Panik-Entscheidungen in der Schweiz?Kommentar zur Lage in der NLA

Die Schweizer "Nati" beim Deutschland Cup 2015 (Foto: Imago)Die Schweizer "Nati" beim Deutschland Cup 2015 (Foto: Imago)
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Lange Zeit galt die Schweiz aus deutscher Sicht als Muster-Eishockeyland. Gute Nachwuchsausbildung, eine sinnvolle Verbandsstruktur, die die Profiligen und den Amateurbereich berücksichtigt. Dazu wenige Ausländer in der NLA, was in guten Resultaten der Nationalmannschaft gipfelte – mit dem Höhepunkt der Vizeweltmeisterschaft im Jahr 2013. Und nun? Nun droht die Schweiz ein Land von gestern zu werden. Erst im Laufe dieser Saison hat die Deutsche Eishockey-Liga die Rückkehr zu Auf- und Abstieg ab 2017 angekündigt – und die NLA will gerade diesen Auf- und Abstieg „aussetzen“, um sich wirtschaftlich zu konsolidieren.

Der Grund, warum dies in der Schweiz diskutiert wird, ist die angebliche Planungssicherheit, die für die Clubs entstehe. In Deutschland waren es aber oft die kleinen Clubs, die für eine Auf- und Abstiegsregelung plädierten – um spannenden Sport bieten zu können, während die großen Clubs angesichts in der 2. Liga kaum zu finanzierenden Arenen, kalte Füße bekamen, sollte es einmal ein sportliches Katastrophenjahr geben. Doch Spiele, in denen es ab Januar um nichts mehr geht, weil das Erreichen der Play-offs utopisch ist, es aber keinen Abstieg gibt, locken eher wenige Zuschauer hinter dem Ofen hervor. In Zeiten einer finanziellen Krise, in der sich die NLA offenbar befindet, zum Mittel der Abschottung zu greifen, ist ein Zeichen fehlender Solidarität mit allen anderen. Dabei versprach die neue Schweizer Verbandsstruktur genau das Gegenteil.

Das Hin und Her zwischen Abschottung und Auf- und Abstieg, der mehrfach abgeschafft und wieder eingeführt wird, hat zudem auch zu einem Glaubwürdigkeitsverlust des Eishockeys in Deutschland geführt. Das ist zu Zeiten, da der Profifußball die Medien und die öffentliche Aufmerksamkeit dominiert, nicht gerade förderlich.

Zudem plant die Schweizer NLA mehr Ausländer zuzulassen. Der Hintergrund liegt in eben jener finanziellen Krise. Zum einen gilt die NLA ohnehin als eine für die Clubs teure Liga, weil die Spieler vergleichsweise gut verdienen. Zum anderen sind einheimische Spieler teuer. Das ist auch ein Problem, von dem deutsche Eishockey-Manager ein Lied singen können. Warum gingen denn in Deutschland früher die Ausländerzahlen nach oben? Weil man für günstiges Geld gute – oder vermeintlich gute – Spieler bekam. Der Preis, der gezahlt wurde, war die Vernachlässigung der Nachwuchsarbeit und das Abstürzen der Nationalmannschaften.

Die DEL und der DEB versuchen gerade, sich von diesen Fehlentwicklungen zu lösen. Das ist nicht einfach, weil in vielen deutschen Sportprofiligen – abgesehen vom allmächtigen Fußball – viele Clubs von einem oder wenigen Geldgebern abhängig sind. Möglicherweise will die NLA deswegen das Mäzenatentum einschränken, damit sich Clubs nicht in solche Abhängigkeiten begeben.

Das einzig Spannende an den ansonsten traurigen Vorschlägen aus dem Kreis der NLA-Clubs ist die Gehaltsobergrenze nach dem Vorbild der National Hockey League. Darüber zu diskutieren, kann lohnen, allerdings sind dabei notwendigerweise auch die Vertreter der Profispieler einzubeziehen, um sich nicht Probleme zu schaffen, die es nachher auszubaden gilt.

Also, liebe Schweizer, nehmt Euch nicht die „alte“ DEL zum Vorbild und wiederholt keine Fehler, die nördlich der Alpen begangen worden sind. Überrascht uns mit Innovationen so wie bisher – und nicht mit Panik-Entscheidungen, die in die Vergangenheit weisen.


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