SC Bern und HC Lugano liegen mit 2:0 in FührungPlay-offs in der Schweizer National League

Robert Mayer, Torhüter von Servette Genf, stand oft im Mittelpunkt des Geschehens. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Robert Mayer, Torhüter von Servette Genf, stand oft im Mittelpunkt des Geschehens. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Ganz anders die Situation in Zürich und Zug. Die beiden „Z“-Teams schenkten sich nichts, wobei nach dem ersten Spiel in Zürich förmlich die Fetzen flogen und viele Experten meinten, dass der ZSC mit dieser Leistung im Viertelfinale nichts zu suchen habe. In der zweiten Partie zeigten dann die Züricher innerhalb von 60 Minuten, wie es gehen kann und wie man es eventuell auch nicht machen sollte. In der vierten Achtelfinalserie zwischen Biel und Davos war viel von angewandter Psychologie die Rede. Das wird vermutlich noch ein bisschen weitergehen, denn hier sind, wie auch zwischen Zug und Zürich, sieben Spiele möglich.

SC Bern – Servette Genf  2:0 (7:0, 5:2)

Selbstverständlich war das Spiel mit über 16.800 Zuschauern ausverkauft und wie selbstverständlich jagten die Berner die verunsicherten Genfer aus ihrer Arena. Luca Hischier, Bruder des Schweizer NHL-Stars Nico Hischier, jagte die Scheibe bereits nach 113 Sekunden nach einem Abwehrfehler der Genfer in die Maschen von Servettes Keeper Robert Mayer. Das brachte Servette völlig aus dem Konzept und in der achten Minute verlor Mayer, völlig ohne Bedrängnis, die Scheibe hinter seinem Tor an Haas, der an Mason weitergab, und dieser traf ins leere Tor zum 2:0. Danach erhöhte Simon Bodenmann (10., 20.) auf 4:0. Mit dieser Vorentscheidung war das Spiel gelaufen und die überlegenen Berner erhöhten kontinuierlich auf 7:0 nach Treffern von Mark Arcobello (28.), Ramon Untersander (32.) und Maxim Noreau (47.).

In Spiel zwei schien Servette durchaus mithalten zu können. Auch ihr Stadion Les Vernets war mit 6240 Zuschauern ausverkauft und der Jubel platzte fast aus dem Stadiondach, als der Schwede Johan Fransson 16 Sekunden nach dem 0:1 von Ebbett der Ausgleich glückte. Es war das erste Tor von Servette im Viertelfinale. Im zweiten Drittel hatte Servette zunächst Glück, als Berns Berger nur die Latte traf, aber dann brachte Haas den SCB mit einem Schuss unter die Latte wieder in Führung. Obwohl die Genfer im zweiten Drittel ein deutliches Plus an Schüssen hatten, verzweifelten sie an ihrer Schussungenauigkeit sowie an der starken Berner Defensive um den deutschen Nationalspieler Justin Krueger, der in dieser Partie nur in der dritten Reihe eingesetzt wurde. Der nach Visp ausgeliehene und zum Viertelfinale wieder zurückgeholte Yanik Buren markierte in der 52. Minute das Berner 3:1, dem sofort Simon Bodenmann (53.) das 4:1 folgen ließ. Zwar konnte Romain Loeffel (55.) Genf noch einmal auf 2:4 heranbringen, aber ein folgenschwerer Abwehrfehler beendete schließlich das Match mit dem 5:2 von Simon Bodenmann in der 56. Minute.

