Olympia-Wahnsinn: Deutschland schlägt Weltmeister Schweden!Svergen-Alarm: Patrick Reimer trifft in der Verlängerung zum Sieg, Freitag Halbfinale gegen Kanada

Die Jubeltraube nach der Sensation.   (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)Die Jubeltraube nach der Sensation. (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)
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Was für ein Wahnsinn! Ein Wunder. Ein Märchen. Deutschland steht bei Olympia im Halbfinale. Sieg gegen Schweden. Das DEB-Team kämpft die stolzen Tre Kronor mit 4:3 nach Verlängerung nieder. Sensationell! Svergenaufstand in Pyeongchang! Held des Abends war Patrick Reimer, der nach 90 Sekunden in der Verlängerung nach einem unglaublichen Sololauf den Puck ins Tor stocherte und die favorisierten Skandinavier mitten ins Herz traf. Schwarz-Rot-Goldene Party im Kwangdong Hockey Centre.

Doch das Drama wurde auf die Spitze getrieben. Die Schiedsrichter gingen zum Video-Beweis. Das darf doch nicht wahr sein! Was für ein Nervenspiel. Zittern. Sekunden, die zu Stunden wurden. Dann die Erlösung. „Good Goal“, da brachen alle Dämme. Das! Tor! Zählt! Jaaaaaaaaa! Die Helden fielen sich überglücklich in die Arme. Die Revanche für das unglückliche 0:1 aus der Vorrunde war perfekt.

Im Halbfinale geht es am Freitag (13.10 Uhr/live in der ARD im TV und im Livestream) gegen Kanada, das 1:0 gegen Finnland gewann. Jungs, das war ein historischer Triumph. Es geht um die erste olympische Medaille seit 42 Jahren. 1976 landete die legendäre Mannschaft des damaligen Bundestrainers Xaver Unsinn um Lenz Funk und Erich Kühnhackl in der Finalrunde auf dem dritten Platz und gewann so Bronze.    

Es war ein Spiel, das an Dramatik nicht zu überbieten war. 2:0. 3:1. 3:3. 4:3! Der Krimi im Zeitraffer. In den ersten 10 Minuten macht Schweden Dampf. Angriff auf Angriff rollte auf das deutsche Tor, das vom überragenden Danny aus den Birken gehütet wurde. „Wir haben die ersten zehn Minuten überstanden. Das war nicht der Start, den wir uns gewünscht haben. Dann haben wir aber ins Spiel gefunden“, gab Christian Ehrhoff zu. Der ehemalige NHL-Star und heutige Kölner schlug selber zu – 1:0 (14.). Marcel Noebels von den Eisbären Berlin erhöhte auf 2:0 (15.). Ein Doppelschlag wie mit Thors Hammer, der die Wikinger lange erschütterte. Bis zum Anschlusstreffer von Anton Lander (47.). Der Münchner Dominik Kahun erhöhte auf 3:1 für das DEB-Team (49.). Das muss doch reichen. Reichte nicht. Patrik Hersley (50.) und Mikael Wikstrand (52.) trafen für den zweimaligen Olympiasieger. Verlängerung. Die dauerte 90 Sekunden, bis Reimer das Unmögliche möglich machte.


Ausgerechnet Reimer, der in den letzten beiden Spielen mit einer Unterkörperverletzung fehlte. „Ich war heiß, wollte unbedingt spielen. Es hätte ja mein letztes Spiel bei Olympia sein können. Zum Glück geht der Weg weiter. Und ist noch nicht zu Ende. Wir haben die Möglichkeit, um eine Medaille zu spielen. Unser Zusammenhalt ist unglaublich. Wir kämpfen um jeden Zentimeter“, strahlte der Nürnberger.  Sah Kapitän Marcel Goc genauso: „Wir haben nicht locker gelassen und an uns geglaubt.“ Bundestrainer Marco Sturm war stolz auf seine Mannschaft. „Unglaublich. Man hat immer davon geträumt. Und jetzt ist es Wirklichkeit. Einzigartig. Die Jungs halten sich immer an die Strukturen. Früher haben wir oft in einem Viertelfinale nicht an uns geglaubt und standen am Ende mit leeren Händen da. Das ist jetzt anders. Jetzt ist der Glaube unserer Logo.“ Vor Rekord-Olympiasieger Kanada hat der deutschen NHL-Rekordspieler Respekt - aber keine Angst: „Sie haben eine Top-Mannschaft. Aber wir werden uns gut erholen.“ Reimer gibt die Parole vor: „Mit diesen Jungs habe ich gar keine Angst, dass wir schlecht aussehen.“ Richtig so. Am Freitag sind wir alle Eishockey! In dieser Form ist unseren Helden alles zuzutrauen.

Die anderen Spiele:

Tschechien hat Mitfavorit USA mit 3:2 (1:1, 1:1, 0:0) nach Penaltyschießen rausgeworfen. Zunächst hatten  Jan Kolar (16.) und Tomas Kundratek (29.) für die Tschechen sowie Ryan Donato (7.) und Jim Slater (31.) in Unterzahl für die USA getroffen. In der zehnminütigen Verlängerung fiel kein Tor. Im Penaltschießen hielt der   tschechische Torhüter Pavel Francouz alle fünf Penaltys der USA. „Es war unser Traum, im Wettbewerb weit zu kommen. Ich hoffe, das ist jetzt noch nicht das Ende“, jubelte der Held. Den entscheidenden Penalty verwandelte Petr Koukal.

Michail Grigorenko (9.), Nikita Gussew (14.), Wjatscheslaw Wojnow (20.), Sergej Kalinin (29.), Nikita Nesterow (34.) und Iwan Telegin (54.) ließen Norwegen nicht den Hauch einer Chance. Die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) siegten mit 6:1 (3:0, 2:1, 1:0).

Das Spiel der Kanadier gegen Finnland bot nicht allergrößte Eishockey-Kunst. In einem von beiden Seiten stark defensiv geprägten Spiel sorgte Maxim Noreau vom SC Bern für den Treffer des Tages (41.).

Halbfinale:

Tschechien – OAR (8.40 Uhr)

Deutschland - Kanada (13:10 Uhr)

Hier könnt ihr eure Olympia-Helden live sehen

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