Zweitligist HC Ajoie beerbt den EV Zug und wird Schweizer Pokalsieger7:3 im Finale gegen den HC Davos

Jubel beim HC Ajoie: Der Zweitligist ist Schweizer Pokalsieger. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Jubel beim HC Ajoie: Der Zweitligist ist Schweizer Pokalsieger. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Am Ende hätte Freiburg gewonnen und für eine Überraschung gesorgt. Es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass so eine Konstellation in diesem Land nicht möglich ist, weil es zwischen DEL2 und DEL sportlich zu große Differenzen gibt, aber in der Schweiz scheint so etwas möglich zu sein.

Der augenblickliche Tabellenzweite der Swiss League, der HC Ajoie, traf im Finale des Cups auf den HC Davos und gewann mit 7:3. Die Graubündner waren hohe Favoriten, liegen sie doch zurzeit in der National League auf Platz vier, können bei drei Nachholspielen sogar noch dem Topteam aus Zug auf den Pelz rücken. Ajoie dagegen lebt hauptsächlich von den Künsten zweier Kanadier, über die noch zu berichten sein wird und musste im Pokal nach drei Überraschungen, vom Ligenverband die Nachricht hinnehmen, dass man zwar für das Finale eigentlich Heimrecht hätte, das Stadion aber nicht die geforderte Qualität bieten würde. Nach langen Überlegungen wurde schließlich Lausanne als Austragungsort gefunden.

Ajoie begann den Cupwettbewerb im September mit einem 8:2 in Wiki-Münsingen, Davos gewann 12:0 in Saastal. Im Achtelfinale dann die erste Überraschung. Ajoie schlug die hochgehandelten Lausanner mit 4:3, Davos setzte sich gegen Lugano 2:1 durch. Im Viertelfinale jagte Ajoie den ehemaligen Weltpokalsieger Züricher SC mit einem 6:3 aus dem eigenen Stadion, Davos besiegte den amtierenden Meister aus Bern mit 4:3. Im Halbfinale schließlich setzte sich Ajoie auch noch gegen das eigene Partnerteam aus der NL, dem ambitionierten EHC Biel mit 4:3 durch, während Davos beim Pokalspezialisten aus Rapperswil mit 4:1 gewann.

Jetzt schien der Weg für Davos frei, aber der HCD hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und dieser Wirt lebt, wir schrieben es bereits, von zwei Kanadiern, die, seit Jahren trotz nahezu unglaublicher Zahlen immer noch in Ajoie spielen, weil die kritischen Sportmanager in der NL ihnen das Niveau der höchsten Liga nicht zutrauen. Zum einen ist dies Philip-Michael Devos. Der Frankokanadier, 29jährig wurde tatsächlich nicht gedraftet, hatte später in der AHL (Norfolk, Syracuse) ordentliche Zahlen zu bieten und wechselte 2014 nach Europa, wo er erst für Pustertal (Italien) und ab 2015 für Ajoie antrat. Seitdem holte er für seinen Verein in 271 Spielen 475 Punkte. Sein kongenialer Zwilling hört auf den Namen Jonathan Hazen. Auch er, Frankokanadier und nicht gedraftet, beschritt einen fast identischen Lebensweg. Von der QMJHL (Quebec Major Junior Hockey League) ging es über die AHL (San Antonio), ECHL (Cincinnati) und Italien (Eppan) nach Ajoie, wo er in 249 Spielen 419 Punkte holte.

Diese beiden plus eine nie gekannte Euphorie zwangen den HC Davos vor mit 9284 Zuschauern ausverkauftem Stadion in Lausanne in die Knie und sorgten bereits zum dritten Mal dafür, dass ein unterklassiges Team am Ende den Pott holte. Die ersten waren Servette Genf 1959, danach folgte vor zwei Jahren Rapperswil-Jona 2018 und nun Ajoie, das eventuell seine Saisonziele jetzt neu definieren wird.

Herausragend in diesem Spiel dabei das Powerplay der Jurassier, wie die Bewohner des Kantons Jura genannt werden. Nachdem der Ajoie-Stürmer Pierric Pouilly sich die erste Finalstrafe abholte, mussten vier Davos-Stürmer hintereinander auf die berühmte Bank und alle vier Chancen wurden von Ajoie genutzt. Nacheinander trafen Matthias Joggi (9., 30.), Reto Schmutz (11.), Alain Birbaum (22.) zum Zwischenstand 4:0. Danach begann Davos mit der Aufholjagd. Nur 35 Sekunden nach dem vierten Gegentor gelang Luca Hischier das 1:4. In der 40. Minute bediente Samuel Guerra den schwedischen Stürmer des HCD Mattias Tedenby und es stand nur noch 2:4 und als in der 50. Minute Marc Wieser mit dem 3:4 den Anschluss schaffte, da schien der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit. Davos hatte gemerkt, dass man sich am heutigen Abend kein Unterzahlspiel leisten kann, hatte sich nach dem 0:4 brav verhalten und ausgerechnet jetzt leistete sich Tedenby einen Stockschlag. Prompt schlug es hinter HCD-Keeper Sandro Aeschlimann ein. Thibault Frossard (53.) erzielte das 5:3, Philip-Michael Devos traf zum 6:3 und Reto Schmutz traf durch einen Empty-Netter zum Endstand 7:3.

Danach hob das Stadiondach in Lausanne fast ab und Ajoie feierte seinen Pokalgewinn, zumal auch Keeper Tim Wolf zum besten Spieler seines Teams gewählt wurde.

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