Gesamtkoreanisches Team beim olympischen Eishockey-Turnier der FrauenHistorische Entscheidung

Die nordkoreanischen Spielerinnen wurden von ihren künftigen Teamkameradinnen aus dem Süden mit Blumen empfangen. (Foto: dpa)Die nordkoreanischen Spielerinnen wurden von ihren künftigen Teamkameradinnen aus dem Süden mit Blumen empfangen. (Foto: dpa)
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Denn inzwischen hat die nordkoreanische Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft die innerkoreanische Grenze überschritten und hat sich auf den Weg nach Gangneung gemacht, wo die Eishockey-Turniere der Herren und Frauen stattfinden werden. Allerdings: Nordkorea ist gar nicht qualifiziert. Der Hintergrund: Bei den Frauen bildet das als Ausrichter qualifizierte Südkorea mit dem Norden ein vereintes koreanisches Team, das unter einer Flagge auflaufen wird, die das gesamte Korea in blau auf weißem Grund zeigen wird. Sogar das offizielle olympische Kürzel für dieses Team wurde von KOR auf COR geändert, um es von den rein südkoreanischen Teams anderer Sportarten zu unterscheiden. Erst zum dritten Mal nach der Junioren-Fußball-Weltmeisterschaft 1991 und der Tischtennis-Weltmeisterschaft 1991 wird es ein gemeinsames koreanisches Team geben.

Und das ist bemerkenswert genug, da die politischen Differenzen zwischen beiden koreanischen Staaten nach wie vor immens sind und oft genug von Kriegsdrohungen begleitet werden. Vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gelang allerdings eine Annäherung, die dafür sorgt, dass beide Koreas bei der Eröffnungsfeier – wie schon bei den Sommerspielen 2000 und 2004 – gemeinsam einlaufen werden. Die weibliche Eishockey-Mannschaft ist allerdings das einzig wirklich vereinte Team.  

Sportlich macht es Sinn, denn anders als bei den Männern ist der Leistungsunterschied bei den Eishockey-Frauen aus Südkorea und Nordkorea nicht wirklich groß. In der Frauen-Weltrangliste steht der Süden, der in der WM-Division 1B spielt, auf Rang 22 und damit nur drei Plätze vor dem Norden, der in der nächsttieferen WM-Division 2A zu finden ist. Bei den Herren sieht das ganz anders aus. In der zurückliegenden Saison ist Südkorea erstmals überhaupt in die WM-Top-Division ausgestiegen, während Nordkorea nur in der Division 2B zu finden ist. In der Männer-Weltrangliste steht der Süden auf Rang 21, der Norden nur auf 39 – hinter Nationen wie Mexiko und Neuseeland.

Für dieses außergewöhnliche koreanische Team beim olympischen Frauen-Eishockey-Turnier wurde eine Sonderregel erlassen. Den 23 Spielerinnen des Südens werden sich zwölf aus dem Norden anschließen, sodass das gesamtkoreanische Team insgesamt 35 Spielerinnen, und damit mehr als die übrigen Teilnehmer, zur Verfügung hat. Natürlich dürfen – wie bei jedem Eishockeyspiel – nur 22 Spielerinnen auf dem Spielberichtsbogen stehen. Pro Spiel, darauf haben sich beide Eishockey-Verbände geeinigt, werden mindestens drei nordkoreanische Spielerinnen dabei sein.

Zunächst werden beide Teile des gemeinsamen Teams unter sich trainieren, ehe sie in der kommenden Woche zu einer Mannschaft vereint werden. Am 4. Februar wird „Gesamtkorea“ ein Testspiel gegen Schweden bestreiten, ehe das Turnier für dieses Team am 10. Februar mit dem Spiel gegen die Schweiz beginnt.

Anders als in Sotschi haben sich die deutschen Eishockey-Frauen nicht für Pyeongchang qualifizieren können. Die deutschen Männer starten am 15. Februar gegen Finnland ins olympische Eishockey-Turnier, nachdem sie vor vier Jahren zuschauen mussten.

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