Von Platz acht zur NLA-MeisterschaftDer SC Bern ist Schweizer Meister 2016

Der SC Bern ist neuer Schweizer Meister. (Foto: Imago)Der SC Bern ist neuer Schweizer Meister. (Foto: Imago)
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Bereits in der ersten Runde zeigte der SC Bern, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Vorrundenmeister Zürcher SC Lions konnte nicht schnell genug auf Play-off-Tempo umschalten, wirkte behäbig, auch leicht arrogant und wurde von den Hauptstädtern mit 4:0 vom Eis geputzt. Es folgte im Halbfinale eine weitere Sensation. Lediglich bei der 1:7-Pleite in Spiel drei gegen den HC Davos schien Bern am Ende der Träume angekommen zu sein. Vielleicht auch ein gedanklicher Trugschluss für die Gegner, denn die Bären kamen zurück. Und wie! Beim heimischen 3:2 hatte man noch Glück, beim 4:3 in Davos startete man mit Power, hatte immer im richtigen Moment die richtige Antwort und am Ende war mit dem 4:3 der Weg ins Finale frei.

Das Finale begann gleich mit dem richtigen Drive. Der HC Lugano wollte seinen ersten Titel seit 2006 unter Dach und Fach bringen, war nach der Vorrunde drei Plätze besser platziert als Bern und galt als leichter 52:48-Favorit. Die 7000 Fans in der ausverkauften Halle in Lugano sahen bereits nach sechs Minuten das 1:0 durch den Schweden Klasen.  Der gleiche Spieler besorgte elf Minuten später das 2:0 bei doppeltem Überzahlspiel, wobei Klasen als Slalomläufer glänzte und alle Berner Verteidiger austanzte. Ein Tor zum Verlieben! Doch der SCB schlug zurück. 13 Minuten später stand es auf einmal 2:3 aus HCL-Sicht. Untersander (24.), Conacher (27.) und wiederum Untersander (31.) hatten das Ergebnis gedreht. Doch auch Lugano zeigte sich gefestigt. Ein Doppelschlag in der 38. und 39. Minute von Nationalspieler Damien Brunner bei doppeltem und einfachem Powerplay ließ die Herzen der Tessiner höher schlagen.  Scherwey (48.) ließ das 4:4 folgen, ehe Hoffmann (51.), sträflich übersehen von der SCB-Defensive, mit einem mächtigen Schlagschuss das Siegestor für die Luganesi besorgte.

Das Rückspiel war nichts für schwache Nerven. Die neun Tore beim Auftakt hatten die Trainer Leuenberger (Bern) und Shedden (Lugano) vorsichtiger werden lassen. Obwohl im zweiten Spiel die Tessiner erheblich häufiger die Strafbank drücken mussten als die Berner, stand es nach vierzig Minuten immer noch 0:0. Im dritten Drittel war es dann umgekehrt. Lugano ließ zwei Strafzeiten von Ruefenacht und Gerber ungenutzt und die Erfolgslosigkeit rächte sich. Ruefenacht (56.) zwirbelte das Spielgerät am gut stehenden HCL-Keeper Merzlikins vorbei ins lange Eck und sein, von 16.000 Fans, bejubelter Tortanz bedeutete gleichzeitig den Ausgleich in der Finalserie.

Spiel drei brachte praktisch schon die Vorentscheidung. Bereits im ersten Drittel bekämpften sich beide Vertretungen bis auf s Messer. 14 Zweiminuten-Einzelstrafen bezeugen dies. Das zweite Drittel hatte kaum begonnen, als Bodenmann (21.) in einem 2:1-Spiel einen Traumpass von Ebbett aufnahm und direkt in die Maschen drosch. Der Ausgleich von Martensson (26.) war verdient, aber auch, trotz Unterzahl, einem haarsträubenden Fehler der Berner Defensive zu verdanken, die ihm mehr als eine Sekunde Zeit bei der Ausübung ließ. Laperriers Treffer in der 38. Minute zum 2:1 schien die Waage zu Gunsten von Lugano zu neigen, aber Bern blieb unbeeindruckt. Moser prüfte HCL-Keeper Merzlikins, dieser ließ prallen und Ebbett versenkte die Scheibe zum Ausgleich. Und das Glück blieb dem SCB treu. In der 70. Spielminute erhielt Scherwey die Scheibe nach Bullygewinn und überwand Merzlikins etwas glücklich mit einem äußerst präzisen Schuss zum 2:3.

Auch in Spiel vier standen sich zwei gleichstarke Teams gegenüber. Den ersten Nadelstich setzte Lugano, als Stapleton (17.) das 0:1 besorgte. In der Folgezeit gab es von beiden Seiten kontrolliertes Offensivspiel zu bewundern, Tore fielen keine. Als fast schon niemand mehr damit rechnete, hatte Moser (56.) Glück. Sein Schuss aus dem Slot hätte keinen Zentimeter abweichen dürfen.  Genau zwischen Schulter und Kopf von Merzlikins schlug der Puck im oberen rechten Toreck ein. Glück muss man haben. Und noch mehr von dem seltenen Material hatten die Berner in der 76. Minute. Luganos Hoffmann hatte wegen hohen Stocks 2+2 Minuten erhalten und diesmal nutzte Bern die Schwäche des Gegners. Conacher prügelte die Scheibe aus Nahdistanz am chancenlosen Merzlikins vorbei zum 3:2 in die Maschen.

Bereits Spiel fünf brachte die Entscheidung. Zwar konnte Vauclair (6.) Lugano in Führung schießen, aber die beiden überragenden SCB-Kanadier Andrew Ebbett (21.) und Cory Conacher (25.) machten aus dem 0:1 ein 2:1. Der normalerweise nicht an vorderster Front stehende Luca Fazzini (45.) hielt mit seinem 2:2 die Tessiner Hoffnungen hoch, bis schließlich Derek Roy (52.) mit dem 3:2 den SC Bern zum Titel 2016 schoss, dem ersten seit drei Jahren.

Das komplette Meisterteam des SC Bern:

Tor: Aebi, Bührer, Manzato, Schoder, Schwendener, Stepanek; Verteidigung: Blum, Burren, Dubois, Gerber, Helbling, Jobin, Kousa, Kreis, Krueger, Randegger, Untersander, Wiedmer; Sturm: Bergenheim, Alain Berger, Pascal Berger, Bodenmann, Bärtschi, Conacher, Ebbett, Luca Hischier, Nico Hischier, Kobasew, Kämpf, Moser, Müller, Neuss, Plüss, Reichert, Roy, Ruefenacht, Scherwey, Smith.

Trainer: Guy Boucher und Lars Leuenberger.

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