Der Club ist tot – lang lebe der Club

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Nun hat es auch den letzten Gesamt-Berliner Eishockeyverein erwischt. Genauer gesagt, die Eishockeyabteilung des Berliner Schlittschuhclub, die zum 1. Juli 2007 aus dem Gesamtverein ausgeschlossen wurde. „Völlig unverständlich“ nannte Detlef Wartenberg, ehemaliger Präsident der Eishockeyabteilung, diesen Schritt, immerhin war seine Abteilung auch die zweitgrößtes des gesamten Clubs, saß nach einer Wahl im Rahmen der Jahreshauptversammlung im Mai immerhin mit drei Vertretern im Vorstand. Im Nachhinein wurde diese „zu chaotische“ Mitgliederabstimmung vom Vorsitzenden als ungültig erklärt, Anfang Juli eine neue anberaumt. Das Ergebnis: Der Ausschluss der unliebsam gewordenen Eishockeabteilung. Vorausgegangen waren dem schon länger Querelen zwischen beiden Parteien, insbesondere bezüglich angeblich nicht kostendeckender bzw. kostenverursachenden Arbeit der Eishockeyabteilung. Alle Lösungsvorschläge in Richtung Ausgliederung und eigenverantwortlicher Stellung seitens derselbigen wurden aber vom Vorstand abgeschlagen, so dass der „Rausschmiss“ für die Beteiligten nicht wirklich überraschend kam.

Anstatt weiterhin gegen einen Verein zu kämpfen, der einen nicht mehr haben will, nutzte man seine Kräfte produktiver, verstärkte von Seiten der Ausgeschlossenen schon angefangene Bemühungen, und beschloss, einen neuen Verein zu gründen. Auf einer Informationsveranstaltung gaben die Verantwortlichen um Detlef Wartenberg (1. Vorsitzender), Martin Ohme (2. Vorsitzender) und Lorenz Schmidt (Sportlicher Leiter) Einzelheiten der oben geschilderten Abläufe sowie den aktuellen Stand der Dinge bekannt.

Auch wenn die Zeit knapp ist, möchte man mit allen bisherigen Teams in die kommenden Saison 2007/08 starten. Sofern vom Amtsgericht Charlottenburg zugelassen, soll der neue Verein in Anlehnung an den alten Traditionsverein Berliner Schlittschuhclub 2007 Eissport e.V. heißen. Eissport deshalb, weil man neben Eishockey langfristig unter anderem auch Curling und Eisschnelllauf anbieten möchte. Sollte der Verein alle nötigen Gründungsformalitäten erfüllt haben, sicherte auch der BEV mit

Präsident Walter Bergmann seine Unterstützung zu einer schnellstmöglichen Zulassung zu. Abgesehen vom BEV ist aber noch eine Zustimmung aller anderen Berliner Vereine notwendig. In der Vergangenheit gab es bei ähnlichen Fällen aber keine Probleme, für den neuen Verein in spe bleibt zu hoffen, dass ihnen gegenüber ebenso kulant gehandelt wird.

Das Wesentliche ist aber der Übertritt des überwiegenden Teils der alten Mitglieder in den neuen Verein, ohne diesen ist das Unternehmen Neugründung sowieso zum Scheitern verurteilt. Unterstützung bei Kündigungen und allen anderen Formalitäten wurde seitens des Interimsvorstandes vorgelegt. Angesichts der gerade angelaufenen Sommerferien haben die Macher dabei aber unter erschwerten Bedingungen zu arbeiten, insbesondere den Nachwuchsbereich schnellstmöglich und vollständig zu erreichen. Man hofft dabei auf die Mitwirkung aller Eltern und generell aller Mitglieder. In einem Appell stellt Martin Ohme noch einmal klar, dass ein Neustart nur gelingen könne, wenn alle Mitglieder an einem Strang ziehen. Die Hilfe eines jedem werde gebraucht und auch Hilfe von außen werde gern angenommen.

Parallel läuft die Planung für den neuen Verein auf Hochtouren. Eine Satzung hat man bereits, die alte wurde mit wenigen Ausnahmen beziehungsweise Änderungen übernommen, wie zum Beispiel die mögliche Kündigung zu nun zwei Terminen (30. Juni und 31. Dezember) im Jahr. Auch die Höhe der Jahresbeiträge wurde auch schon festgelegt. So zahlen Seniorenspieler 250 Euro, Auszubildende und Studenten 210 Euro, Kinder 130 Euro. Außerdem bietet der neue Club zwei Neuerungen an: Die passive Mitgliedschaft. Eltern zahlen dabei 25 Euro im Jahr, jeder andere, der dem Club mit einer Mitgliedschaft helfen will, kann dies mit einem Jahresbeitrag in Höhe von 50 Euro tun. Darin inbegriffen ist dann auch eine Dauerkarte für den Besuch aller Spiele des neuen Vereins enthalten. So eingenommenes Geld soll unter anderem für einen weitern Nachwuchstrainer verwendet werden.

Auch für den Spielbetrieb wurde schon einiges vorbereitet. Geplant wird für den Gesamtverein mit einem Etat von circa 20.000 Euro. Einige Sponsoren haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. So soll beispielsweise die Regionalliga möglichst beitragsfrei spielen können – mithilfe von Sponsoren, die auch ausdrücklich die erste Mannschaft unterstützen wollen. Auch um Probleme, die es in der vergangenen Saison mit beziehungsweise durch einige Fans gab, soll sich gekümmert werden. Martin Ohme stellte klar, dass bestimmte Verhaltensweisen in der Zukunft nicht mehr geduldet werden und unter anderem durcheinen Sicherheitsdienst konsequent geahndet werden. Im Nachwuchs wird man in Kooperation mit dem OSC ein Knabenteam stellen, außerdem sollen Teams Kleinschüler, Bambinis und Laufschule an den Start gehen. Hier sind Neuzugänge gern gesehen.

Insgesamt zahlt sich auch die positive Arbeit der letzten zwei Jahre aus, in denen sich die Verantwortlichen schon jede Menge Kontakte und Unterstützungen von den verschiedensten Seite holen konnten. Wenn jetzt die letzten Hürden genommen werden, sollte einem gelungenen Vereinsstart nichts mehr im Wege stehen.

Kerstin Moritz, Norbert Stramm

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