Titelverteidiger auf der Pole PositionPlay-off-Start in der Schweizer NLA

Die ZSC Lions gehen von Rang eins in die Play-offs. (Foto: Imago)Die ZSC Lions gehen von Rang eins in die Play-offs. (Foto: Imago)
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Der Titelverteidiger wieder auf Platz 1. Ja, aber nicht so überzeugend wie in der letzten Saison, als man mit zwanzig Punkten Vorsprung vor Fribourg über die Ziellinie rauschte, um dann im Play-off-Viertelfinale fast noch an Lausanne zu scheitern. Das Torverhältnis zeigt es auch an. Die Stärke ist die Defensive, die auch fast komplett in die nächste Runde geht. Lediglich der Kapitän ist verletzt. Matthias Seger, Mr. ZSC (seit der Saison 1998/99 an der Limmat) fällt zunächst aus und auch der torgefährliche Mark Bastl im Sturm ist nur schwer zu ersetzen. Dass man niemanden unterschätzen darf, zeigte bereits die erste Play-off-Partie gegen Biel, die deutlich mit 0:5 verloren wurde.

Auf Platz zwei landete der SC Bern. Wie ein Phönix aus der Asche zogen die Hauptstädter nach oben, ließen die schwache Vorsaison komplett vergessen. Der drittstärkte Sturm, die zweitstärkte Defensive. Die Mischung macht‘s und da keiner verletzt ist, ist alles möglich. Wie aber auch Zürich, allerdings mit einem Happy-End, ging der SCB in das Viertelfinale. Der HC Lausanne ließ sich vor ausverkauftem Haus (16.800 Zuschauer) nur durch einen Treffer von Byron Ritchie (11.) bezwingen.

Dritter wurde der HC Lugano. Ähnlich wie Bern zeigten sie sich deutlich gefestigter als in der Vorsaison. Besonders die Nervenstärke imponierte in einigen Momenten wie im Abschlussspiel der Vorrunde, als man beim ZSC in der 52. Minute das 1:2 hinnehmen musste und trotzdem die Kraft besaß, in der Schlussphase durch Klasen (58.) und Simek (59.) mit einem Doppelschlag im Powerplay zurückzuschlagen. Diese Power wird jedoch jetzt benötigt, denn gleich die Viertelfinal-Heimpremiere gegen Servette Genf ging mit 2:3 verloren.

Platz vier holte sich etwas überraschend der EV Zug. Die Zuger ließen sich im zwar im Vorrundenendspurt in Ambri (1:2) überraschen, gewannen jedoch das Rückspiel klar mit 6:0 und machten dann in der Höhle des Löwen, beim direkten Konkurrenten Davos mit einem 3:2 die Platzierung sicher. Der Jubel blieb jedoch verhalten, denn die in ihrer Ehre gekränkten Davoser schlugen im Viertelfinale erbarmungslos zurück. Sie gönnten dem EVZ lediglich die Führung durch Lüthi (12.), dann sorgte Simion (16.) für den Ausgleich und du Bois (37.) für das 1:2. Das absolute Desaster erlebte der EVZ dann im dritten Drittel. Wiederum Simion (43.) und dann in einem Triple Marc Wieser (47.), Dino Wieser (48.) und Lindgren (49.) erhöhten auf 6:1.

Davos war geschockt. Zu Weihnachten noch auf Platz eins, ging es danach steil bergab. Am Ende stand ein ernüchternder fünfter Platz zu Buche. Wie stark der HCD auftreten kann, bewies das bereits beschriebene Viertelfinalauftaktspiel in Zug. Jetzt kommt es darauf an, ob die Graubündner den Vorteil mit einem weiteren Heimsieg nutzen können.

Der vor zwei Wochen prognostizierte sechste Platz wurde es dann auch für Servette Genf. Das ausgeglichene Torverhältnis von 154:154 zeigt deutliche Stärken in der Offensive und eine Schwäche in der Defensive. Das könnte den Genfern zum Verhängnis werden, zumal es gleich bis zu viermal auswärts antreten darf. Der Play-off-Beginn war jedoch schon ganz ansehnlich. Die Defensive hielt und Pyatt (20.) und Loeffel (26.) brachten die Rotfarben mit 2:0 vor 6.300 geschockten Luganesi beim HCL in Front. Zwar glichen die Tessiner zum 2:2 aus (Kostner und Hirschi mit Doppelschlag), aber das finale dritte Tor machte Pyatt in der 52. Minute zum Helden der Servettois.

