Memmingen zieht glücklich ins Finale einMiesbach – Memmingen 2:3 n.P.

Memmingen zieht glücklich ins Finale einMemmingen zieht glücklich ins Finale ein
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Mit einem Empty-Net-Goal entschied der Vorrunden-Zweite am heimischen Hühnerberg das erste Halbfinalspiel. Damit standen die Oberbayern in Zugzwang und sahen sich dabei auch etwa 200 erwartungsfrohen und stimmgewaltigen mitgereisten Indians-Fans gegenüber. Allerdings hatten die Hausherren nicht nur beide Vorbereitungsspiele gegen die Schwaben für sich entschieden, sondern auch ihre Vorrundenheimpartie gar mit 8:0 gewonnen. Zudem stand mit Danijel Kovacic erneut  die Miesbacher Torwartentdeckung der Meisterrunde zwischen den Pfosten; auf Memminger Seite spielte, wie gewohnt, Martin Niemz, den Miesbachs Trainer Michael Lehmann vorher öffentlich als Schwachstelle ausgemacht haben wollte. – So war es angerichtet für einen mitreißenden Playoff-Fight.

Beide Teams schenkten sich von der ersten Sekunde an keinen Zentimeter Platz auf dem Eis oder in den Zweikämpfen. Mit gesunder und anfangs auch leicht übertriebener Aggressivität entwickelte sich eine packende Auseinandersetzung, der der souverän leitende Schiedsrichter Roland Wittmann die Spitzen nahm, sich aber ansonsten dem schnellen Schlagabtausch nicht in den Weg stellte. So sammelten beide Teams im ersten Spieldrittel zusammen 18 Strafminuten, wo hingegen in den verbliebenen Abschnitten nur noch insgesamt sieben weitere kleine Strafen hinzukamen. Als beide Teams fast zeitgleich ihre jeweils ersten Minuten in der Kühlbox verbrachten, gelang den Hausherren die Führung: Einem Schuss von der linken Seite der blauen Angriffslinie setzte Andreas Baumer nach, umkurvte Niemz und schob zum umjubelten Führungstreffer ein. In der Folge versäumten es die Oberbayern, in zwei Überzahlspielen nachzulegen. Stattdessen wurden sie sogar in Überzahl Opfer des geschickten Indians-Forecheckings, vertändelten die Scheibe am eigenen Tor und konnten den Ausgleichstreffer nur durch ein Foul verhindern. Diese Szene wurde zum Wendepunkt der Partie, denn eine Minute später kassierten die Schlierach-Städter eine Folgestrafzeit und mussten kurz darauf den schön herausgespielten Ausgleichstreffer hinnehmen: einen Diagonalpass von der linken Torlinie durch den Slot an den rechten Bullykreis verwandelte Verteidiger Martin Hoffmann per Direktabnahme. Einem weiteren vermeintlichen Gästetreffer wurde die Anerkennung verweigert, weil Schiedsrichter Wittmann bereits zuvor das Spiel deutlich hörbar unterbrochen hatte.

Den zweiten Spielabschnitt eröffnete Memmingen mit einem krachenden Pfostenschuss von Tim Tenschert. Die Oberbayern vertändelten die neuerliche Führung bei einer 3:1-Situation, weil der Abschluss gesucht, statt der Pass gespielt wurde. So endete das Mitteldrittel torlos.

Die Hausherren kamen wie aufgedreht aus der zweiten Pause und erzwangen schnell ein Überzahlspiel, das sie jedoch erneut nicht nutzen konnten. Die Partie blieb zwar ein intensiv geführter Abnutzungskampf, gewann nun aber zunehmend auch an spielerischer Klasse: Während die Oberbayern viel Druck im gegnerischen Drittel entwickelten und sich dort wiederholt festsetzen konnten, zerstörte Ihnen Memmingen mit seinem geschickten Forechecking immer wieder einen geordneten Spielaufbau und damit den Weg in die Gefahrenzone. Außerdem zwangen sie Miesbach so zu Fehlern bis hin zu einer Strafzeit, die binnen sechs Sekunden zur Führung der Gäste genutzt werden konnte: Patrick Zimmermann zog von links vor das Tor, umkurvte Kovacic und schlenzte die Scheibe mit Rückhand in die Maschen. Der Vorrunden-Vierte steckte aber nicht auf und kam mit einer Dublette des Führungstreffers zum verdienten Ausgleich.

Schon vor dem nun unmittelbar nach der Schlusssirene folgenden Penaltyschießen  war klar, dass dieses rassige Spiel ein unbefriedigendes Ende nehmen würde: Teams und Fans wäre eine spielerische Verlängerung bis zur Entscheidung zu wünschen gewesen. Stattdessen wurde nun die Shoot-out-Lotterie herangezogen. Zwölf Penaltys, von denen nur der vorletzte verwandelt werden konnte, waren erforderlich, bis mit den Memminger Indians der glückliche Sieger von Spiel und Kurz-Serie feststand. „Es ist schade, dass die Liga deutlich professioneller ist, als der Verband [Bayerischer Eissport Verband (BEV), Anm. d. Red.]“, zeigte sich Miesbachs Sportlicher Leiter Stefan Moser anschließend verärgert: „Sowohl der kurze Play-off-Modus, als auch die Entscheidungen durch Penaltyschießen sind alles andere als optimal und wünschenswert. Ich bin gespannt, wie lange der BEV braucht, um sich in diesen Fragen endlich zu bewegen“, richtete er klare Forderungen an die Spitze des Verbandes. Gleichwohl gratulierte er dem schwäbischen Gegner: „Wir haben gegen eine sehr gute Memminger Mannschaft verloren. Deshalb muss ich meinem Team ein dickes Kompliment für seine Comeback-Qualitäten aussprechen“, ergänzte Coach Lehmann Mosers Ausführungen. 

Nach dem gleichzeitigen Sieg der Sonthofen Bulls wartet nun ein schwäbisches Derby zur Ermittlung des Bayernliga-Meisters. Dieses wird wenigstens im Best-of-Five-Modus ausgetragen und verspricht eine bis zum Schluss spannende Serie.

Tore: 1:0 (6.) Baumer (Cotnoir) 4-4, 1:1 (13.) Hoffmann (Joanette) 5-4, 1:2 (52.) Zimmermann (Joanette) 5-4, 2:2 (58.) Barz (Schlosser), 2:3 (60.) Rott GWP

Strafen: Miesbach 18 + 10 Stiebinger, Memmingen 14
HSR: Wittmann; LSR: Klima, Mackert
Zuschauer: 1.026

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