Die Odyssee der KobrasDinslakener Kobras

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Die für 16.30 Uhr geplante Abfahrt des Busses musste um eine knappe halbe Stunde nach hinten verschoben werden, da es der ein oder andere Spieler aufgrund hohen Verkehrsaufkommens nicht früher nach Dinslaken geschafft hatte. Als sich der Tross dann kurz vor 17 Uhr Richtung Netphen in Bewegung setzte, wusste glücklicherweise keiner der Mitreisenden, was ihm an diesem Tag noch bevorstehen sollte.

Denn rund 15 Minuten später nahm das Schicksal seinen Lauf. Auf der A3 Höhe Kreuz Oberhausen, versagte der Bus seine Dienste und kam auf dem Standstreifen zu stehen.  Der Busfahrer empfahl allen Passagieren, aus dem Bus auszusteigen, da ein Verbleib viel zu gefährlich gewesen sei. Mannschaft und mitgereiste Fans begaben sich daraufhin bei strömendem Regen auf eine an die Autobahn angrenzende Aufschüttung und warteten auf den angeforderten Ersatzbus. Als dieser eine halbe Stunde später eintraf, sperrte die ebenfalls zur Hilfe herbeigeholte Autobahnpolizei für einige Minuten die rechte Fahrspur der A3, so dass das Umpacken der Eishockeyausrüstungen gefahrlos über die Bühne ging.

Dann konnte die Reise ungehindert fortgesetzt werden, doch kam man erst um 20 Uhr in Netphen an, dem eigentlichen Zeitpunkt des Spielbeginns.  Nun musste sich hastig umgezogen werden, kaum Zeit für die Akteure, die Müdigkeit aus den Beinen zu schütteln und das anschließende Warmmachen wurde ebenfalls stark gekürzt. Allerdings war es immer noch lang genug, dass eine Kufe der Schlittschuhe von Torhüter Felix Zerbe brechen konnte. Austausch oder Reparatur waren nicht möglich, so dass den Dinslakenern mit Dennis Rudolph nur ein „Schnapper“ zur Verfügung stand.

Die Kobras, die aufgrund von beruflichen Verpflichtungen sowie Erkrankungen auf zahlreiche Spieler verzichten mussten, zeigten sich jedoch von Beginn an als ebenbürtiger Gegner und konnten das Spiel nicht nur lange Zeit offen halten, sondern das Eröffnungsdrittel durch Schlitzohr Jan-Anton Baron bei einer 5:4-Überzahlsituation mit 1:0 für sich verbuchen.

Im Mittelabschnitt das gleiche Bild: Chancen hüben wie drüben, doch die der Gäste wirkten immer einen Tick zwingender. Zunächst hatten sie jedoch den Ausgleich durch Dennis Nejdrowski zu verkraften. Dies taten sie dann auch mit Bravour, denn fünf Minuten später stellte Jan-Anton Baron mit seinem zweiten Treffer den alten Abstand wieder her.

Zu Beginn des Schlussabschnitts fielen dann die vorentscheidenden Treffer. Erst konnte Netphen durch das Tor zum 2:2 von Tim Bruch noch einmal das Spielgeschehen offen halten, doch ein Doppelschlag der Tsvetkov-Truppe zum 3:2 und 4:2 durch Sebastian Haßelberg und Jan Nekvinda innerhalb von 30 Sekunden stellte für die Rot-Schwarzen die Weichen endgültig auf Sieg.

Nun mussten die Hausherren alles auf eine Karte setzen und opferten 2 Minuten vor Schluss Torhüter Neurath zugunsten eines sechsten Feldspielers. Doch der Schuss ging im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los, denn Jan-Anton Baron krönte mit seinem dritten Treffer, diesmal ins verwaiste Gehäuse, seine starke Leistung an diesem Abend und wurde dafür von den Netphenern als „Man of the Match“ auf Dinslakener Seite ausgezeichnet. Auch Dinslakens Neu-Verteidiger Robert Gramstat empfahl sich bei seinem Debüt im Kobradress für weitere Einsätze.

An dieser Stelle könnte man den Bericht eigentlich abschließen, wenn die Rückfahrt normal verlaufen wäre. Ist sie aber nicht. Denn der Versuch, bei Abfahrt den Motor des Ersatzbusses zu starten, scheiterte kläglich. Trotz Anschiebens und kleinerer Reparaturversuche war das Gefährt nicht Willens, seine Dienste wieder aufzunehmen. Nach unzähligen Telefonaten mit endlosen Warteschleifen später war es dann letztlich der ADAC, der Busunternehmen, Mannschaft und Fans aus der Bredouille half. Gegen 3 Uhr in der Früh ertönte das von allen Beteiligten sehnsüchtig erwartete Motorengeräusch und nachdem die weitere Heimfahrt ohne erneute Zwischenfälle über die Bühne ging, kamen alle Mitgereisten todmüde kurz vor 5 Uhr an der Eissporthalle in Dinslaken an.

„Wie lange das Betreuerteam noch mit Auspacken und Einräumen beschäftigt war, entzieht sich der Kenntnis des Autors. Jedenfalls gilt der ausdrückliche Dank einmal an dieser Stelle den 3 guten Geistern hinter dem Team, dem Busfahrer, der Autobahnpolizei sowie dem „gelben Engel“ von Netphen“, so die Dinslakener in ihrer Mitteilung.

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