Wunder perfekt! 4:3 gegen Kanada: Deutschland spielt um Gold!Finaaaaale, ohoooo! Sonntag (5.10 Uhr) geht es gegen Russland

Wahnsinn on Ice!  Was für ein Jubel! (picture alliance/Daniel Karmann/dpa)Wahnsinn on Ice! Was für ein Jubel! (picture alliance/Daniel Karmann/dpa)
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Das Wunder von Pyeongchang ist perfekt. Deutschland steht im Olympia-Finale. Das wird eine kurze Nacht. Am Sonntag am frühen Morgen (5.10 Uhr/Live in der ARD und Eurosport im TV und im Stream) geht es gegen die Olympischen Athleten aus Russland um Gold. Mindestens Silber ist sicher. Das ist der größte Erfolg des deutschen Eishockeys.  1976 hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) sensationell Bronze gewonnen. Damals waren die Medaillen über die Endabrechnung einer Sechser-Runde vergeben worden. Auch beim Bronze-Gewinn 1932 hatte es bei nur vier Teilnehmern kein Halbfinale gegeben.

4:3 gegen Rekord-Olympiasieger Kanada. In Worten: VIER zu DREI! Wahnsinn! Alle Fans werden dieses Spiel heute Nacht in voller Länge nochmal träumen. Immer wieder. In Endlosschleife. Hatte bisher Disneyland den Ruf, der schönste Ort der Welt zu sein, ist das nun Vergangenheit. Seit Freitag ist dies das Kwangdong Hockey Centre. 

Neun Mal Olympiasieger. 26 Mal Weltmeister. 23 Spieler aus dem 25-Mann-Kader mit NHL-Erfahrung (5440 Spiele) -  Kanada war der haushohe Favorit. Mehr David gegen Goliath geht eigentlich nicht. Aber das DEB-Team hat keine Angst vor großen Namen. Wie der Sieg gegen Weltmeister Schweden zeigte.

Und sie begannen gegen Kanada besser. Waren es gegen die Tre Kronor nach 10 Minuten noch 0:12-Torschüsse, hielten die DEB-Cracks diesmal gleich dagegen. Und wie!

Erstmal körperlich. Felix Schütz rammte Maxim Noreau an die Bande. Check gegen Kopf und Nacken. Mit Verletzungsfolge. Die Schiedsrichter gaben 2 Minuten. Nur. Glück gehabt (13.). Dann aber auch spielerisch. Bei doppelter Überzahl schlug Deutschland eiskalt zu. Brooks Macek zimmerte den Puck in die Maschen (15.). Unglaublich. Kanada geschockt. Geradezu konsterniert. Weil die DEB-Stars taktisch wieder unglaublich diszipliniert spielten. 6:5 Torschüsse nach dem ersten Drittel sprachen eine deutliche Sprache. Wunderbar.     

Kanada kam mit mächtig Wut aus der Kabine. Na und? Die Deutschen blieben ruhig. Und konterten. Traumpass von Patrick Hager auf Matthias Plachta, der die Scheibe unter die Latte zimmerte. Unfassbar! Wie gegen Schweden wieder eine 2:0-Führung. Wie cool die Deutschen mittlerweile vor dem Tor sind! Die Chancenverwertung war ja jahrzehntelang ein Riesenmanko. Ruhig bleiben. Nur nicht durchdrehen. Das war nun das Motto. Der Weg war noch lang. Aber die Gänsehaut bei den deutschen Fans schon in Dauerfunktion. Die kanadischen Anhänger dagegen waren wir die Mucksmäuschen – still. Spätestens nach dem 3:0. Marcel Goc legt wunderbar auf Frank Mauer ab - und der knallte den Puck per Kunstschuss über die Linie (28.). Verrückt. Unglaublich. Märchenhaft.

Kanada verkürzte schnell, nutzte ein Überzahlspiel zum 3:1-Anschlusstreffer. Glibert Brulé hatte getroffen (29.). Noch war alles im grünen Bereich. Die deutsche Bank um Bundestrainer Marco Sturm blieb gelassen. Weil Torwart Danny aus den Birken erneut fantastisch hielt. Der stand jetzt unter Dauerfeuer. Wütende, ungestüme Angriffe der Kanadier. Den Deutschen blieb kaum Zeit zum Luft holen. Erneut in Überzahl dann der Konter. Matthias Plachta schoss, Hager fälschte ab – 4:1 (33.).

