Timo Pielmeier - Ein Bayer in Kanada - Vol.2

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Hallo Deutschland! Hallo Deggendorf! Hallo Berlin!

Schwupps, sind schon wieder fast vier Wochen vergangen, entsprechend viel Neues gibt es zu berichten. Aber der Reihe nach: In St. John’s habe ich mich jetzt schon ziemlich gut eingelebt, so etwas wie Alltag hält Einzug. Zwar habe ich nicht allzu viel Freizeit, aber um hin und wieder zum Fischen oder Golfen zu gehen langt es schon. Auch Kino ist ein schöner Zeitvertreib, zumal hier die besten Filme etwas früher zu sehen sind als in Deutschland. Seit ein paar wenigen Wochen begleitet mich bei all dem Lindsay, meine Freundin.

Im Team habe ich inzwischen auch Freunde gefunden. Mit dem Schweden Mario Kempe zum Beispiel bin ich öfter unterwegs. Wir unterhalten uns natürlich meist in Englisch, aber auch ein paar Brocken Schwedisch hat er mir schon beigebracht und ich ihm ein paar deutsche. Mario wurde übrigens von den Philadelphia Flyers an 122. Stelle beim NHL-Entry Draft gezogen und war fast bis zum Schluss im Camp der Flyers. Er war einer der Spieler, die uns sehr fehlten, um besser mit den Fog Devils in die Saison zu starten. Aus zehn Spielen sind erst drei Siege herausgesprungen. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Die eine oder andere Verstärkung für die Defensive wird es wohl bald noch geben müssen. Oft war es aber auch ein knappes Ding, wie bei der Overtime-Niederlage in Moncton oder dem 3:4 in Cape Breton. Am 22. September haben wir dann aber endlich unseren ersten Sieg eingefahren und zum Gamewinner durch Jean-Simon Allard habe ich die Vorlage gegeben. Sauber!

Für mich persönlich lief es bisher eigentlich noch ein bisschen besser als fürs Team, auch wenn das meine Statistiken im Moment noch nicht so deutlich machen. Dass ich schon dreimal unter den Three Stars war, sagt da schon etwas mehr aus. Auch wenn man sieht, wie viele Schüsse ich in so manchem Spiel auf den Kasten bekomme. Beim 3:1-Sieg in Shawinigan waren es zum Beispiel 39 gehaltene Schüsse, weshalb ich auch zum First Star gewählt wurde. Wie es der Zufall wollte, war ausgerechnet dort der Scouting-Direktor der San José Sharks, Tim Burke, auf Beobachtungstour. Da konnte ich mit meiner Leistung ordentlich Punkte sammeln. Jedenfalls hat er mich danach sehr gelobt.

Gut ausgesucht, Mr. Burke! Denn nur ein paar Tage später hatte ich an der 2:7-Schlappe gegen Lewiston zu kauen. Bei denen spielt übrigens Landsmann Denis Reul mit. Bei uns lief an dem Tag aber überhaupt nichts zusammen. Im letzten Drittel habe ich dann meinem Torwartkollegen Jake Allen Platz gemacht. Mann, war ich satt! 29 Schüsse habe ich in den beiden Dritteln davor bekommen und sechs waren drin. Unserem Trainer Réal Paiement haben wir dabei auch noch sein Rekordspiel versaut. Er stand an diesem Tag zum 989. Mal in einem regulären Ligaspiel hinter der Bande. Das schnell wieder gut zu machen gelang uns beim nächsten Heimspiel gegen Halifax leider nicht. Zu viele Strafen, zu viel Unterzahl, zu viele Fehler. Im Moment ist im  gesamten Team irgendwie der Wurm drin.
Grundsätzlich kann in unserer Liga aber jeder jeden schlagen. Im einen Spiel fegt man den Gegner vom Eis, im nächsten schon kann man selbst tüchtig unter die Räder kommen.

Die Reisen zu den Auswärtsspielen laufen bequemer ab als eigentlich erwartet. Wir fliegen einen Tag vor dem Spiel nach Halifax und dort wartet unser Team-Reisebus auf uns, mit dem es dann weiter zum Spielort geht. Am Spieltag wird morgens noch mal trainiert und dann bereitet sich jeder für sich aufs Spiel am Abend vor. Interessant ist auch, dass uns immer ein Reporter vom örtlichen Radiosender in St. John’s begleitet, der dann live vom Spiel berichtet.
Ha, und die Zuschauerzahlen sind hier echt der Hammer! In einem Spiel unserer Liga zwischen Quebec und Rimouski kamen sogar über 10.000 ins Stadion! Würde mal behaupten, davon träumt in der Heimat manch DEL- oder Zweitligaklub. In St. John’s  haben wir derzeit im Schnitt so um die 2572 Zuschauer. Wären unsere Ergebnisse besser, würden sicher noch mehr kommen. Die Begeisterung fürs Hockey spürst du hier nämlich jeden Tag an fast jeder Hausecke.

Trotzdem ist es mir wichtig mit der Heimat in Kontakt zu bleiben. Das Internet macht es zum Glück möglich, mich mit all meinen Freunden, vor allem meinen besten Kumpel Andi Gawlik, der jetzt in Weiden spielt, und natürlich meiner Familie zu hause in Deggendorf regelmäßig auszutauschen. Mein Bruder Thomas ist freilich mein wichtigster Gesprächspartner, wenn ich wissen will, was in Berlin so los ist. - Der Große soll mal aus den Puschen kommen: Erst ein DEL-Einsatz! - Aber auch Manager Peter John Lee fragt schon mal nach, wie es bei mir läuft. Und so verbringe ich auch manche Stunde vor meinem PC. Ist eben doch schon alles ganz schön weit weg. Wie weit, das könnt ihr auf dem Foto sehen. Für den Fall, dass man es nicht so gut erkennt: Zwischen St. John’s und Berlin liegen satte 4625 Kilometer.

Nochmals beste Grüße in die Heimat und bis bald,

Euer Timo Pielmeier

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