch er konnte nur den ersten Puck versenken, danach scheiterte er am guten Torwart der Charlottenburger, der sich weiterhin steigert und inzwischen auch mehr Ruhe ausstrahlt. Das waren haarsträubende Szenen, die eine Konter-Anfälligkeit der Preussen aufzeigten: Die Pässe waren nicht einmal besonders scharf, Schmidt nahm sie schon auf Höhe der Mittellinie an und war doch mit kurzem Antritt in der Mitte allein durch. Sicher waren die Verteidiger teilweise zu weit aufgerückt. Dass dergleichen nicht wieder geschah, spricht für die richtige Analyse von Coach Heiko Awizus und Defender Marco Rentzsch, der vor dem zweiten Konter maßgeblich seinen Schläger im Spiel hatte.

Der ECC musste hinten auf Jeschke und Geistler verzichten, Erfurt auf Donelly. Stürmer hatten beide Mannschaften hingegen in Hülle und Fülle zur Verfügung. Die Preussen begannen aber mit nur zwei Reihen, erst nach der nervösen Auftaktphase durften auch Wunderlich, Zander und Leciejewski mittun. Gänzlich zu Reservisten abgesunken sind derzeit Konietzky und Giermann. Sie alle konnten in der 7. Minute bei ihrem Kapitän studieren, wie man es ins All-Star-Team der Liga schaffen kann: Kay Hurbanek drang mit der Scheibe ins Erfurter Drittel ein, narrte die gesamte Abwehr und überwand Kai Fischer mit einem überlegten Flachschuss ins lange Eck. Wieder eine tolle Sololeistung der Nummer 44. Ansonsten fehlte den Angriffen der Preussen die letzte Präzision: Leciejewski auf Pass von Zander und Krüger nach Vorlage von Reuter verpassten knapp, so blieb es zunächst beim 1:1.

Das recht unsortierte Spiel bei mäßigem Tempo ließ eine zähe Auseinandersetzung erwarten. Doch im zweiten Drittel passierten aufregende Dinge. Gleich in der 22. Minute spielte Philipp Reuter auf links seine Schnelligkeit aus, zog entschlossen nach innen und düpierte Erfurts Torwart mit einem Rückhand-Schlenzer über die Fanghand. Vielleicht die Schlüsselszene: In der 25. Minute gab es zwei Minuten gegen Nickel und eine Disziplinarstrafe gegen Erfurts Spielertrainer und Top-Torschützen Marak. Während seiner Zeit im „Gefängnis“ (so nennen Franzosen die Strafbank), bekamen die Drachen den Todesstoß. Zunächst verwandelte Lino Werner im Powerplay eine günstig herumliegende Scheibe aus vier Metern Distanz - nicht zum ersten Mal, das wird noch zu seiner Spezialität. Ebenso konsequent arbeitete Marvin Krüger nach einem Bully vor dem Erfurter Tor, so stand es 4:1.

Erfurts impulsiver Stürmer Schmidt war sichtbar wütend über das katastrophale Spiel seines Teams. Doch es kam noch schlimmer. Leciejewski, diesmal mit dem exakten Timing nach schönem Querpass von Wunderlich, erhöhte auf fünf Tore zur Halbzeit. Den Preussen gelang nun alles, Erfurt war nicht mehr richtig anwesend. Erst verwertete Reuter einen Pass von Ciganovic, dann staubte Wunderlich in allgemeiner Verwirrung ab, nachdem Fischer einen Schuss hoch in die Luft abgewehrt hatte. Danach war Schluss für Erfurts bedauernswerten Keeper, den keine Schuld an der Torflut traf. Es war übrigens schlechter Stil der Stadionregie, bei seinem Abgang die Strafbank-Hymne für die Gäste einzuspielen.

Der Rest war angenehmes Wohlfühl-Hockey, das Erfurt nicht weiter demütigte und dem ECC unsinnige Raufereien weitgehend ersparte, auch wenn Schmidt auf der Suche nach einem Boxpartner war. Die eingewechselten Ersatztorhüter machten ihre Sache ordentlich. Guthke war bis zum Schluss verlässlich auf dem Posten und kassierte nur ein unhaltbares Tor in Unterzahl. Konietzky und Giermann durften auch noch ran, sie versiebten aber einige Chancen und konnten somit keine Werbung für sich machen.

Tore:

1:0 (7:21) Hurbanek (Schertz)

1:1 (10:29) Schmidt (Otte)

2:1 (21:14) Reuter (Ciganovic, Rentzsch)

3:1 (24:50) Werner 5-4

4:1 (25:34) Krüger

5:1 (30:33) Leciejewski (Wunderlich)

6:1 (30:49) Reuter (Ciganovic)

7:1 (32:32) Wunderlich (Leciejewski, Zander)

8:1 (38:09) Ciganovic (Krüger, Rentzsch)

9:1 (47:58) Reuter

9:2 (49:06) Hopp (Nickel) 4-5

10:2 (50:37) Segmüller 5-4

Schiedsrichter: Dieberg - Betnerowicz, Heyll
Strafminuten: ECC Preussen 12 - Erfurt 10 + 10 für Marak (Reklamieren)

Zuschauer: 490

Jetzt die Hockeyweb-App laden!