Schweiz beim olympischen Frauen-Turnier auf dem VormarschAlina Müller führt Scorerliste an

Die Schweizerin Alina Müller im Spiel gegen das vereinigte Korea. (Foto: dpa/picture alliance/Sven Simon)Die Schweizerin Alina Müller im Spiel gegen das vereinigte Korea. (Foto: dpa/picture alliance/Sven Simon)
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Dieses Nationalteam Japans traf nun im dritten Spiel des olympischen Frauen-Eishockey-Turniers in der Gruppe B auf die Schweiz. Der Stand war, dass die Japanerinnen gegen Schweden nur äußerst knapp mit 1:2 unterlegen waren, während die Schweizerinnen Gastgeber Korea mit 8:0 besiegt hatten. Am Ende stand ein 3:1-Sieg der Schweizerinnen durch Tore von Sara Benz (2; ZSC Lions) und Alina Müller (ZSC Lions) bei einem Gegentor von  Hanae Kubo. Damit war das Turnier für Japan gelaufen, denn im bedeutungslosen Spiel gegen Korea konnte die Japanerinnen zwar den erwarteten Sieg mit 4:1 einfahren, aber drei Punkte waren am Ende zu wenig. Den Gruppensieg holte sich die Schweiz durch einen 2:1 (0:0, 1:0, 1:1)-Erfolg gegen Schweden. Torjägerin Alina Müller, die augenblicklich nach der Vorrunde die Scorerliste mit neun Punkten vor ihren Mannschaftskameradinnen Christine Meier (6 Punkte; ZSC Lions), Sara Benz (5; ZSC Lions) und Lara Stalder (5, Linköping HC) anführt traf in der 34. Minute zum 1:0. Anna Borgquist von Brynäs Gävle glich in der 48. Minute zum 1:1 aus, ehe Phoebe Stenz (SDE HF/Schweden) in der 52. Minute den Siegtreffer für die Eidgenossinnen erzielte.

In der Gruppe A sind die kanadischen und amerikanischen Frauen bereits qualifiziert, die Finninnen und die Russinnen, die heute aufeinander treffen, entscheiden mit dem Ergebnis, gegen wen sie im Viertelfinale spielen.  Die USA und Kanada treffen ebenfalls am 15. Februar aufeinander. In den ersten Spielen gewannen die USA mit 3:1 (0:1, 2:0, 1:0) gegen Finnland und 5:0 (1:0, 3:0, 1:0) gegen Russland, die Kanadierinnen mit 5:0 (0:0, 3:0, 2:0) gegen Russland und mit 4:1 (2:0, 2:0, 0:1) gegen Finnland.

Die Prozedere ist für Außenstehende etwas kompliziert. Es wurde die IIHF-Weltrangliste dazu zur Einteilung der Gruppen nach der Qualifikation zu Hilfe genommen. Dabei wurde die Gruppe A dieses olympischen Turnieres höher gewertet als die Gruppe B, denn in der Gruppe A spielen die ersten Vier der Weltrangliste. In der Gruppe B spielt die Weltranglistenfünfte sowie als gesetzter Gastgeber das vereinigte koreanische Team. Damit waren zwei Plätze frei und die holten sich Schweiz und Japan. In der olympischen Vorrunde gibt es zwei Vierergruppen (Gruppe A und B). Nach der Vorrunde fahren die Teams der Plätze drei und vier der Gruppe B nach Hause. Der Letzte der Gruppe A trifft auf den Sieger der Gruppe B (Schweiz), das vorletzte Team der Gruppe A auf den Zweiten der Gruppe B (Schweden). Der Sieger der Partie Schweiz – Russland/Finnland spielt gegen den Sieger der Gruppe A (USA/Kanada), der Sieger der Partie Schweden – Russland/Finnland trifft auf den zweiten der Gruppe B (USA/Kanada).

Alina Müller stürmt bei Olympia auf Scorerposition eins

Sie kam, sah und siegte. Nicht alleine, die Mannschaft ist ausschlaggebend, aber was sie für ihr Team ablieferte, war phänomenal. Dabei war man sich vor dem olympischen Turnier über die Qualität der Gegnerinnen unsicher, besonders über die gemeinsame Mannschaft aus Südkorea und Nordkorea. Was würde deren kanadische Trainerin Sarah Murray hervorzaubern? Immerhin musste diese 14 nordkoreanische Spielerinnen integrieren. Im Nachhinein musste man feststellen, dass das Team Korea die Umstellung nicht in so kurzer Zeit meistern konnte. Die Schweiz, die zu den besten Teams Europas gehört, war hochüberlegen, gewann problemlos 8:0 (3:0, 3:0, 2:0).

Die 19-jährige Alina Müller aus Lengnau, die vor der letzten Saison von der U17 des EHC Kloten zu den ZSC Lions Frauen wechselte und dort mit 57 Punkten in 17 Spielen wie die berühmte Bombe einschlug und im nächsten Jahr in den USA bei der Northeastern Uni in Boston spielen wird, kassierte die Koreanerinnen im Alleingang ab. Die ersten vier Tore gingen alle auf ihr Konto und nach einer kleinen Pause, die Tore fünf und sechs erzielte Phoebe Staenz (SDE HF/Schweden), war Alina Müller an den Toren zum 7:0 und 8:0 durch Lara Stalder (Linköping HC/Schweden) beteiligt.

Florence Schelling gilt als weltbeste Keeperin

Sie kommt nicht aus Kanada oder den USA. Auch nicht aus Russland, Finnland oder Schweden. Nein, die vermutlich weltbeste Torhüterin wurde in Zürich geboren. Im Schatten ihres Bruders Philippe, augenblicklich Stammverteidiger beim NL-Club HC Lausanne, kam sie bereits als 13-Jährige zu Nationalmannschaftsehren. Damit man sich richtig versteht. Die Rede ist nicht von der Jugend- oder Juniorennationalmannschaft, sondern vom Erwachsenenteam. Bereits mit 18 Jahren ging sie zur Northeastern Uni nach Boston und perfektionierte dort ihr Spiel. 2013 kam sie zurück in die Schweiz zum EHC Bülach und seit drei Jahren spielt in Schweden bei Linköping HC. Florence Schelling gilt als perfekte Stilistin mit sehr eleganten Bewegungsabläufen. Sie spielt äußerst ruhig, lässt fast keine Abpraller zu. Dazu ist sie blitzschnell, fast schon eine Mischung der bekannten Schweizer Keeper Martin Gerber und Leonardo Genoni. Im aktuellen Olympia-Turnier führt Schelling die Goalie-Liste an mit einer phänomenalen Fangquote von 97,5 Prozent. Seit Schelling im Tor steht, hat das Schweizer Fraueneishockey einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. 2006 erstmals qualifiziert für die Olympischen Spiele, seitdem immer dabei. 2014 holte die Schweiz sogar Bronze, der bisher größte Erfolg. Fachleute in der Schweiz argumentieren, dass die Frauen den Männern etwas vormachen, denn sie gewinnen, mit Schellings Hilfe, die wichtigen Spiele wie beim 4:3-Bronzeerfolg von Sotschi. Würde ein Leistungsträger wie Florence Schelling im Tor der Schweizer Herren stehen, dann wäre für die Eidgenossen sicher einiges möglich.

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