Können die ZSC Lions die Meisterschaft verteidigen?Am Freitag startete die Schweizer NL in die Saison 2018/19

In der vergangenen Saison bejubelten die ZSC Lions die Meisterschaft in der Schweiz. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)In der vergangenen Saison bejubelten die ZSC Lions die Meisterschaft in der Schweiz. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Viel wird auch vom EV Zug, HC Lugano oder EHC Biel gesprochen und was ist mit Lausanne, das im Sommer auf dem Transfermarkt zuschlug. Wie schlägt sich der Kloten-Verjager Rapperswil-Jona in der höchsten Liga und kann Ambri mit seiner erfolgreichen Jugendpolitik in den Kampf um die Play-Offs eingreifen? Lauter Fragen, die im Laufe der nächsten 44 Spieltage bis Februar 2019 geklärt werden. Hockeyweb informiert in Kurzform über die Schweizer Teams, kurz und knackig halt und tippt nebenbei auch den Vorrundensieger.

HC Ambri-Piotta

Mit Sportchef Paolo Duca und Trainer Luca Cereda hat ein neuer Wind in die Valascia Einzug gehalten. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht und auf die Jugend gesetzt. Mit Erfolg. Der Klassenerhalt wurde geschafft. Jetzt wird es noch schwerer. Das Budget wurde um 500.000 CHF reduziert und Abwehrchef Fora ging in die AHL. Im Tor hat Stammkeeper Conz mit Manzato einen starken Back-up erhalten. In der Abwehr haben nur sieben Spieler NL-Erfahrung. Das kann sich negativ auswirken. Wichtig: Das Top-Ausländerduo Dominik Kubalik/Matt d‘Agostini ist geblieben. Der neue Ausländer Lerg muss sich nach seiner verschleppten Verletzung schnell integrieren. Bis dahin muss man hoffen, dass Lerg-Ersatz Novotny schnell einschlägt. Zwerger, österreichischer Top-Nachwuchsstar blieb und bekam mit Hofer aus Linz sogar noch einen Landsmann ins Team. Fazit: Ambri wird wieder gegen den Abstieg kämpfen, aber der Rückstand zu den Play-offs könnte sich reduzieren, so dass für Spannung gesorgt wird.

SC Bern

Die Zielvorgabe für Cheftrainer Jalonen ist klar. Der Meisterpott muss zurück in die Bärenstadt. Nicht mehr und nicht weniger. Jalonen weiß dabei um seinen Rückhalt im Tor, Leonardo Genoni. Dieser wird noch ein Jahr für den SCB fangen, dann zieht es ihn für mindestens fünf Jahre nach Zug. Dann wird evtl. eine Ausländerposition für den Torwartposten genutzt bzw. fällt für das Feld aus. Das ist ein Rückschlag in der Planung. Doch zunächst ist Genoni ja noch da. In der Abwehr gingen zwar Noreau (ZSC) und Wolf (Villach) aber immerhin kein Einheimischer. Der Schwede Almquist und der Langenthaler Marti kamen neu. Letzterer wird sich um die verbliebenen Startplätze mit den Berner Talenten Burren und Gerber streiten müssen. Im Sturm kamen mit Daniele Grassi, Gregory Sciaroni und Matthias Bieber Spieler, die wissen wo das gegnerische Tor steht. Bei den Ausländern gesellte sich zu den Etablierten Arcobello und Ebbett der Slowene Jan Mursak. Dieser ist KHL-und NHL-erfahren und gehörte bei der WM zu den Topstars. Somit ist eine Kontingentstelle noch frei. Die Frage, ob Almquist und Mursak einen Noreau bzw. Raymond ersetzen können ist interessant. Wenn nein, wird der SCB auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werden müssen, wenn ja umso besser. Fazit: Der SC Bern ist in jedem Fall ein Anwärter auf das Halbfinale.