Einen guten siebten Platz verbuchte der HC Lausanne. Die chronische angriffsschwachen Westschweizer, dafür mit einer äußerst starken Abwehr gesegnet, sollten sich, falls es verstärkendes Spielermaterial im Sommer findet, zu höheren Zielen in der kommenden Saison berufen fühlen. Das erste Play-off-Spiel war dann auch ein Abklatsch der Vorrunde. Beim 0:1 in Bern hielt man super mit, nur im Vorwärtsgang haperte es gewaltig.

Der achte Platz des EHC Biel ist die wahre Sensation der NLA. Die Abwehr zeigte sich wahrhaft nicht immer, mit 164 Gegentoren,  auf der Höhe, der Sturm jedoch war beileibe kein Lüftchen. 142 Mal schlug es im gegnerischen Netz ein und das war mit Sicherheit ein Grund für die diesjährige Stärke der grauen Maus der Liga, obwohl Biel ein Traditionsverein (1975 bis 1995 und ab 2007 NLA-Mitglied) ist. Interessant, dass die Bieler die Einzigen sind, die auf ausländische Verteidiger verzichten. Nur im Sturm stehen Kontingentspieler, dafür aber gleich sechs. Dass diese Combo jedoch kreuzgefährlich sein kann, zeigten sie beim Viertelfinalauftakt in Zürich (5:0).

Sie hatten sich wenigstens die Play-offs ausgerechnet, besser aber das Halbfinale. Was kam raus? Platz neun und zum ersten Mal seit 2009 die Play-Down. Der HC Fribourg konnte wie üblich im Angriff (144) mithalten, die Abwehr war jedoch ein völliges Desaster und wird vermutlich stark ausgewechselt. 177 Gegentore waren das schlechteste Ergebnis der gesamten Liga und das Dilemma ging bereits in der ersten Runde des Abstiegkampfes weiter. Gegen Ambri setzte es ein 2:3 nach Verlängerung vor geschockten 5800 Fans.

Ebenso schlimm wie Fribourg traf es Kloten. Vor einem Jahr nach einem Finanzschock kurz vor dem Aus erreichte der Traditionsverein das Finale gegen den ZSC (0:4), wurde Vizemeister und brach in diesem Jahr völlig ein. 59 Punkte und Platz zehn, schlimmer konnte es nicht kommen. Doch, das Unglaubliche trat ein. Die Rapperswil Lakers, mit 14 Punkten Rückstand klarer Tabellenletzter, bezwangen die Klotener mit 2:0 und jetzt wird langsam die Luft dünn für die Flughafenstädter.

Ebenfalls einen deutlichen Einbruch erlebte der HC Ambri. Die Tessiner, wie auch Kloten in den letzten Jahren vor großen finanziellen Problemen, konnten den Erfolg des Vorjahres nicht wiederholen und stürzten gewaltig ab. 57 Punkte standen am Ende auf der Habenseite und wäre es nur ein Sieg mehr geworden, dann wäre gar Platz neun möglich gewesen. Wie gut am Saisonende die Form war, zeigte sich beim 2:1 gegen Zug und dem 4:1 in Lausanne und auch der Play-down-Auftakt mit dem 3:2 in Fribourg war erfrischend und zeigt, dass keiner den Anderen auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Am Ende der Tabelle mal wieder die Lakers vom Südende des Zürichsees. Der Letzte des Vorjahres wollte sich verbessern, es wurde nichts. Und es wird schwer, es droht wieder einmal die berühmte Best-of-Seven-Serie gegen den NLB-Meister. Hier könnte es gegen den Altmeister aus Langnau gehen, der bis jetzt souverän seine Play-off-Spiele gewonnen hat. Kampflos wollen die Lakers jedoch nicht in diese Runde gehen, das hat das 2:0 gegen Kloten deutlich gemacht.

Somit ist nur eines sicher. Es bleibt im Alpenland Schweiz spannend – bis zuletzt.

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