Der Eissport in Füssen wurde am Montag 95 Jahre altJubiläum im Allgäu

Die Gründungsurkunde. (Foto: EV Füssen)Die Gründungsurkunde. (Foto: EV Füssen)
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16 Deutsche Eishockeymeisterschaften sollte der Verein zwischen 1949 und 1973 erringen, somit das Erreichen eines der im Protokoll der Gründungsversammlung genannten Ziele eindrucksvoll bestätigen: „Heranziehung der Jugend zu tüchtigen Eisläufern unter Hintanhaltung des planlosen Umherfahrens auf dem Eise“. Bereits 13 Monate nach Gründung wurde eine eigene Eishockeyabteilung geschaffen, und umgehend die Bestellung von „zehn Hockeyschlägern und drei Hockeyscheiben“ in Auftrag gegeben.

Der Grundstock war gelegt, der Anfang aber schwer. Finanzielle Nöte begleiteten den Verein zu Beginn, und erst durch die Unterstützung der Stadt Füssen konnte der Eissport auf solidere Beine gestellt werden. Der sportliche Erfolg kam mit dem Gewinn der Bayerischen Meisterschaft 1929, die gravierenden Folgen des Krieges bedeuteten rund fünfzehn Jahre später aber beinahe das Aus. Fast alle Aktiven waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft geraten, dazu wurde die Eisbahn fast völlig zerstört.

Der EV Füssen konnte aber wieder auf seinen Nachwuchs bauen, und 1949 schaffte die junge Mannschaft erstmals den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Mit für damalige Verhältnisse enormem finanziellem Aufwand wurde eine weitere Grundlage für den kommenden Erfolg geschaffen: Die bisherige Eisfläche wurde zu einem Stadion mit einer Kunsteisbahn ausgebaut – dem ersten vereinseigenen seiner Art in Deutschland. Die Eröffnung fand im Oktober 1949 statt, und machte sich zusammen mit der starken Nachwuchsarbeit bald bezahlt.

Die nächsten Jahrzehnte hinweg prägte der EV Füssen das deutsche Eishockey wie kein anderer Club, stellte große Teile der Nationalmannschaft, vertrat Deutschland bei Turnieren im europäischen Ausland wie 1952 und 1964 mit dem Gewinn des prestigeträchtigen Spengler-Cups in Davos, absolvierte 1965 eine Kanada-Tournee mit zwölf Spielen gegen Teams der großen Eishockeynation. Auch das eigene Turnier um den Thurn und Taxis Pokal wurde zu einem bedeutenden Eishockeyereignis, internationale Topteams gaben sich ein Stelldichein in Füssen, und machten die kleine Stadt am Alpenrand weit über die Grenzen hinaus bekannt.

8.000 bis 12.000 Besucher waren am legendären Kobelhang keine Seltenheit, und Stars wie Markus Egen, Paul Ambros oder Xaver Unsinn, um nur einige zu nennen, waren Eigengewächse und Vorbilder, mit denen sich eine ganze Region und Generation identifizierte. Ein letzter großer Höhepunkt war für den Verein die Spielzeit 1972/73. Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaften in den Klassen der Senioren, Jugend und Schüler sowie dem gleichzeitigen Baubeginn des Bundesleistungszentrums für Eishockey mit zwei weiteren Eisflächen stand der Verein bei seiner 50-Jahr-Feier hervorragend da.

Doch der Schein trog. Immer mehr wanderten die guten Spieler in die Großstädte ab, finanziell gerieten die kleinen Clubs ins Hintertreffen. Der Versuch, sich den Erfolg zurück zu kaufen, endete 1983 mit dem Konkurs. Zwar wurde mit dem Eislaufverein Füssen umgehend ein Nachfolger gegründet, doch dieser trat nur noch in der 2. Bundesliga und später der Oberliga an, geriet erneut in große finanzielle Schwierigkeiten. Der Wegfall der Ablösesummen mit dem sogenannten Bosman-Urteil traf den Verein hart, und 2015 endete schließlich auch dieses Kapitel Füssener Eishockeygeschichte mit der Insolvenz.

Heute spielt der EVF in der höchsten bayerischen Amateur-Spielklasse, mit dem jüngsten Kader der Liga und einem großen Teil an Eigengewächsen. Die Verpflichtung zur Tradition ist am legendären Kobelhang immer noch greifbar, die Stätte atmet in jedem Winkel Eishockey-Geschichte. Und dennoch ist auch der neugegründete Eissportverein Füssen der Zukunft verpflichtet, baut auf die hochklassige Ausbildung seiner Nachwuchsspieler. Die Verbindung von glorreicher Vergangenheit und einer soliden Zukunft dank der Besinnung auf die Werte, welche auch schon vor 95 Jahren zur Gründung führten, Vorbilder und Talente zusammen zu führen, das wird der Weg des EV Füssen sein.

Zum 95-jährigen Jubiläum des Füssener Eissports hat die Stadt für das Heimspiel gegen Passau am 17. Dezember die Alt-Internationalen des Vereins ins Stadion eingeladen.

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