EHC Biel

Der finnische Trainer Antti Törmänen kam, sah und siegte. Obwohl erst in der Mitte der letzten Saison eingestiegen, führte er Biel auf einen sensationellen dritten Platz in der Vorrunde und später in den Play-offs bis ins Halbfinale, wo schließlich Lugano die Endstation war. Diese Leistung, vielleicht noch mit einem i-Tüpfelchen mehr wünschen sich die Bieler Fans in diesem Jahr wieder. Wichtigster Mann ist und bleibt der 36jährige Keeper Jonas Hiller. Wenn er wieder das hexen beginnt, dann ist bei Biel alles möglich. Nachdem im letzten Jahr schon mit Forster und Kreis Abwehrspieler geholt wurden, deren Sprung nach vorne sensationell war, wurde nun mit der Verpflichtung von Dominik Egli und Rajan Saratic diese Baustelle noch weiter geschlossen. Einzig der Abgang von Jecker nach Lugano tat weh. Im Sturm gingen Joggi, Sutter und Nussbaumer, dafür kamen Damien Brunner (Lugano), Damien Riat (Genf) und Michael Hügli (Rapperswil). Besonders die Verpflichtung von Brunner setzte in diesem Sommer ein Ausrufezeichen.  Auch Biel geht, wie Bern, in die Saison zunächst mit vier Ausländern. Zu den Stürmern Robbie Earl, Toni Rajala und Marc-Antoine Pouliot kam der Finne Anssi Salmela. Dieser soll eigentlich die Abwehr verstärken, kann aber auch im Sturm eingesetzt werden. Fazit: Mit Biel ist zu rechnen. Das Halbfinale ist, vorausgesetzt es gibt keine großen Verletzungen, drin, eventuell sogar mehr.

HC Davos

Noch drei Jahre, dann wird der Schweizer Rekordmeister (31 Titel) sein 100-jähriges Bestehen feiern. Bis dahin soll die heimische Vaillant-Arena in neuem Glanz erstrahlen und bis dahin muss Kulttrainer Arno del Curto und sein HCD mit reduziertem Budget zurechtkommen. Eigentlich eine feine Sache, denn das del Curto gut mit talentierten Nachwuchsspielern arbeiten kann, ist altbekannt. Prompt wurden in diesem Jahr keine absoluten Topspieler verpflichtet, bis auf einen und dieser Transfer hatte es in sich. Nachdem in der letzten Saison die beiden Nachwuchskeeper Senn und van Pottelberghe die ganze Last auf sich trugen, dabei aber nur stellenweise glänzten und sich trotzdem 2019 in die NHL aufmachen möchten, wurde zwangsweise nachgebessert und bereits jetzt der Schwede Anders Lindbäck geholt. Ganz besonders traf die Abwehr die Sparwelle. Lediglich Lukas Stoop wurde aus Kloten geholt, ansonsten mussten vier Spieler gehen. Auch im Sturm wurde kräftig gesiebt. Gleich sechs Akteure verließen den HCD. Für diese kamen aus Bern Luca Hischier, Bruder des NHL-Spielers Nico, und Dario Meyer (Bern). Außerdem will sich Into Pestoni, der nach seinem Abgang in Ambri in Zürich echte Probleme hatte, wieder in den Vordergrund spielen. Ein weiteres Talent kam mit Thierry Bader aus Kloten. Seine lange Verletzungspause hat endlich der Finne Perttu Lindgren hinter sich. Für del Curto ist Lindgren fast schon eine Art Neuzugang. Zweiter Kontingentspieler in der Defensive ist der Schwede Magnus Nygren. Im Sturm wurden der Finne Sami Sandell sowie der NHL-erfahrene Amerikaner Shance Prince (New York Islanders) verpflichtet.  Fazit: Der HC Davos ist so etwas wie die Wundertüte. Zwischen Halbfinale und Platz acht ist alles möglich.

HC Fribourg-Gottéron

Sportchef Christian Dube hat nach der Hektik der letzten Jahre einen relativ geruhsamen Sommer hinter sich gebracht. Bereits frühzeitig wurde mit Mark French ein neuer Trainer verpflichtet, dessen Philosophie so gut bei den Verantwortlichen von Fribourg ankam, dass dessen Vertrag sogar noch vor Saisonbeginn verlängert wurde. Dessen Ziel ist es, erstmalig den Meisterpokal nach Fribourg zu holen.

Zur Freude der Anhänger steht endlich Reto Berra im Tor. Nach der Notlösung mit Brust in der letzten Saison verfügt Fribourg über einen der besten Schweizer Keeper. Alle Diskussionen über einen ausländischen Keeper sind somit überflüssig und die kostbare Kontingentstelle kann evtl. sogar an einen Stürmer vergeben werden. Dazu konnten mit Philippe Furrer und Noah Schneeberger zwei erstklassige Abwehrspieler verpflichtet werden, so dass die Abgänge von Rathgeb (New York Islanders), Glauser (Langnau) und Kienzle (Ambri) ausgeglichen sein sollten. Im Sturm tat natürlich der Abgang von Cervenka nach Zürich wirklich weh. Ob Andrew Miller, der aus Charlotte geholt wurde, diesen ersetzen kann, ist zweifelhaft. Viele Hoffnungen setzen die Drachen auf Lukas Lhotak, der aus Ambri kam und auf Samuel Walser aus Davos. Beide galten als Rohdiamanten, sollen jetzt mit ihren 25 bzw. 26 Jahren endlich das Potenzial abrufen, dass man ihnen lange vorausgesagt hat. Einer der Kontingentstellen nimmt in der Defensive der Norweger Jonas Holös ein. Dieser überzeugte durch sein physisches Spiel und seine starken läuferischen Eigenschaften. Neben Andrew Miller haben der Tscheche Michal Birner, der als perfekter Zulieferer gilt sowie der Amerikaner Jim Slater eine Kontingentstelle inne. Fazit: Der HC Fribourg kann mit Hilfe von Berra von Höherem träumen als nur dem Viertelfinale wie in der letzten Saison. Sollte der Nationalkeeper verletzungsfrei bleiben, wäre sogar ein Finaleinzug drin.

