Sensation in der Schweiz: Rapperswil-Jona Lakers holen den CupErster Zweitliga-Gewinner seit 1959

Jubel über die Pokal-Sensation: Zweitligist Rapperswil-Jona Lakers gewinnt den Cup in der Schweiz. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Jubel über die Pokal-Sensation: Zweitligist Rapperswil-Jona Lakers gewinnt den Cup in der Schweiz. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Die Erste fand von 1957 bis 1966 statt mit den Siegern HC Neuchatel (3), Zürcher SC (2), Servette Genf, HC Ambri-Piotta, EHC Visp, SC Bern und Grashoppers Zürich. Die zweite Periode dauerte nur eine Saison. 1972 ging der Pokal nach Genf zu Servette. Und die dritte bis heute anhaltende Zeitrechnung begann 2015. Nacheinander holten der SC Bern, die Zürcher SC Lions sowie der EHC Kloten und nun die SC Rapperswil-Jona Lakers den Pokal.

6100 Fans, davon 5100 Einheimische, waren begeistert. Der überlegene Tabellenführer der Swiss League, die Rapperswil-Jona Lakers besiegte, in der Höhe sensationell, den NL-Club HC Davos mit 7:2 (2:1, 3:1, 2:0) und gewann somit völlig verdient die Trophäe.

Der Weg ins Finale

Dabei war der Start in den Pokal für den neuen Sieger völlig unspektakulär abgelaufen. Beim Ligakonkurrenten EHC Winterthur hatte es in der Qualifikation vor knapp 1100 Zuschauern ein mühevolles 2:0 (0:0, 0:0, 2:0) gegeben. Im Achtelfinale setzten die Lakers bereits das erste echte Ausrufezeichen, als der stark eingeschätzte HC Lugano mit 3:0 (0:0, 3:0, 0:0) vor immerhin schon 4325 Zuschauern besiegt werden konnte. Zwei Spiele ohne Gegentor im Pokal, das hatte bis dahin noch kein Zweitligist geschafft. Im Viertelfinale wartete mit dem EV Zug bereits der zweite Geheimfavorit auf den nationalen Meistertitel und auch dieser wurde von Rapperswil an die Wand gespielt. Beim 5:1 (3:0, 1:0, 1:1) vor 4820 Zuschauern hatte der Erstligist keine Chance und konnte froh sein, nicht zweistellig untergegangen zu sein. Im Halbfinale wartete ausnahmsweise kein NL-Club, sondern ein weiterer Konkurrent aus der eigenen Liga, der HC Ajoie. Jetzt war die Halle erstmals ausverkauft und die Fans peitschten die eigene Vertretung mit einem verdienten 4:0 (1:0, 2:0, 1:0) ins Finale.

Rekordmeister HC Davos war über ein 10:2 (5:0, 3:2, 2:0) beim EHC Dübendorf, einem 4:2 (0:2, 2:0, 2:0) beim EHC Visp, einem 4:1 (0:1, 2:0, 2:0) gegen Servette Genf und einem 4:2 (3:1, 0:1, 1:0) beim EHC Biel in das Finale gekommen.

Ungeliebtes Kind des Schweizer Eishockeys

Der Cup war bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich das ungeliebte Kind des Schweizer Eishockeys. Vor allem die Erstligisten machten mit, weil sie es mit auf den Weg gebracht hatten, aber die meisten Teams hatten Angst, dass sie ihre kostbaren Leistungsträger überforderten. Aus diesem Grund setzten viele Trainer auf ihre zweite Garde plus talentierten Juniorenspielern. Da machte Davos keine Ausnahme. Trainer Arno del Curto kritisierte dann auch schon vor dem Halbfinale, dass er eventuell in Biel mit einer verstärkten zweiten Mannschaft antreten werde und eine Niederlage in Kauf genommen würde. Hauptsache, in der Meisterschaft sind alle fit. Am Ende stand ein 4:2, erzielt mit der stärksten Vertretung und das Erreichen des Finales.

In Rapperswil-Jona dagegen grassiert seit dem Erreichen des Viertelfinales das Pokalfieber. Laut Management hätte man problemlos Tickets im vorderen fünfstelligen Bereich verkaufen können, aber leider passen in die Halle nur die besagten 6100 Zuschauer. Ein weiterer Gewinner des Abends war die Schweizer Krebsliga. Von jedem Ticket ging ein Franken an die Hilfsorganisation und am Ende standen, inklusive gekoppelter Sponsorenbeträge, 44.481 Franken.

