Waldkraiburg nach 6:5-Heimsieg wieder in FührungPackende Serie

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In der Bayernliga liefern sich die Memminger Indians und der EHC Waldkraiburg eine dramatische und mitreißende Play-off-Viertelfinalserie. Zwei Tage nach dem 7:6-Heimsieg des ECDC am Hühnerberg gingen die Löwen am Sonntag mit einem denkbar knappen 6:5 (5:1, 1:4, 0:0)-Erfolg in Waldkraiburg wieder in Führung. In der Best-of-Five-Serie steht es nun 2:1. Vor voraussichtlich gut über 2000 Zuschauern wollen die Indians am kommenden Freitag, 4. März, in heimischer Halle wieder ausgleichen (Spielbeginn 20 Uhr).

Da mussten die Fans der Indians und Löwen erst mal durchschnaufen: Am Freitagabend sahen knapp 1500 Zuschauer am Hühnerberg ein denkwürdiges und mitreißendes Viertelfinale, in dem die Memminger den vielumjubelten Ausgleich in der Serie schafften. Das war Play-off vom Feinsten und tolle Werbung fürs Eishockey. Bereits am Sonntag ging es dann weiter, die wütenden Löwen drängten in heimischer Halle auf die erneute Serienführung – wurden aber kalt erwischt. Vor rund 130 mitgereisten ECDC-Fans gelang Patrick Zimmermann genau nach 60 Sekunden die frühe Memminger Führung. Waldkraiburg nun unter Druck und mit einem etwas kuriosen Ausgleichstreffer: Nach einem vermeintlichen Befreiungsschlag warteten die Indians auf den Icing-Pfiff des Schiedsrichters und setzten nicht energisch genug nach, sodass Trox zum 1:1 nach sechs Minuten einschießen konnte. Für die Hausherrn war dies ein Weckruf, nun rollte die Angriffslawine auf das ECDC-Tor von Alex Reichelmeir. Wie gefährlich das Löwen-Überzahlspiel ist, mussten die Gäste dann nach zehn Minuten einmal mehr schmerzlich erfahren, als der beste Mann auf dem Eis, EHC-Kapitän Max Kaltenhauser, zur Führung traf. Die Memminger nun mit unerklärlichen Nachlässigkeiten in der Defensive, die Coach Werner Tenschert die Zornesröte ins Gesicht trieben. Jeder Indianer war zu weit weg von seinem Gegenspieler, kein Zweikampf wurde energisch genug geführt – mit bitteren Konsequenzen: Per Doppelschlag erhöhten Hämmerle (13.) und Kontingentspieler Marek (14.) innerhalb einer Minute auf 4:1, gefühlt war nun jeder Löwenangriff ein Treffer. Und als erneut Kaltenhauser in Überzahl nach 17. Minuten auf 5:1 stellte, gab keiner mehr einen Pfifferling auf die Indians, die mehr als kalt erwischt wurden von den offensivstarken Oberbayern.

In der ersten Pause tobte Trainer Tenschert in der Kabine ob der dargebotenen Defensivleistung und forderte eine klare Leistungssteigerung seiner Mannen. Und die sollte er bekommen: Keine zwei Minuten im Mitteldrittel waren auf der Uhr, als Sikora und Miettinen in Unterzahl energisch nachsetzen und den zweiten ECDC-Treffer erzielten. Und als Weigant nach 26 Minuten per Direktabnahme das 3:5 gelang, waren die Memminger wieder im Spiel. Nun gaben die Gäste offensiv den Ton an, mussten mit dem sechsten Waldkraiburger Treffer durch Führmann zur Hälfte des Spiels aber einen erneuten Rückschlag wegstecken. Diesmal brachen die GEFRO-Indians aber nicht wie im Startdrittel auseinander, sondern spielten konzentriert weiter auf das Löwentor. In Überzahl zog Weigant wieder direkt ab und hämmerte den Puck zum 6:4 in die Maschen (32.). Und als Antti-Jussi Miettinen ebenfalls im Powerplay nach 35. Minuten auf 6:5 verkürzte, war das Spiel wieder komplett offen. Die mitgereisten ECDC-Anhänger trauten ihren Augen nicht ob des starken Comebacks ihres Teams, das sogar noch im zweiten Drittel hätte gekrönt werden können. Doch der für Hingel in der Zwischenzeit ins Tor gekommene EHC-Torhüter Vetter entschärfte zunächst einen Memminger Konter und hielt dann einen strammen Schuss von Kapitän Jan Benda fest.

