Der EHCT-Saisonrückblick

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Mit einer Farce startete die diesjährige Regionalliga-Saison im Norden und im Osten. Auf einer Ligentagung im August konnten sich die Vereine nicht auf eine gemeinsame Regionalliga Nord-Ost einigen. Die Liga wurde in eine Regionalliga Nord und eine Regionalliga Ost mit je sieben Mannschaften aufgeteilt. Davon erreichten jeweils die besten vier Teams die Meisterrunde.

Diese Hürde war für die Harzer Wölfe aus Braunlage und den EHC Timmendorfer Strand kein Problem. Nur verlief die Saison für ein weiteres Topteam, dem Adendorfer EC, nicht optimal. Der AEC blieb weit hinter seinen Erwartungen zurück und landete am Ende in der Abstiegsrunde. Enttäuschend für die Heidschnucken. Auch an der Ostsee war man hierüber enttäuscht, da so zwei weitere Derbys in der Meisterrunde gegen den Erzrivalen ins Wasser fielen. Fünf Punkte fehlten dem AEC am Ende, drei verloren sie am grünen Tisch, denn der Verband hatte Passunregelmäßigkeiten festgestellt. Den 7:3-Heimsieg wertete der Niedersächsische Eishockeyverband in ein 0:5 um. Die Niederlage in Wolfsburg (0:5) wurde in ein 5:0 für den AEC umgewertet. Neben dem schlechten Abschneiden holte sich Timmendorf die Derbykrone zurück aus Adendorf. Alle vier Derbys gingen klar an die Beachboys.

Nach dem ersten Spiel erkrankte Manager und Coach Jörg Dittrich schwer. Co-Trainer Matthias Schnabel trainierte danach die Beachboys. Die Geschäftsführung übernahm Carsten Wolf, dem im Januar einen großer Transfercoup gelang: Goalie Wyatt Russell, Sohn von Goldie Hawn und Kurt Russell, wurde verpflichtet. Die Verpflichtung sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Ein großes Medienaufgebot bei der Vorstellung. Der kleine Verein an der Ostsee war in aller Munde. Aus sportlicher Sicht muss der Transfer dennoch sehr kritisch betrachtet werden, da man mit Björn Reinke einen der besten Goalies in der Regionalliga in den letzten Jahren stellt. Mit Matthias Rieck verfügte Timmendorf über einen guten Backup, der stets seine Leistung gebracht hatte, wenn er zum Zuge gekommen ist.

Der Hamburger SV und der EHC Wolfsburg 1b, zwei im Norden etablierte Teams, landeten ebenfalls in der Abstiegsrunde. Die Underdogs Hannover Pferdeturm Towers und die Langenhagen Jets hingegen überraschten. Sie schafften in ihrem ersten Regionalligajahr den Einzug in die Meisterrunde. Meister wurde souverän die Mannschaft aus Braunlage. Die Beachboys konnten die Übermacht aus Braunlage zweimal schlagen. Einmal am zweiten Spieltag auf heimischem Eis, woran kein Mensch nach dem ersten Drittel mehr dran geglaubt hatte, denn die Beachboys lagen schon mit 0:2 hinten und die Wölfe spielten sehr stark auf. Beachboys-Coach Matthias Schnabel rechnete damals schon mit einer zweistelligen Niederlage. Doch Timmendorf gab nicht auf und konnte das Spiel drehen und gewann am Ende mit 5:4. Youngster Jason Horst wurde zum Matchwinner, als er einen Konter zum Siegtreffer abschloss.

Braunlage startete nun eine beeindruckende Siegesserie. 27 Spiele gewannen die Wölfe in Folge. Ein neuer Vereinsrekord, der auch zeigt, wie schwach die Regionalliga war. Im letzten Meisterrundenspiel verhinderte der EHCT 06 den 28. Sieg. Braunlage stand bereits vor dem Spiel als Meister fest, da die Beachboys den Meisterrundenauftakt gegen die Pferdeturm Towers mit 2:4 verpatzten. Obwohl es um nichts mehr ging zeigten beide Mannschaften sehr gutes Eishockey. Davon sahen die Zuschauer in dieser Saison viel zu wenig. Unglücklich waren auch zum Ende der Vorrunde und zu Beginn der Meisterrunde die Spielansetzungen. So mussten die Strandjungs gleich dreimal innerhalb von einer Woche gegen die Pferdeturm Towers antreten. Die Towers siegten zweimal (6:3 Vorrunde und 4:2 in der Meisterrunde). Aufgrund von Terminschwierigkeiten traten die Hannoveraner ihr Heimrecht in der Meisterrunde an die Timmendorfer ab. Dort waren die Beachboys so etwas von angefressen, so dass sie die Towers mit 12:0 nach Hause schickten. Dies war gleichzeitig der höchste Saisonsieg des EHCT 06. Die höchste Saisonniederlage gab es am grünen Tisch (0:5). Im Januar legte eine Grippewelle die Beachboys flach und das Spiel in Wolfsburg musste kurzfristig abgesagt werden. Wolfsburg bot ein Nachholtermin unter der Woche an, dies lehnte man ab. Der Verband wertete zum dritten Mal. Ein viertes Mal muss der Verband vermutlich in der Abstiegsrunde werten: Beim Spiel Adendorfer EC gegen den Hamburger SV kam es in der 21. Spielminute zum Spielabbruch nach dem zwei „sogenannte“ HSV-Fans zwei Rauchbomben im Stadion gezündet haben. Der HSV distanziert sich auf seiner Homepage von diesen Fans. Beide Vereine wollen versuchen, das Spiel zu wiederholen, wenn es die Eiszeiten in Adendorf zulassen. Eine Wiederholung würde es noch mal spannend machen im Abstiegskampf, sofern der HSV beim AEC gewinnen kann. Bisher gingen beide Spiele verloren und der HSV würde so in die Verbandsliga Nord absteigen. Während Braunlage das erworbene Aufstiegsrecht höchstwahrscheinlich wahrnehmen will, planen die Beachboys weiterhin in der Regionalliga Nord zu bleiben. Wenn sich der Modus nicht grundlegend ändert und sich die Heidschnucken nicht gewaltig steigern, wird es wieder eine „langweilige“ Saison für die Eishockeyfans im Norden. (lb)

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