Servette Genf und der HC Lausanne sind bereit für den ganz großen WurfSaisonstart in der National League

Der deutsche Nationalspieler Justin Krueger wechselte vom letzten Meister SC Bern zum HC Lausanne. (picture alliance/KEYSTONE | JEAN-CHRISTOPHE BOTT)Der deutsche Nationalspieler Justin Krueger wechselte vom letzten Meister SC Bern zum HC Lausanne. (picture alliance/KEYSTONE | JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
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Servette Genf: Der erste Meister nach "Corona"?

Vor einem Jahr hat Servette mit Patrick Emond einen alten, neuen Trainer vorgestellt. Alt, weil er für den Nachwuchsbereich von Servette seit 1997 zuständig war, neu, weil er erstmals im Erwachsenenbereich tätig wurde. Er wurde deswegen durchaus kritisch beäugt. Ein Jahr später ist sein Ziel das Finale um die Meisterschaft – und viele trauen es ihm auch zu. Neben seiner persönlichen Kompetenz wurde auch das Team in allen Bereichen intelligent verbessert, so dass mit Genf zu rechnen ist.

Tor: Das Ambri-Duo ist wieder zusammen. Zu Stammkeeper Gautier Descloux gesellte sich nach dem Abgang von Robert Mayer Daniel Manzato. Manzato brillierte zuletzt bei Ambri mit 92 Prozent Fangquote in der Meisterschaft, beim Spengler-Cup sogar mit 94 Prozent.

Verteidigung: Hier wurde der Grundstein bereits vor einem Jahr gelegt. Heimkehrer Simon leCoultre kam aus Moncton (QMJHL) zurück und scorte sofort 19mal und auch Roger Karrer zeigte, dass er Tore schießen kann, nachdem es zuvor in fünf ZSC-Jahren nicht klappte. Dazu hat Servette mit Henrik Tömmerness vermutlich den besten ausländischen Verteidiger unter Vertrag.

Sturm: Zwar gingen gleich sieben Spieler, aber da Servette zweimal in Folge Schweizer Juniorenmeister wurde, drängen – auch dank Emond – genug starke Talente nach. Trotzdem war Servette auf dem Transfermarkt wach: Als Joel Vermin und Tyler Moy vom HC Lausanne zu bekommen waren, schlugen sie sofort zu. Ein weiterer Vorteil sind die starken Ausländer. Neben Tömmerness sind Eric Fehr und Daniel Winnik immer für Tore gut – und jetzt hat noch Linus Omark - 2012 schon mal in Zug, danach in Schweden, Finnland und beim KHL-Club Ufa aktiv – in Genf unterschrieben.

Aktuell: Nach fünf Spielen auf Platz fünf. Man könnte zufrieden sein, aber das Team zeigt sich noch sehr inkonstant. Davos (5:2) und Langnau (8:1) werden abgeschossen, dazwischen gibt es ein 2:3 zuhause gegen Ambri. Beim ZSC gewinnt Genf 5:4, um in Rapperswil 1:2 zu unterliegen.

  

Fazit: Genf hat die Qualität für höchstes Niveau. Wenn diese Stärken kontinuierlich auf das Eis gebracht werden, ist Servette ein Finalkandidat.

HC Lausanne: Die Mannschaft ist am Zug

Trotz ausgefallender Playoffs ging es in Lausanne heiß her. Nachdem im letzten Jahr eine neue, schmucke Halle eröffnet wurde, wechselte nun der Besitzer. Eine Gruppe um den früheren NHL-Star Petr Svoboda (über 1.000 Spiele) kam ans Ruder und führte, erstmal nur für sich, Spielertrades ein. Der fröhliche Tausch gegen Spieler oder Rechte war neu in der Schweiz und man wird sehen, ob sich diese Art des Transfers dort etabliert. Der HCL wurde jedenfalls clever aufgewertet - und nicht wenige Experten erwarten die Waadtländer ganz weit vorne.

