Salzburg: Pagé und Red Bull streben nach Höherem

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Der erfolgreichste Trainer des EHC Eisbären Berlin in der Zeit nach Aufnahme in die Bundesliga bzw. Eintritt in die DEL ist in seiner persönlichen Zukunft angekommen: Seine Betätigungsfeld zur Verwirklichung von Visionen wird von nun an der EC Red Bulls Salzburg sein, Österreichs frischgebackener Eishockeymeister. Was die berühmten Spatzen schon kurz nach dem Jahreswechsel in deutlich vernehmbaren österreichischen Akzent von den Dächern pfiffen, hat am Dienstag seine offizielle Bestätigung gefunden.

Der Erfolgscoach, der mit seiner Eishockey-Philosophie nicht nur das Spiel der Eisbären wesentlich beeinflusste, trifft in der Mozartstadt auf ein fruchtbares Feld. Fruchtbar zwar und mit großem Potenzial ausgestattet, doch trotz des jüngsten nationalen Erfolgs der Salzburger ein - in internationalen Maßstäben gedacht - noch recht unbeackertes Feld; dem Hockey der Alpenrepublik mangelt es an allgemeiner Anerkennung. Nicht nur manch Eisstadion in Österreich erinnert in seiner Beschaffenheit zum Teil an die 80er oder wenigstens frühen 90er Jahre hierzulande, Strukturen und auch das Spiel selbst scheinen mitunter noch aus dieser Zeit zu stammen. Viel zu tun für den Querdenker und Eishockey-Ästheten Pagé!

Im Eisstadion im Salzburger Volksgarten wird Pagé sich dennoch schnell heimisch fühlen.
Denn das Stadion fasst kaum mehr als 4000 Zuschauer, was ihn doch sehr an den Wellblechpalast (Fassungsvermögen: 4695 Zuschauer) im Hohenschönhauser Sportforum erinnern dürfte. Aber wie sein vorheriger Klub im Wellblechpalast, wirkt auch die Eishockeyfiliale des Milliardärs und Red Bull-Erfinders Dietrich Mateschitz in seiner Heimstatt wie ein zu schnell gewachsener Konfirmand im zu eng gewordenen Anzug.

Über den eigenen Tellerrand hinaus reichen die Ambitionen des Roten Bullen, dem die beschauliche Alpenrepublik sportlich wie wirtschaftlich zu klein zu werden scheint. Auffallend oft fällt in der offiziellen Verlautbarung zur Verpflichtung Pagés der Begriff vom „zukünftigen internationalen Eishockeyengagement“. Pierre Pagé findet dort ohne Schwierigkeiten seinen Platz: „Ich bin immer offen für alles, was in der Welt des Eishockeysports passiert und glaube, dass Salzburg der richtige Platz für mich ist. Herr Mateschitz hat eine Vision und blickt dabei auch über die nationalen Grenzen hinaus. Das ist sehr spannend für mich, zumal das System der Red Bulls alle Möglichkeiten, sportliche Ziele zu erreichen, offen lässt“.

Des Kanadiers Hauptaufgabe wird es trotz aller Visionen sein, das Bundesligateam erfolgreich zu trainieren, dabei aber verstärkt Eigengewächse zu integrieren. Ein entsprechendes Nachwuchsprojekt existiert in Salzburg seit längerem; das Farmteam ist in der Nationalliga aktiv, nur eine Klasse niedriger als die erste Mannschaft. Die nächsten Tage hält sich Pagé bei der WM in Moskau auf, auch um Spieler für seinen neuen Arbeitgeber zu sichten. Außer Greger Artursson haben die Mozartstädter noch keinen Legionär für die neue Spielzeit fest an sich gebunden. „Unserem Coach soll hier alle Gestaltungsfreiheit gegeben sein“, erklärt Salzburgs Pressesprecher Guido Stapelfeldt.

Was indes dieses internationale Engagement im Detail beinhaltet, kann derweil nur spekuliert werden. „Es gibt noch kein bis zu Ende durchgeplantes Konzept“, sagt Pressesprecher Guido Stapelfeldt, „aber der Blick von Red Bull richtet sich stets auf die internationale Bühne, ohne jedoch die nationale Meisterschaft zu vernachlässigen“. Das klingt durchaus nach Größerem. Groß genug jedenfalls, um Pagés Vorgänger im Amt, dem Schweden Hardy Nilsson (Foto - links neben Pierre Pagé), die Aufgabe eines Koordinators und Supervisors für die Entwicklung dieses so geheimnisvoll anmutenden internationalen Engagements anzutragen.

Bekannt hingegen ist allerdings, dass es Dietrich Mateschitz mit Vehemenz in die NHL drängt, nachdem er den Sprung „über den großen Teich“ und in die Major League Soccer (MLS) mit seinen New Yorker Fußballern geschafft hat. Schon vor etwas über einem Jahr drang an die Öffentlichkeit, dass Bestrebungen verfolgt würden, unter der Red Bull Flagge eine NHL-Franchise in der kanadischen Provinz Quebec zu installieren. Daraus wurde bekanntlich bisher nichts. Aktuell soll Mateschitz’ Unternehmen mit den Montreal Canadiens über eine wie auch immer geartete Beteiligung in Verhandlungen stehen. Wobei Montréals Vizepräsident Donald Beauchamp sogleich und mit Nachdruck öffentlich zu verstehen gab, dass es sich hierbei nicht um den Verkauf der Franchise handeln soll. Die sportliche Kooperation mit Philip F. Anschutz’ NHL-Klub Los Angeles Kings und die wirtschaftlichen Verbindungen der Anschutz- und Mateschitz-Firmen seien hier nur am Rande nochmals erwähnt (Hockeyweb berichtete).

Wie dem auch sei, mit Nilsson konnte man beachtliche Kompetenzen in Sachen internationales Eishockey weiter an sich binden und fügt mit der Verpflichtung von Pierre Pagé diesen noch ein gerüttelt Maß hinzu. Über die finanziellen Möglichkeiten von Red Bull muss zudem nicht lange herum gerätselt werden; aus dieser Quelle sprudelt eine kräftige, kaum trocken zu legende Fontäne. Nur um die Marktführerschaft in Österreichs Eishockey zu verteidigen, wäre ein Vielfaches weniger noch immer genug. Insofern ist man aus Sicht der DEL wohl fortan gut beraten, doch hin und wieder ein waches Auge gen Österreich zu werfen.

Matthias Eckart


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