Altlast zwingt Harzer Wölfe in erneute Insolvenz

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Die erfolgreichen Konsolidierungsmaßnahmen der letzten zwei Jahre und der vielversprechenende Neuaufbau des Braunlager Eishockeys erfahren einen harten Dämpfer. Eine Arbeitsgerichtsentscheidung im Zusammenhang mit einem Altvertrag für einen ehemaligen Spieler und Nachwuchstrainer zwingt den Vorstand der Harzer Wölfe zu einem nur zu bekannten Schritt: der Insolvenz. Wie konnte es dazu kommen?

Unter einem früheren Vorstandsmitglied wurde mit einem Spieler und Trainer eine Vertragssituation geschaffen, die den Verein nach dem erstinstanzlichen Urteil des Arbeitsgerichts Braunschweig erneut zum Gang zum Insolvenzrichter zwingt. Insgesamt beträgt die Zahllast des Vereins in diesem Zusammenhang derzeit ca. 35.000 Euro. Scheitert auch ein noch anhängiges Kündigungsverfahren wird es erheblich mehr. Schon die erste ausgeurteilte Summe ist für den Verein in dessen derzeitiger finanzieller Lage nicht zu heben.

Zudem blieben die zahlreichen Gespräche mit dem Spieler und seinem Anwalt über eine für den Verein tragbare außergerichtliche Einigung erfolglos, da die vom Spieler gestellten Forderungen nicht darstellbar waren. „Wir sind an die äußerste Schmerzgrenze des finanziell Machbaren gegangen, die ich gegenüber dem Verein verantworten konnte“, so Vereinspräsident Joachim Klaeden.

„Unsere Lage ist tragisch, aber vielleicht nicht aussichtslos“, gibt sich Klaeden jedoch kämpferisch. „Wir versuchen weiterhin eine tragbare Lösung mit dem Spieler zu finden. Wir streben ein geordnetes Planinsolvenzverfahren an, dessen Ziel es ist, die Saison zu Ende zu spielen und im Frühjahr über eine Gläubigerversammlung eine Einigung zu erzielen. Gelingt dieser Versuch, dann wäre der Club am Ende dieses Verfahrens nahezu schuldenfrei und könnte weiter bestehen.“ Ob dies jedoch gelingt, hängt vor allem von den Gläubigern des Vereins ab und ist alles andere als sicher.

Der Spieler klagt gegen den Verein auf Zahlung von Gehältern für die Saison 2008/09 sowie gegen eine vom Verein ausgesprochene Kündigung zum 30. November 2009. Das Arbeitsgericht Braunschweig sprach dem Spieler jetzt in einem erstinstanzlichen Urteil einen Betrag von netto 19.200 Euro zu, die den Verein am Ende mit Steuern und Sozialabgaben jedoch mit ca. 35.000 Euro belasten werden. Das Urteil über die vom Verein ausgesprochene Kündigung steht noch aus.

Das Problem in diesem Zusammenhang ist ein Arbeitsvertrag, den der damalige Vorstand unter der Führung des Vizepräsidenten mit dem Spieler verhandelt und lediglich mündlich geschlossen hat. Der Richterspruch aus Braunschweig bestätigte dann auch die Auffassungen der Anwälte des Vereins, dass es genau der fehlende Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrages war, der den Verein jetzt sehr teuer zu stehen kommt.

„Im Eishockey werden wie in jedem Sport Arbeitsverträge grundsätzlich zeitlich befristet abgeschlossen. Unsere Anwälte sagten uns einhellig, dass diese zeitlichen Befristungen jedoch aufgrund der Gesetzeslage schriftlich vor Beginn des Arbeitsverhältnisses zwischen den Parteien vereinbart werden müssen. Kommt es zu keiner schriftlichen Fixierung der zeitlichen Befristung, so entsteht laut Gesetz ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, aus welchem der Arbeitnehmer immer weiter Gehaltsansprüche her leiten kann“, erläutert Klaeden. Das für den Verein schon damals kaum zu tragende monatliche Gehalt des Spielers, muss daher bis zum heutigen Tage immer weiter gezahlt werden. Um diese andauernde monatliche Belastung des Vereins zu beenden, war der Verein zur Kündigung des abgeschlossenen Arbeitsvertrages gezwungen.

Die vom Verein ausgesprochene Kündigung wird vom Spieler im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten mit Aussicht auf Erfolg arbeitsgerichtlich angegriffen. „Menschlich kann ich ihn gut verstehen“, so Klaeden weiter. „Ich weiß auch, dass er an Braunlage und dem Eishockey, insbesondere dem Jugendbereich, hängt. Wir haben mehrfach versucht, eine Gegenfinanzierung für seine Ansprüche hinzubekommen, aber diese gestaltete sich immer schwieriger und war dann aussichtslos.“

„Die ganze Geschichte ist weder für ihn noch für das Harzer Eishockey von Vorteil. Es wäre sehr schade, wenn zum Schluss alle Bemühungen aller Beteiligten umsonst gewesen wären und ich für lange Zeit der letzte Eishockey-Präsident in Braunlage gewesen bin. Mir würde es insbesondere für unsere Jugendlichen unendlich Leid tun“, so Klaeden zum Abschluss. Nun übernimmt also wieder ein Insolvenzverwalter das Zepter am Wurmberg.

Auch wenn die Meldungen aus dem wirtschaftlichen Bereich nicht erfreulich klingen, aber das sportliche Tagesgeschäft bei den Harzer Wölfen in der Eishockey-Regionalliga Nord geht zunächst ohne Einwirkungen weiter. Auf die Mannschaft von Trainer Bernd Wohlmann warten dabei am Wochenende zwei höchst unterschiedliche Aufgaben. Am Freitag gastieren die Wölfe als aktueller Tabellendritter beim noch ungeschlagenen Tabellenzweiten EHC Timmendorfer Strand 06. Ein echtes Spitzenspiel, Beginn an der Ostsee ist um 20 Uhr. Am Sonntag erwarten die Wölfe dann den Hamburger SV. Spielstart im heimischen Wurmbergstadion wird um 19 Uhr sein.

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