Tor: Auch mit 36 Jahren national immer noch Spitze: Tobias Stephan brillierte zuletzt mit einer Fangquote von fast 93 Prozent. Dahinter steht mit Luca Boltshauser ein starker Back-up, der Stephan mittelfristig beerben könnte.

Verteidigung: Vier Verteidiger gingen, darunter Petteri Lindbohm, vier kamen. Wichtigste Akteure hierbei sind Mark Barberio, 281 Spiele in der NHL, zuletzt in Colorado, und der deutsche Ex-Nationalspieler Justin Krueger, der eigentlich gerne in Bern geblieben wäre.

Neuzugang Aurelien Marti schrieb bei seinem Wechsel Geschichte, denn er wurde vom HC Lugano angeheuert, unterschrieb aber schon einen Vorvertrag für die Saison 2021/22 in Lausanne. Weil Lugano aber das Prozedere des Spielers als „No Go“ betrachtete, wurde er gleich weiter nach Lausanne getradet.

Sturm: Hier war der Umbruch noch ärger. Sieben Akteure gingen, acht kamen. Sicherlich nicht unwichtig dabei die Abgänge von Tim Traber, Tyler Moy und Joel Vermin. Dafür kam ein Schweizer-französischer Dreifachpack in Form von Tim Bozon, Guillaume Maillard und Floran Douay. Die drei brachten die dringend benötigte qualitative Kadertiefe – und dann kann Coach Craig MacTavish auch noch auf das Jahrhunderttalent Petr Cajka zurückgreifen. Der 19jährige wurde jedoch zunächst an die Ticino Rockets nach Biasca (Swiss League) abgegeben. Und Lausanne verstärkte sich noch einmal. Charles Hudon kommt vom AHL-Verein Laval Rockets, wo er in der letzten Saison in 46 Spielen 35 Punkte sammelte.

Aktuell: Auf Platz zwei nach sechs Runden mit ausgeglichenem Torverhältnis. Diese Merkwürdigkeit stammt aus dem Spiel in Biel, wo der LHC mit 0:6 unterging. Ansonsten zeigt sich das Team bereits jetzt gefestigt, überzeugte beim 4:3 in Bern und dem 3:0 in Zug.

Fazit: Lausanne hat vermutlich noch nicht die Stärke für die Meisterschaft, aber bei einem optimalen Saisonverlauf ist das Halbfinale drin.

Saisonstart nach Corona-Vorgaben und mit neuem Modus

Eishockey auf dem höchsten Niveau ist zurück in der Schweiz. Bis zur Normalität ist es aber noch ein weiter Weg. Zwei Maßnahmen zeigen deutlich, dass über dem Ganzen das Damoklesschwert mit der Corona-Klinge schwebt: Zum einen wird nur, nach Kantonalvorgaben, ein gewisser Teil der gewohnten Zuschaueranzahl in die Stadien gelassen, daneben sind keine Gästefans zugelassen und auch dem Alkohol darf nur vor dem Stadion gefrönt werden. Und in dieser Saison kann zwar ein Team aus der Swiss League, bei verifizierten finanziellen Möglichkeiten, aufsteigen, aber kein Erstligist muss Angst haben, in der nächsten Saison im Unterhaus spielen zu müssen.

Auch die Play-Offs wurden umgestaltet und werden zu einem großen Teil ähnlich gespielt wie vielen anderen Ländern, unter anderem auch Deutschland. In der Vorrunde werden zunächst zwei Doppelrunden mit jeweils 22 Partien (44 Spiele in der Hauptrunde) durchgeführt. Dazu kommen, eingestreut in die Vorrunde, sechs weitere Spiele gegen Vereine, die in regionaler Nähe liegen. Nach der Vorrunde haben die beiden Teams auf den Plätzen elf und zwölf Sommerpause, während die Teams der Plätze sieben bis zehn eine Pre-Play-Off-Runde im Best-of-three-Modus spielen. Ab dem Viertelfinale werden die Play-Offs wie gewohnt im Best-of-seven-Modus durchgeführt.


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