So lief das Spiel

Das Finale begann furios. Die Lakers, ohne Angst vor dem Favorit in die Partie gegangen, starteten mit extremem Tempo, setzten den HCD unter Druck und gingen bereits nach drei Minuten in Führung. Der 35-jährige Kanadier Jared Aulin (NHL-Erfahrung in Los Angeles) traf mit einem Handgelenkschuss zur 1:0-Führung. Nur mühevoll konnten sich die Davoser vom Druck befreien, zeigten aber eine beeindruckende Effizienz, als der Amerikaner Broc Little in der elften Minute im Powerplay ausglich. In der Folgezeit war das Spiel verteilt, keine der Mannschaften war der anderen überlegen. 90 Sekunden vor Drittelende gingen dann die Lakers in Führung, als der zweite Kontingentspieler, der 29-jährige Dion Knelsen, freistehend vorm Tor von HCD-Keeper Senn von Aulin freigespielt wurde und selbst eiskalt den Davoser Keeper überwand.

Mit dem gleichen Engagement, wie das erste Drittel endete, ging es im zweiten weiter und nach etwa drei Spielminuten begann die Davoser Unglücksphase. Erst kabbelte sich Davos-Star Enzo Corvi mit Florian Schmuckli. Beide kassierten zwei Minuten, Corvi regte sich darüber extrem auf, erhielt zwei extra. Das nutzte Michael Hügli zum 3:1. HCD-Abwehrspieler Fabian Heldner reagiert wie zuvor Corvi und kassiert wegen unsportlichem Verhalten ebenfalls zwei Minuten und das rief den bereits zum 2:1 erfolgreichen Dion Knelsen auf den Plan, der das 4:1 erzielte. Das reichte wiederum HCD-Dompteur del Curto und er ersetzte den keineswegs sicheren Gilles Senn durch Joren Pottelberghe. Dessen erste Aktion war es, den Puck aus dem Netz zu holen, den kurz zuvor der Rechtsaußen des dritten Lakers-Blocks, Jan Mosimann in die Maschen befördert hatte. Es waren noch keine 30 Minuten gespielt und der eigentliche Außenseiter lag mit 5:1 vorn. Sollte Davos noch die Wende gelingen?

In der Tat versuchte der HCD alles. Arno del Curto nahm erst einmal eine Auszeit um seine Jungs wieder einzuschwören und die setzten den aufmüpfigen Zweitligisten auch schwer unter Druck. Die Defensive der Lakers arbeitete aufopfernd und hatte das Glück, hinter sich Melvin Nyffeler zu wissen. Der 23-Jährige zauberte er in bester Harry-Potter-Manier, ließ lediglich in der 36. Minute ein Gegentor von Nationalspieler Felicien du Bois zu. Die sichtlich müder werdenden Gäste mussten gegen die jetzt auf Konter spielenden Lakers natürlich die hinteren Räume öffnen und das wurde schließlich sogar noch eiskalt ausgenutzt. Der 29-jährige Kanadier Josh Primeau (Vater Kevin war 1994/95 Headcoach beim damaligen DEL-Club Preußen Berlin) erzielte das 6:2 und schließlich krönte Steve Mason, Kenner der deutschen Oberliga Nord werden ihn aus der Saison 2014/15 noch kennen, als er für Tilburg stürmte, seine Leistung mit dem 7:2 in der 56. Minute.

Die Stimmen zur Pokalüberraschung

Rapperswil-Coach Jeff Tomlinson: „Wir sind und waren im richtigen Moment da. Das hat uns ausgezeichnet. Es ist ein schöner Tag für den Verein aber das wirklich wichtige Ziel, nämlich der Aufstieg, kommt erst noch.“

Jan Mosimann (Rapperswil) über die Tore im ersten Drittel: „Diese Treffer waren extrem wichtig für uns. Schließlich waren wir in den ersten zwanzig Minuten nervös und mussten uns an das Tempo der Davoser gewöhnen.“

Steve Mason (Rapperswil) über die Stimmung im Stadion: „Die Fans haben eine unglaubliche Stimmung gemacht. Da ist uns ein zweites paar Beine gewachsen.“

Sven Lindemann (Rapperswil; 1013 NL(A)-Spiele,107 NL(B)-Spiele): „Das war ein unglaublicher Nachmittag. Das hat unserem Selbstvertrauen gut getan und jetzt können wir uns ganz dem Projekt Aufstieg widmen.“

Arno del Curto (Davos): „Wir hatten schon wieder sechs Partien in acht Tagen. Das ist nicht gesund. Für die Spieler ist es sogar gefährlich. Rapperswil hat wunderbar gespielt und verdient gewonnen. Ich kann ihnen nicht genug gratulieren. Aber unter normalen Umständen verlieren wir hier nicht 2:7.“

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