HC Servette Genf

Die wichtigste Nachricht gab es bereits im Sommer zu vermelden. „Mr. Servette“ Chris McSorley hat nach dem unrühmlichen Abenteuer Quennec wieder das Ruder übernommen und sein Ziel ist es natürlich, die Genfer wieder in ruhiges Fahrwasser zu schieben. Das wird nicht leicht werden, das weiß auch McSorley: „Ich muss meine beste Leistung für dieses Saisonziel abrufen.“ Im Tor steht vermutlich als Nummer 1 mal wieder Robert Mayer. Der Schweizer mit tschechischen Wurzeln konnte sich nach seinem schweren Quad-Unfall im letzten Jahr wieder vollständig erholen. Sein Back-up Descloux wird ihn jedoch fordern. Der 22-Jährige, letztes Jahr nach Ambri ausgeliehen, soll zu regelmäßigen Einsätzen kommen. In der Abwehr tat der Abgang von Offensivverteidiger Romain Loeffel zu Lugano weh. Er wird Servette vor allem im Powerplay fehlen. Ein qualitätsmäßiger Ersatz konnte nicht gefunden werden, vielleicht noch am ehesten im Amerikaner Mike Völlmin, der aus Langenthal kam. Im Sturm kamen mit dem Franzosen Eliot Berthon, Tim Bozon und Timothy Kast gleich drei ehemalige eigene Talente zurück. Sie ersetzen Riat (Biel), Schweri (Rapperswil)und Holdener (Fribourg). Außerdem verließ Traber noch in Richtung Lausanne Genf. Um wenigstens ein bisschen Qualität zu bekommen, griff McSorley auf seine NHL-Netzwerke zurück und zog mit Lance Bouma und Tommy Wingels zwei Profis an Land, die zusammen über 800 NHL-Spiele Erfahrung ins Spiel bringen. Allerdings werden beide über einige Spiele brauchen, bis sie sich an die kleineren europäischen Spielmaße gewöhnt haben. Wichtig für die Defensive: Die Schweden Fransson und Tömmermes sind geblieben. Fazit: Es wird ein hartes Jahr für Servette. Die Qualität für das Play-Off-Viertelfinale ist gegeben, alles andere ist Zugabe.

SC Langnau Tigers

Die Tigers haben ein großes Ziel. Sie möchten den gleichen Weg einschlagen wie der EHC Biel. Im letzten Jahr scheiterten die Langnauer knapp an Genf und mussten mit den Play-Down vorlieb nehmen. Da soll sich ändern und da man mit dem bisherigen Spielsystem erfolgreich war, soll es wieder der dänische Trainer Heinz Ehlers mit seinem Defensivsystem, dass perfekt zum vorhandenen Spielermaterial passt, richten. Im Tor kann Ehlers sich wieder auf Stammkeeper Ivars Punnenovs verlassen. Der Lette konnte sich im letzten Jahr durchsetzen. Als Back-up fungiert der Italo-Schweizer Damiano Ciaccio, der in der letzten Saison eine Fangquote von über 91 Prozent aufweisen konnte. In der Defensive musste Ehlers den 23jährigen Zryd nach Zug gehen lassen. Außerdem gingen noch Seydoux (Kloten), Müller und Randegger (beide Langenthal). Dafür kamen nach Langnau mit Larri Leeger (Zug) und Claudio Cadonau (Langenthal) zwei über 30jährige Routiniers. Sie sollen die ebenfalls neuen Andrea Glauser und Simon Kindschi führen, die mit ihren 22 Jahren der Defensive Schwung verleihen sollen. Der Neuzugang im Sturm, der alles überstrahlt, ist Chris diDomenico. Der 29jährige spielte bereits von 2014 bis 2017 in Langnau, war der Superstar und wechselte in die NHL zu Ottawa. Dort konnte er sich nicht durchsetzen, musste in die AHL und nahm nun das Langnauer Angebot allzu gerne an. Dort wird er sich im Sturm mit fünf weiteren Kontingentspielern (Eero Elo, Aaron Gagnon, Anton Gustafsson, Mikael Johannson und Harri Pesonen) messen müssen, wobei diDomenico die Rolle des Leitwolfs zugedacht ist. Langnau ist übrigens der einzige Verein in der NL, bei dem alle Kontingentspieler Stürmer sind. Fazit: Die Tigers haben das Potenzial für die Play-offs. Zwischen Platz sieben und elf ist alles möglich.