So ging es mit 6:5 ins letzte Drittel – wie schon am Freitag zuvor am Hühnerberg war also Dramatik und Hochspannung bis zum Schluss angesagt. Die 830 Zuschauer in der oberbayerischen Industriestadt bekamen erneut einen Play-off-Kampf bis zum äußersten geboten. Nun waren beide Teams auch defensiv auf der Höhe und lieferten sich ein Spiel auf Messers Schneide. Mehrfach hatten die Gefro-Indians die Chance zum Ausgleich, aber auch Alex Reichelmeir musste auf der Gegenseite einige Male in höchster Not sein Können zeigen. Fünf Minuten vor Spielende hielt es keinen der Zuschauer mehr auf den Sitzen: Angetrieben von ihren lautstarken Fans drängten die Memminger auf den Ausgleich, die Waldkraiburger und ihre Fans hielten dagegen. Eineinhalb Minuten vor dem Ende setzten die Indianer dann alles auf eine Karte und nahmen den Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Doch wie schon am Freitag den Löwen gelang an diesem Abend den Indians der Ausgleich nicht mehr. Am Ende bleib es beim 6:5, mit dem der EHC Waldkraiburg in der Best-of-Five-Serie wieder mit 2:1 in Führung geht. Sowohl am Freitag als auch am Sonntag hatten die Zuschauer bestes Play-off-Eishockey und ein Offensivspektakel zweier sehr guter Mannschaften gesehen, das manch einem Beobachter den Wunsch entlockte, diese Serie möge doch über neun Spiele gehen. Trainer Werner Tenschert freilich haderte mit dem Defensivverhalten im ersten Drittel, das seiner Mannschaft den möglichen Auswärtserfolg kostete. Hier wird er nun unter der Woche im Training ansetzen – denn bereits am Freitag kommt es am Hühnerberg zum vierten „Showdown“ im Viertelfinale. Die Indians müssen gewinnen – und wollen dies in eigener Halle mit der Unterstützung von über 2000 Fans und mehr schaffen. Nach den bisher gebotenen Play-off-Leistungen beider Teams und den mitreißenden Spielen hat diese Serie auch nicht weniger Zuschauer verdient. Und so fiebert man beim ECDC bereits jetzt dem Freitag entgegen.

Zuschauerinfo: Karten für das vierte Play-off-Viertelfinale am Freitag am Hühnerberg gibt es im Vorverkauf bei der Memminger Zeitung in der Donaustraße, Dietzel’s Hockeyshop in der Lindentorstraße, Puck Sportsbar im Eisstadion sowie an der Agip-Tankstelle in Berkheim.

Tore: 0:1 (1:00) Zimmermann P. (Miettinen A.), 1:1 (5:43) Trox M. (Vogl N., Andrä A.), 2:1 (9:49) Kaltenhauser M. (Wagner L., Hilpert D. PP1), 3:1 (12:58) Hämmerle D. (Hilpert D.), 4:1 (13:58) Marek J. (Kaltenhauser M., Wagner L.), 5:1 (16:02) Kaltenhauser M. (Marek J., Paderhuber A.), 5:2 (21:39) Sikora P. (Miettinen A. SH1), 5:3 (25:44) Weigant P. (Hoffmann M., Zimmermann P.), 6:3 (29:34) Führmann M. (Hradek Ch., Hämmerle D.), 6:4 (31:38) Weigant P. (Sikora P., Miettinen A. PP1), 6:5 (34:37) Miettinen A. (Sikora P. PP1). Strafen: Waldkraiburg 6, Memmingen 8. Zuschauer: 827.