EV Zug – Zürcher SC Lions  1:1 (4:1, 4:5)

Natürlich war die Bossard-Arena in Zug mit 7200 Zuschauern ausverkauft. Interessant, die Stadt Zug hat nur knapp 30.000 Einwohner, also war, theoretisch, jeder fünfte im Stadion. Und diese Fans bekamen eine eindrucksvolle Leistung ihres EVZ  geboten, der den harmlosen Zürchern keine Chance ließ. Die Zuger, deren Kontingentspieler zu den Besten der Liga gezählt werden, können sich auf deren Künste verlassen. Viktor Stalberg war der erste, der traf. Nach sechs Minuten überwand er ZSC-Keeper Flueler per Rückhand zur Zuger Führung. Danach hatten die Zuger mehrere Überzahlspiele, konnten das 1:0 nicht ausbauen. Das machte im zweiten Drittel Nationalspieler Diaz (25.) und kurz darauf der zweite Schwede, Carl Klingberg (38.) mit dem 3:0. Ronalds Kenins (51.) traf zwar für den ZSC zum 1:3 aber der Amerikaner Garrett Roe (60.) beendete jede Diskussion mit dem 4:1.

In der Folge beschäftigten sich alle möglichen Fachleute über die Schwäche des ZSC und meinten, dass die Zürcher schnell die Meisterschaft abhaken könnten. Die Folge war, dass zum heutigen Spiel nur 9700 Fans ins Hallenstadion kamen und sie wurden zunächst von ihrem „Zätt“ positiv überrascht. Nach Toren von Fabrice Herzog (5.,31.), Ronalds Kenins (18.) und Patrick Geering (22.) führte der ZSC nach 30 Minuten bei einem Gegentor von David McIntyre (6.) mit 4:1. Im letzten Drittel ließ EVZ-Trainer Harold Kreis seine Löwen los und innerhalb einer Viertelstunde stand es 4:4. Lino Martschini (44.), Garrett Roe (46.) und David McIntyre (56.) hatten getroffen. Ein Glückstreffer schließlich von Frederik Pettersson (59.) entschied das Match für den ZSC.

EHC Biel – HC Davos  1:1 (2:5, 3:1)

Die Serie der Strategen. Auf der einen Seite der Meistermacher, Biels Trainer Antti Törmänen. Der Finne war jahrelang beim SC Bern und bei IFK Helsinki tätig und seine Rückkehr brachte eindeutig die Bieler nach vorne und auf der anderen Seite Kulttrainer und Fuchs Arno del Curto, dessen große Passion „Poker“ auf seine Eishockeytätigkeit eindeutig abfärbt.

Die erste Partie ging an den HCD, der nach dem fixen 0:2 (Bieler Tore von Mathias Joggi, 6. und Fabian Lüthi, 7.) sich sammelte und danach, vor allem im zweiten Drittel, Kontereishockey vom feinsten zelebrierte. Felicien du Bois (24.), Chris Egli (27.), Enzo Corvi (31.), Robert Kousal (45.) und Marc Wieser (48.) machten aus dem Rückstand ein 5:2 und hinterließen zunächst ratlose Gesichter beim gastgebenden EHCB.

Vielleicht war es der Werktag, vielleicht auch die klare 5:2-Sieg in Biel. Jedenfalls kamen nur noch 4830 Zuschauer in die Davoser Vaillant-Arena und sie sahen einen ganz anders auftretenden EHC Biel, als man sich vorgestellt hatte. Biels Trainer Törmänen hatte die Defensivschwächen seiner Mannen im Hinspiel erkannt und verstärkte somit diesen Mannschaftsteil, auch um seinen Ex-Nationalkeeper Hiller zu stärken und dieser plus seiner Kameraden zeigte ein defensives Glanzspiel. Die HCD-Offensive kam nicht so recht zum Zuge und am Ende stand ein glanzloser 3:1-Erfolg der Gäste nach Treffern von Benoit Jecker (8.), Philipp Wetzel (30.) und Beat Forster (60.) bei einem heimischen Tor von Broc Little (57.) in Überzahl.