Kanada drehte durch. Böses Frustfoul von Brulé, der David Wolf den Ellenbogen mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. Der Mannheimer musste vorerst benommen in die Kabine. Brutal. Übel. Sinnlos. Logische Konsequenz, der Kanadier durfte vorzeitig duschen gehen. Spieldauerdisziplinarstrafe. Absolut verdient. Fünf Minuten Überzahl für das DEB-Team. Hager traf nur den Pfosten. Kanada-Goalie Kevin Poulin beförderte den Puck fast über die eigene Linie (37.), dann hatte Patrick Reimer das 5:1 auf der Kelle (38.). Kanada - schwer angezählt. Deutschland hatte alles im Griff. Und das war kein Zufall. Die deutsche Führung – auch in dieser Höhe hochverdient.     

Nur noch 20 Minuten. Das! Muss! Doch! Klappen! Wach bleiben. Kanada kam ran. 4:2 durch Mat Robinson (43.). Dann die Riesenchance. Penalty für Deutschland. Doch Dominik Kahun scheiterte an an Poulin (44.). Schade. Das war ein Matchball! Also weiter zittern. Kanada jetzt bärenstark. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor. Herzinfarkt-Hockey für die deutschen Fans. Die DEB-Cracks warfen sich verzweifelt in jeden Schuss, stemmten sich gegen die wilde, aggressive Sturmflut. Half nichts. Plötzlich Oberwasser für den Favoriten. Derek Roy legte nach - nur noch 4:3 (51.). Der Faden drohte verloren zu gehen. Durchhalten. Nur noch neun Minuten. Die zur Ewigkeit wurden.  Es gab kaum noch Entlastung. Nur noch 4 Minuten. 240 Sekunden! Das Finale - so nah. Kanada nahm den Torwart raus. Zu Gunsten eines weiteren Feldspielers. Noch mehr Druck. 70 Sekunden. Was für eine Spannung. 60 Sekunden. Nur noch ein Wimpernschlag zur ersehnten Medaille. Auszeit Deutschland. 30 Sekunden. 20 Sekunden. 10 Sekunden. Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus. Jetzt ist alles möglich. Auch Gold! Wahnsinn on Ice! Finaaale, ohoooo!    

„Ich weiß nicht, was hier passiert ist. Wir haben eine Medaille sicher, das ist großartig“, sagte Torwart-Gigant Danny aus den Birken nach dem Sieg: „Wir haben geglaubt, bei diesem Turnier eine Chance zu haben, aber dass wir so weit kommen, ist auch für uns überraschend. Die Jungs haben hinten die Pucks gefressen. Und vorne die Tore gemacht. Wir haben uns einen Traum erfüllt.“ Bundestrainer Marco Sturm konnte sein Glück kaum fassen: „Es ist verrückt, eine verrückte Welt. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Die Jungs haben das von der ersten bis zur letzten Minute super gemacht. Einmalig. Wir spielen ja erst am Sonntag, die Jungs sollen das genießen. Heute gebe ich eine Runde Bier aus.“           

OAR – Tschechien 3:0 0 (0:0, 2:0, 1:0)

Was gab es in der Geschichte bei diesem Duell für legendäre Eishockey-Schlachten. Im ersten Halbfinale am Freitag (23.02.18) bezwangen die Olympischen Athleten Russlands ihren alten Widersacher Tschechien mit 3:0 (0:0, 2:0, 1:0). Im ausverkauften Gangneung Hockey Center zeigte die Sbornaja, dass sie Top-Favorit auf die Goldmedaille ist. Von Beginn an hatten die Tschechen erkannt, dass sie gegen die individuell stärkeren Russen nur über eine disziplinierte Defensiv-Strategie zum Erfolg kommen könnten. Die Russen fanden nur selten Lücken im kompakten Defensiv-Verbund. Bis zur 28. Minute. Da vernaschte der überragende Pavel Datsyuk halbrechts einen Gegner, passte zentimetergenau quer zu Nikita Gusev, der den Puck unter die Latte knallte. Ein Protest der Tschechen, die ein Torraum-Abseits erkannt haben wollten, wurde abgewiesen. Die Entscheidung fiel nur 30 Sekunden später. Nach Rückhand-Pass von van Telegin verwandelte Vladislav Gavrikov lässig. In der Schlussminute traf Ilia Kowaltschuk ins verwaiste tschechische Tor.     

Spiel um Platz 3: Kanada gegen Tschechien (Samstag, 13.10 Uhr, ZDF und Eurosport, live im TV und im Stream). 

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