Schweiz: SC Bern steht nach Sieg in Davos vor dem HauptrundentitelAmbri schockt Zug – deutlicher Sieg für Lugano gegen

Die Spieler des HC Lugano jubeln. Der Lausanne HC schleicht von dannen. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Die Spieler des HC Lugano jubeln. Der Lausanne HC schleicht von dannen. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Während der SC Bern nach dem 3:1 beim ZSC auch in Davos gewann, wenn auch beim 4:3 relativ knapp, war der HC Lugano in absoluter Spiellaune. Die spielfreien Teams aus Zürich und Fribourg mussten miterleben, wie der Tabellenneunte den sechs Plätze besser postierten HC Lausanne in dessen Halle mit 7:0 auseinandernahm und sich Platz sieben krallte. Dieser Sieg und vor allem das Wie war eine Kampfansage an die Konkurrenz. Das verrückteste Ergebnis des Spieltages schaffte jedoch der HC Ambri-Piotta. Die Levantiner überrannten in der Anfangsphase der Begegnung in Zug den Tabellenzweiten und zehrten am Ende von dem Vorsprung. Ein 6:3 hatte beileibe niemand erwartet und damit konnte sich Ambri wieder fünf Punkte von Zürich und Fribourg absetzen.

EV Zug – HC Ambri-Piotta 3:6 (1:4, 2:1, 0:1)

Die Überraschung schlechthin und dabei sprachen die Zahlen vor der Begegnung eindeutig für die Innerschweizer. Von vier Begegnungen hatten die Zuger drei gewonnen und lediglich am 1. Februar in der Valascia mit 3:4 nach Verlängerung verloren. Schon dieses Ergebnis wurde als Überraschung gewertet, aber was sich am heutigen Dienstag in der Zuger Bossard-Arena vor 6895 Zuschauern abspielte, war Schweizer Eishockeygeschichte.

Bereits in der ersten Minute klatschte die Scheibe gegen die Latte von Zugs Keeper Tobias Stephan und dieser Treffer war erst der Auftakt. Zehn Sekunden später kam Fischer zum Schlagschuss und Dario Rohrbach fälschte die Scheibe zur Führung ab. Für den EVZ war das 0:1 ein Warnsignal aber sie nahmen es immer noch nicht ernst und dann wurde der Favorit gnadenlos abgestraft. In der fünften und sechsten Spielminute erhöhten Diego Kostner und Topscorer Dominik Kubalik, jeweils in Unterzahl, auf 3:0 für den HCAP. Dass es auch umgekehrt geht, bewies kurz darauf Matt d‘Agostini, als er in Überzahl mit einem Schlagschuss das 4:0 markierte. Wo war zu diesem Zeitpunkt der Tabellenzweite? Der musste erst einmal seine Wunden lecken, kam aber schon in der elften Minute durch Reto Suri zum 1:4. Im zweiten Drittel versuchte der EVZ zu drücken, bekam aber in der 30. Minute noch das 1:5 ab, als Elias Bianchi, wiederum in Überzahl, erfolgreich war. Unmittelbar danach erlaubte eine Unachtsamkeit von Ambri und ein Foul von Müller dem EVZ eine doppelte Überzahl, die Dennis Everberg (33.) zum 2:5 nutzte und als Zugs Diaz sich ebenfalls eine Strafe nahm, nutzte dies Reto Suri mit einem Shorthander zum 3:5 aus. Dabei blieb es bis zur 56. Minute. Dann nahm Zugs Trainer Tangness seinen Keeper Stephan bereits vom Eis, musste aber von den aufwändig kämpfenden Tessinern 12 Sekunden vor Schluss sogar noch das 3:6 durch Noele Trisconi hinnehmen.

HC Lausanne – HC Lugano 0:7 (0:3, 0:1, 0:3)

Die beiden Topvereine Zug und Bern lagen 16 Punkte entfernt, sind nicht mehr einholbar, aber mit einem Erfolg gegen den Play-down-Anwärter Lugano wollten die Lausanner ihren dritten Platz zementieren. 6700 Fans pilgerten in die Centre Sportif de Malley, um den Seig zu feiern, und wurden am Ende bitterlich enttäuscht. Die Bianconeri hatten nicht einfach nur Glück, sie waren deutlich besser, was auch schon am Ende das Schussverhältnis von 32:16 deutlich aussagt. Schon der Start hätte den LHC warnen müssen, denn bereits nach 106 Sekunden traf Raffaele Sannitz völlig frei zum 1:0. Mit einem etwas überraschenden Handgelenkschuss erzielte Luca Fazzini (9.) das 2:0, dem Maxim Laperriere (16.) das 3:0 folgen ließ, wobei die Leichtigkeit, wie die Tessiner durch die Abwehr des LHC spazierten, überraschte. Mit dem 4:0 von Topstar Gregory Hofmann (31.) war die Partie entschieden und nachdem von den Gastgebern keine Gegenwehr kam, beschlossen die HCL-Cracks in den letzten fünf Minuten, noch einmal das Tempo anzuziehen. Alessio Bertaggia (56.), Elia Riva (56.) und Jani Lajunen (59.) erhöhten schließlich auf 7:0 und entfachten ein heftiges Pfeifkonzert, das allenfalls den Gastgebern galt.

HC Davos – SC Bern 3:4 (1:2, 1:2, 1:0)

Auch wenn es mal wieder eine Heimniederlage für die Graubündner gab, am Ende konnten die 4283 Zuschauer immerhin mit der Leistung ihrer Mannschaft zufrieden sein. Die Davoser brachten den Meister ins Schwitzen, konnten ihn aber nicht bezwingen. Trotzdem: Diese Leistung gibt Mut für die Play-downs. Bereits beim Start zeigte sich die Abgeklärtheit des Favoriten, als Gregory Sciaroni (3.) den Puck an Davos Keeper Gilles Senn irgendwie über die Linie schmuggelte. Dass die Graubündner kampfeslustig waren, zeigte der Ausgleich. Im Powerplay erzielte Anton Rödin (8.) den Ausgleich mit einem Abstauber, nachdem sein Landsmann Nygren mit einem Slapshot an Nationalkeeper Genoni gescheitert war. Die Antwort des SCB kam prompt. Noch vor der ersten Pause traf Jeremie Kamerzin (20.) mit einem Onetimer zum 2:1. Frech dann der Ausgleich zum 2:2. Yannick Frehner beschenkte sich mit seinem vierten Saisontor zu seinem 21. Geburtstag am 21. Februar vorab selbst, als er in einen Berner Fehlpass spritze und in Unterzahl den aus seinem Kasten herauseilenden Genoni überwand. Cool das Berner 3:2 sechs Minuten später. Mark Arcobello (29.) überwand auch naher Entfernung Senn und als sich duBois wenige Sekunden später eine doppelte Strafe leistete, brauchte Gaetan Haas (31.) nur 18 Sekunden bis zum 4:2. Das frustete die Davoser und kurz danach gerieten Rödin (HCD) und Ruefenacht (SCB) in einen Infight, der beiden gesamt 30 Strafminuten brachte, am Ergebnis änderte sich nichts. Das passierte erst in der 52. Minute, als Luca Hischier, Bruder von Nico, Spieler bei den New Jersey Devils, mit seinem sechsten Saisontor im Powerplay auf 3:4 verkürzte. Dies war dann allerdings auch die letzte Schwäche der Berner vor dem Ende.