HC Lugano – HC Fribourg-Gótteron  2:0 (6:2, 5:2)

Auch wenn es nicht ihre beste Serie ist, die Bianconeri haben mit Fribourg wenig Probleme. Dabei zeigte sich der HCF im ersten Spiel mehr als ebenbürtig, aber die Offensive scheiterte immer wieder an der Luganeser Abwehr und an Keeper Merzlikins, der an guten Tagen WM-Reife an den Tag legen kann. „Spieler des Tages“ in Partie eins war eindeutig Gregory Hofmann.  Der gebürtiger Bieler, 2011 von den Carolina Hurricanes gedraftet, erzielte mit drei Toren (7., 10.,14.) einen lupenreinen Hattrick, bevor Lorenz Kienzle den HCF auf 1:3 heranbrachte. Nach einer halben Stunde Torpause ging es dann im dritten Drittel weiter. Sebastien Reuille (48.), Matteo Romaneghi (54.) und Maxim Laperriere (56.) erhöhten auf 6:1, ehe Matthias Rossi (57.) mit dem 2:6 das letzte Tor des Tages erzielte.

Im zweiten Spiel zeigte sich dann die ganze spielerische Reife der Tessiner Gäste, die das Spiel prägten und den Gótterons letztendlich keine Chance ließen. Raffaele Sannitz (5.), Maxim Laperriere (19.,40.), Ryan Johnston (47.) und Stefan Ulmer (59.) trafen für die Bianconeri, Nathan Marchon (22.) und Michal Birner (50.) für die Fribourger vor immerhin mit 6300 Zuschauern ausverkauftem Haus.

Qualifikation

In der Qualifikation, die von den Mannschaften der Plätze neun bis twölf der regulären Saison bestritten werden, muss jedes Team sechsmal antreten, wobei die Punkte der Saison mitgenommen werden. Am Ende sind die Plätze neun und zehn gerettet mit der vorweggenommenen Sommerpause, während die Plätze elf und zwölf in einer Best-of-Seven-Serie den sportlichen Letzten ausspielen, der dann wiederum, ebenfalls in einer Best-of-Seven-Serie gegen den NLB-Meister antreten muss. Der Sieger darf sich auf die NL-Saison 2018/19 freuen, der Verlierer muss sich in den Niederungen der Swiss League regenerieren.

SC Langnau Tigers (70 Punkte)

Die Tigers gewannen das erste Spiel mit 5:4 gegen Lausanne, unterlagen in Kloten knapp mit 3:4. Rein rechnerisch benötigen sie noch aus vier Spielen drei Punkte für den Klassenerhalt. Das sollte problemlos möglich sein.

HC Lausanne (66 Punkte)

Nach der Niederlage in Langnau (4:5) musste das Spiel gegen den ärgsten Widersacher aus Ambri-Piotta unbedingt gewonnen werden. Es wurde eine Nervenschlacht, die am Ende mit 3:2 gut ausging. Lausanne benötigt aus vier Spielen sieben Punkte. Das kann machbar sein. Entscheidend wird das Rückspiel zwischen beiden Vertretungen in Ambri-Piotta, das am 22. März stattfindet.

HC Ambri-Piotta (60 Punkte)

3:1-Sieg gegen Kloten und dann, nach 20 Minuten, eine 2:0-Führung in Lausanne. Es sprach alles für den HCAP, aber dann kamen 20 schwache Minuten und das 2:3 war nicht aufholbar. Es folgen jetzt zwei Spiele gegen die schon gesicherten Langnauer und dann das Finale gegen Lausanne. Hart für Ambri, Kapitän Michael Fora fällt nach einem Check von Lausannes Danielsson aus, eventuell länger.

EHC Kloten (50 Punkte)

Die Qualifikationsrunde ist sportlich gelaufen. Nach dem 1:3 von Ambri stehen die Klotener als Teilnehmer der finalen Play-down-Runde fest. Man fragt sich nur, gegen wen. Lausanne oder Ambri-Piotta. Gegen Lausanne gab es in vier Spielen drei Punkte und 7:16 Tore, gegen Ambri-Piotta ein Punkt und 8:18 Tore. Zudem scheint Ambri im Augenblick in besserer Form.  Kein guter Ausblick für Kloten und man sollte sich insgeheim auf eine Serie gegen den ambitionierten, vermutlichen, Meister der Swiss-League, die SC Rapperswil-Jona Lakers einstellen.

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