Marco Sturm: Von einem Highlight zum nächsten

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Auf dieses Erlebnis musste Marco Sturm zwölf Jahre lang warten. Eishockey unter freiem Himmel vor 40.000 Zuschauern, umjubelter Torschütze in der Verlängerung – das Winter Classic am Neujahrstag im Baseballstadion Fenway Park war für den deutschen Nationalspieler der Boston Bruins der Höhepunkt einer beeindruckenden NHL-Karriere. “Das war einfach sensationell“, sagt der 31-Jährige, der seit 1997 in der stärksten Eishockey-Liga der Welt spielt.

Sein Tor nach 117 Sekunden in der Overtime gegen die Philadelphia Flyers war die Krönung einer einmaligen Erfahrung. „So was gibt's einmal und nie wieder“, sagt Sturm, der schon den Tag vor dem vierten Freiluftspiel in der NHL-Geschichte genoss: „Wir haben im Schnee trainiert, die Kinder durften mit aufs Eis.“ Sohn Mason (6) und Tochter Kaydie (3) hatten ihren Spaß am Arbeitsplatz ihres Vaters, „es war perfekt“, sagt Sturm.

Das nächste außergewöhnliche Eishockey-Erlebnis folgt für den gebürtigen Dingolfinger nur sechs Wochen später – Olympia in Kanada. „Vancouver ist eine der schönsten Städte der Welt, hier ist Eishockey absolut die Nummer eins“, sagt Sturm voller Vorfreude auf seine dritten Olympischen Spiele nach 1998 und 2002.

Der deutschen Mannschaft traut der Routinier mit über 800 NHL-Spielen auf dem Buckel mehr zu als 2006 in Turin, als er und Jochen Hecht verletzt fehlten und am Ende nur Platz zehn ohne einen einzigen Sieg heraussprang. „Alle Spieler sind reifer geworden, es sind mehr NHL-Profis dabei“, sagt der Außenstürmer: „Ich glaube schon, dass wir besser abschneiden als vor vier Jahren.“

Olympia ist für Sturm auch eine willkommene Abwechslung vom NHL-Alltag, der gar nicht erfreulich ist. Von Niederlage zu Niederlage schlitterten die Bruins, die nach dem Winter Classic völlig aus dem Tritt gerieten und die längste Pleitenserie der Klubgeschichte seit Januar 1925 hinlegten. „Wir sind am Tiefpunkt, es wird Zeit, dass wir da rauskommen“, sagt Sturm.

Sogar die Teilnahme an den Play-offs um den Stanley Cup, die angesichts der hohen Erwartungen in Boston als absolutes Minimum gilt, ist in Gefahr. Und so könnte der 50-malige Nationalspieler zu einem weiteren besonderen Karriere-Highlight kommen – einem Weltrekordspiel vor 77.000 Zuschauern.

Das Eröffnungsspiel der IIHF WM 2010 auf Schalke gegen die USA am 7. Mai könnte für Sturm im Fall der Fälle mehr als ein Trost für geplatzte Stanley-Cup-Träume sein. „Das wird bestimmt eine tolle Sache“, sagt der ehemalige Ingolstädter, der zuletzt bei der WM 2008 für den DEB spielte, „das kann man durchaus mit dem Winter Classic vergleichen.“

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