HC Lugano

So nah wie im letzten Frühjahr waren sie der Meisterschaftsschale seit zehn Jahren nicht mehr gewesen, inkl. dem verlorenen Finale 2016. Im siebten und entscheidenden Spiel hatte der HCL gegen Zürich Heimrecht und verlor mit 0:2. Eine Schmach, die im kommenden Frühjahr ausgemerzt werden soll. Hoffentlich, denn ansonsten könnte der Fall wirklich schmerzhaft ausfallen. Nach dem verpassten Meistertitel sitzt trotzdem Cheftrainer Greg Ireland fest im Sattel. Er hat dem früheren Karnevalsverein ein neues Image verpasst und weil es „fast“ erfolgreich war hat er sich den Respekt von Präsidentin Vicky Mantegazza hart erarbeitet.

Ganz ohne Druck geht es auch für Ireland nicht, denn einen Großteil des Erfolges hat er seinem Tormann Elvis Merlikins zu verdanken. Der Lette mit Schweizer Pass wird, mit hoher Sicherheit, 2019 in die NHL zu Columbus wechseln. Als Back-up steht mit dem Österreicher Stefan Müller ein talentierter Torhüter zur Verfügung, der zuletzt Stammkeeper beim Farmteam in Biasca war. In der Verteidigung ging mit Furrer eine Gallionsfigur, die durch die Verpflichtung von Romain Loeffel aus Genf, was den sportlichen Bereich angeht, mehr als kompensiert werden konnte. Eine weitere echte Verstärkung stellt Benoit Jecker her. Der 24jährige, der im letzten Jahr in Biel persönliche Rekordwerte erzielte, wollte erst nach Kloten, ging dann aber nach dem Abstieg der Flieger lieber nach Lugano. Wie wichtig in der Defensive ein Top-Ausländer ist, bewies über zehn Jahre der Finne Petteri Nummelin. Ein gleichwertiger, bezahlbarer, Ersatz konnte bis jetzt nicht gefunden werden und so wagt man es mit dem Kanadier Taylor Chorney, wobei dieser eigentlich als Stürmer fungiert. Der 31jährige hat 178 NHL-Spiele (Pittsburgh, Washington) sowie über 400 AHL-Spiele auf dem Buckel und könnte evtl. in die Fußstapfen des Finnen treten.

Viel verändert hat sich im Sturm nicht. Brunner ging nach Biel und der im Januar verpflichtete Amerikaner Etem zog weiter nach Los Angeles. Lediglich Mauro Jörg kam aus Davos und aus Kloten wurde Benoit Jecker verpflichtet. Das Toptrio Linus Klasen, Jani Lajunen und Maxim Laperriere auf den Ausländerposten ist geblieben und Sebastien Reuille hat seine Schlittschuhe zur Freude der Tifosi nicht an den berühmten Nagel gehängt. Ganz wichtig: Gregory Hoffmann blieb, so dass sich Trainer Ireland auf eingespielte Reihen verlassen kann. Fazit: Der HC Lugano ist ein klarer Kandidat für das Halbfinale.

HC Lausanne

Es kann nur noch besser werden. Das wird die Devise von Sportmanager Sacha Weibel und Sportdirektor Jan Alston sein. Nachdem im letzten Jahr der  US-Milliardär Stickney einstieg, gilt in Lausanne das gleiche wie beim Fußball beim FC Chelsea. Geld ist zum Ausgeben da und so wurde das Budget vermutlich in höchste Sphären getrieben. Allerdings macht Lausanne keine Budgetangaben. Neu im Trainerteam ist der Finne Ville Peltonen, der John Fust beerbte und 2006 mit Lugano, als Spieler, Meister wurde. Auch als Trainer kam er schon zu Titelehren, wenn auch nur als Co-Trainer. 2017 holte er mit Head-Coach Jalonen den Titel nach Bern. Er weiß also, wie es mit dem Meistertitel geht.

