Jetzt gilt’s: Erstes Halbfinale für die IslandersEV Lindau

Jetzt gilt’s: Erstes Halbfinale für die IslandersJetzt gilt’s: Erstes Halbfinale für die Islanders
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Nach der emotionalen Viertelfinalserie mit dem auch heute noch Gänsehaut verursachenden Abschluss und Höhepunkt in Spiel drei gegen den TEV Miesbach gehen die Lindauer mit einer großen Portion Realismus in die Best-of-Three-Serie gegen den EHC Waldkraiburg. „Es hat in den letzten Jahren kaum einen größeren Außenseiter im Halbfinale gegeben als uns“, sagt EVL- Präsident Marc Hindelang. „Wir sind vor viereinhalb Jahren erst aufgestiegen, stehen zum ersten Mal in den Play-offs und haben im Gegensatz zu den drei anderen Halbfinalisten nie höher als viertklassig gespielt. Das haben wir nicht vergessen und bleiben demütig.“ Das wiederum schließe aber einen gewissen Optimismus nicht aus. „Wenn wir schon mal hier sind, wollen wir auch gewinnen. Ist doch klar. Sonst bräuchten wir ja gar nicht anzutreten.“

Möglicherweise ist das der größte Unterschied zwischen den beiden Vereinen. Die einen wollen gewinnen, die anderen müssen, schließlich haben sie den Bayernliga Play-offs den Slogan „MissionO“ gegeben. „O“, wie Oberliga, auf die die Planungen bei den Löwen schon jetzt ausgerichtet sind. „Rein vom Kader her, könnten sie bereits schon dort spielen“, sagt der sportliche Leiter des EVL, Bernd Wucher. „Es gibt kein besser besetztes Team in der Bayernliga. Dazu kommt ein großer Siegeshunger, wie man oft gesehen hat.“ Selbst als der Vorsprung in Vorrunde und Zwischenrunde auf die Verfolger schon groß war, haben sich die von Ex-Nationalspieler Rainer Zerwesz trainierten Oberbayern nach Rückständen nicht gehen lassen und Wege gefunden, Spiele zu gewinnen. Auch gegen den EVL – der in der Zwischenrunde bis eine Sekunde vor Schluss führte und sich am Ende geschlagen geben musste.

Von vier Spielen gegen Waldkraiburg konnten die Islanders aber immerhin eines gewinnen – wenn auch gegen einen ersatzgeschwächten EHC, der unter anderem ohne seinen Kapitän Max Kaltenhauser antrat, einen der besten Spieler der Liga (Spieler des Monats Januar), dem andere Schlüsselspieler wie Torhüter Patrick Vetter, Abwehr-Ass Andreas Paderhuber, oder Torjäger Martin Führmann und Kontingentspieler Jakub Marek in nichts nachstehen.

Apropos Kontingentspieler: Hier liegt ein wichtiger Nachteil bei den Islanders, müssen sie doch ohne den gesperrten Lubos Sekula antreten. „Wir werden ihn ersetzen“, sagt Trainer Sebastian Buchwieser aber trotzig und zeigt damit die Herangehensweise seiner Mannschaft. „Wir werden alles reinwerfen und haben den festen Glauben an uns und damit an einen Erfolg.“ MissionO auf Lindauerisch: „O“ wie Optimismus. Man könnte auch „Z“ wie Zugabe nehmen oder „Ä“ wie ärgern. Den Favoriten natürlich und nicht sich.

„Wir gehören zu den besten vier Teams der Bayernliga. Das nimmt uns keiner mehr und: Wir haben jede andere Mannschaft in dieser Saison mindestens einmal geschlagen“, sagt Team-Manager Sebastian Schwarzbart und setzt hinzu. „Gegen uns muss man ja auch erst einmal gewinnen.“

Es ist eine Mischung aus Respekt, Leichtigkeit und Zuversicht mit der der EVL die ganze Geschichte angeht. Genau das also, was Außenseiter gefährlich macht. Was dem Underdog zugute kommen kann, ist das Format Best of Three. In einer kurzen Serie sind Überraschungen am ehesten möglich, da sie keine Fehler verzeiht. Auf der anderen Seite müsste einer von zwei Siegen auswärts errungen werden und das macht es für die Islanders sicher noch eine Spur schwerer. Waldkraiburg hat in dieser Saison nur ein Heimspiel verloren – das war in der Viertelfinal-Derbyserie gegen den ESC Dorfen. In Spiel eins. Als Favorit.

Kein Zweifel, die Euphorie ist groß bei den Oberbayern, die im Viertelfinale ebenfalls eine emotionale Serie erlebten mit einem erfolgreichen Penaltyschießen zum Abschluss. Die Zuschauerzahlen in dieser Saison sind enorm. Es wird deshalb auch für den EVL ein anderes Erleben. Nachdem die Kulisse in Miesbach eher überschaubar war, spielen die Islanders diesmal vor mindestens 1500 Zuschauern. Unterstützung erfahren sie dabei aber von zahlreichen Lindauer Schlachtenbummlern, die auf jeden Fall mit einem Fanbus anreisen werden. Aber auch für den einen oder anderen Privatfahrer dürfte die Distanz von rund 260 Kilometern nicht unüberwindbar sein. „Wir freuen uns über jeden, der mitkommt. Das hilft der Mannschaft auswärts enorm weiter, wie man in Miesbach gesehen hat“, sagt Sebastian Schwarzbart. Gleichzeitig läuft der Vorverkauf für das Heimspiel am kommenden Freitag in der Filiale Aeschach der Sparkasse Lindau-Memmingen-Mindelheim in der Webergasse 1 und der Abendkasse in der Eissportarena auf Hochtouren. Auf evlindau.com ist ein „Ticket-Ticker“ eingerichtet, bei dem man sehen kann, wie viele Karten noch vorhanden sind.

Rein sportlich haben die Islanders bis auf den gesperrten Sekula alle Mann an Bord, auch wenn der eine oder andere zu Wochenbeginn mit Grippe zu kämpfen hatte. „Wir sind fit und wir sind bereit. Ausreden gibt’s eh keine“, sagt Sebastian Buchwieser. „Die Jungs wollen jetzt zeigen, was sie drauf haben.“ Schließlich haben sie – wie ganz Lindau – lange genug auf ein Bayernliga-Halbfinale gewartet.

Jetzt die Hockeyweb-App laden!