Schweiz: Ausländerbeschränkung unter Beschuss

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Die Ausländerbeschränkungen im Schweizer Eishockey und im Sport allgemein sind gestern unter starken Beschuss geraten. Das Bezirksgericht Bern-Laupen hat in einem Streit um die Regelungen im Unihockey entschieden, dass man Ausländer aus dem EU-Raum nach den am 1. Juni 2002 in Kraft getretenen bilateralen Verträgen über den freien Personenverkehr nicht durch Beschränkungen diskriminieren dürfe. In der vergangenen Saison hatte der Club Basel Magic den Rechtsstreit proviziert, indem man während eines Spiels zwei statt nur einen Ausländer eingesetzt hatte und vom Unihockey-Verband mit einer "Forfait-Niederlage" bestraft wurde. Anders hat nun das Gericht entschieden: Ab sofort dürfen im Unihockey alle Nationalliga-Clubs ohne Sanktionen soviele EU-Ausländer einsetzen, wie sie wollen. Genützt hat es dem Basler Unihockey-Club aber wenig: Sie sind auch ohne Forfait-Niederlage abgestiegen, haben aber für die neue Saison vorsorglich zwei Ausländer unter Vertrag genommen.

Was bedeutet dieses Urteil für die anderen Bereiche? Es bedeutet, dass die Sport-Verbände unter Druck geraten. Der Unihockey-Verband muss sein Reglement anpassen, sollte er nicht vor einem höheren Gericht mehr Erfolg haben. Der Handball-Verband hatte nach einer Drohung der Grasshoppers mit rechtlichen Schritten schon länger die Grenzen für die EU-Ausländer geöffnet. Im Volleyball gibt es sogar gar keine Ausländerbeschränkung mehr. Was in finanziell schwächeren Sportarten wenig Bedeutung hat, hätte dies für andere. Denn gerade in den beiden populärsten Mannschaftssportarten, dem Eishockey und dem Fussball, zeigte man sich geschlossener. Man vertraut auf den Zusammenhalt zwischen den Clubs und den "stillschweigenden Gentlemen's Agreement", sich an die widerrechtlichen Ausländerregelungen zu halten. Diese besagen im Eishockey, dass in der NLA nur drei Ausländer, in der NLB nur zwei Ausländer spielberechtigt sind, darunter werden auch Spieler aus dem EU-Raum gezählt.

Der "Fall Basel Magic" ist damit die Fortsetzung des Falls von Jean-Marc Bosman. Der belgische Fussballer, der fussballerisch meist nur für die Zweitklassigkeit genügte, hatte vor Jahren im EU-Raum vor Gericht bewirkt, dass die EU-Staaten untereinander auch im Fußball keine Bürger von anderen Mitgliederstaaten diskrimieren dürfen. Profi-Sportler gälten innerhalb der Arbeitswelt nicht als Ausnahmen, ob es die Verbände wollen oder nicht. Dies gälte seit 15 Monaten auch für die Schweiz - und umgekehrt für Schweizer im EU-Raum. Man könnte somit theoretisch unbegrenzt Schweden, Finnen, Deutsche, Franzosen oder etwa Italiener einsetzen. Mit der EU-Erweiterung könnte sich dieser Kreis auch bald um Tschechen und Slowaken erweitern. Unbedeutend ist dies nicht, spielen doch im Vergleich zur letzten Saison mehr Skandinavier in der NLA. So besteht das Ausländer-Trio von Fribourg-Gottéron statt aus Nordamerikanern wie bisher ausschließlich aus Schweden und Finnen, ohne dass der Club aber einen Zusammengang mit den bilateralen Verträgen eingestehen will.

Wenig beeindruckt zeigte sich gestern der Nationalliga-Präsident Franz A. Zölch zur Basler Zeitung: "Wir werden bei der Nationalliga-Versammlung über die Ausländerregel diskutieren müssen. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Clubs im Moment eine Veränderung herbeiführen wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein einzelner Club wie im Unihockey ausschert, um am Ende vor dem Zivilgericht Recht zu erhalten. Ein Club, der ausschert, wäre innerhalb der Liga total isoliert." Im März verstärkte er noch seine Ansicht, dass man ausscherenden Vereinen die Lizenz enziehen würde. Der ZSC-Sportchef und Geschäftsführer Simon Schenk fürchtet das Schreckgespenst der bilateralen Verträge zur Website unihockey.ch mehr: "Ich habe Angst, dass nun alle Dämme brechen. Im Eishockey sind wir mit einer Begrenzung der Ausländerzahl gut gefahren, wussten aber immer, dass das nur solange funktioniert, bis ein Nestbeschmutzer kommt. Ich hoffe, dass die Folgen dieses Urteils nicht allzu schnell eintreten werden." Das Schweizer Eishockey steht damit vor einer grossen Herausforderung, will man die konservativen Beschränkungen weiterhin aufrecht erhalten. Ein rechtlich mögliches Modell wäre gemäss Zölch jenes der DEL, dass man statt einer Beschränkung eine Mindestzahl an Schweizer Spielern vorschreibt. Statt maximal drei Ausländer also mindestens 19 Schweizer auf dem Matchblatt vorschreiben? Der Unterschied wäre wohl nur die Wortwahl... (hockeyfans.ch)

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