Allerdings leistete das Führungstrio gleich zu Anfang einen Fauxpas, der hoffentlich am Ende gut für Lausanne ausgeht. Obwohl die Lausanner mit dem Torhüter-Duo Boltshauser/Zurkirchen ins Rennen gehen, wurde beiden durch die Verpflichtung des aktuellen Zuger Torhüters Tobias Stephan ab der Saison 2019/20 klar gemacht, dass kein großes Vertrauen in die Leistung der beiden vorhanden ist. Mit anderen Worten, schon jetzt kann sich einer von beiden Keepern nach einem neuen Arbeitgeber umschauen.

Die Abwehr blieb im mehr oder wenigen beisammen. Lediglich Gobbi beendete nach 929 NL-Spielen seine Karriere und der Slowake Gernat ging nach Trinec. Als Zugänge konnten Robin Grossmann aus Zug sowie der Finne Petteri LIndbohm von den Chicago Wolfes (AHL) gewonnen werden. Im Sturm ging ein ganzer Block in Rente. Conz, Ryser und Walsky beendeten ebenfalls wie Gobbi ihre Spielerkarriere. Mieville ging nach La Chaux-de-Fonds, Pesonen nach Langnau und Frattin nach Bratislava. Für sie kamen der physisch hart spielende Schweiz-Kanadier Tim Traber aus Genf, der Kanadier Torrey Mitchell von den L.A. Kings sowie Robin Leone (Kloten), Christoph Bertschy (Binghampton) und Benjamin Antonietti (Rouen). Damit wird Lausanne, ebenfalls wie Genf und Zürich, mit zwei Kontingentverteidigern in die Saison gehen. Einiges wird von Dustin Jeffrey erwartet, der auf 725 NHL-Spiele zurückblicken kann. Eine wichtige Bereicherung ist der Lette Ronalds Kenins. Kenins, der auch über einen Schweizer Pass verfügt, hatte ein nur mäßiges Jahr beim ZSC hinter sich, konnte aber in den Play-Offs und bei der WM gefallen und möchte nun beim LHC durchstarten. Fazit: Die Verteidigung wurde verbessert, der Sturm macht personell einen guten Eindruck und wenn die Torhüter trotz des Vertrages für Stephan noch mitmachen, dann kann im optimalen Fall das Halbfinale schon in dieser Saison drin sein.

SC Rapperswil-Jona Lakers

Nach drei Jahren NLB, jetzt Swiss League genannt, endlich wieder in der National League Eishockey spielen und sehen. Die Fans fieberten die gesamte letzte Saison, feierten die sensationellen-Cupfinalsieg (7:2) gegen den HC Davos und machten die Nacht zum Tage nach dem 2:1 im finalen siebten Play-down-Finale in Kloten. Jetzt, fünf Monate später, müssen die Rapperswiler zeigen, ob sie im Sommer ihre Hausaufgaben gemacht haben. Zunächst konnte dem Publikum mitgeteilt werden, dass die sensationelle letzte Saison einen Reingewinn von über 1 Million CHF (950.000 EUR) gebracht hat. In der kommenden Spielzeit arbeitet der Aufsteiger im Übrigen mit einem Budget von 15 Mio. CHF (13,25 Mio. EUR).

Dem Torhüterduo Melvin Nyffeler/Noel Bader wurde auch diesem Jahr von Trainer Jeff Tomlinson (ETC Timmendorf, DEG, Eisbären Berlin) das Vertrauen ausgesprochen. Kein Wunder, war doch  Nyffeler mit einer Fangquote von fast 94% der beste Keeper der Swiss League. In der Abwehr beendete Cyrill Geier nach 17 Jahren Rapperswil und 753 NL-Spielen seine Karriere. Neu ist der 37jährige Timo Helbling. Helbling kommt mit der Erfahrung von 700 NL- und 250 AHL-Spielen. Es ist allerdings fraglich, ob er als Leitfigur dem schnellen Spiel noch gewachsen ist. Der zweite Neuzugang, der Amerikaner Matt Gilroy, sollte mit dem Speed keine Probleme haben. Er wurde vom KHL-Ligisten Jokerit Helsinki (je etwa 230 NHL- und KHL-Spiele) geholt. Der dritte geholte Defensivmann ist der 25jährige Cedric Hächler. Er kam aus Biel, wurde letztes Jahr mehrfach nach La Chaux-de-Fonds ausgeliehen.

Wenn man den Januar mitrechnet, dann haben die Lakers drei Abgänge im Sturm zu verzeichnen. Schwer wiegt der Wegzug von Hügli nach Biel und auch der des Amerikaners Morin zu den Hershey Bears (AHL). Prominentester Zugang war der Klotener Roman Schlagenhauf, der bereits 2015/16 im Lakers-Trikot zu sehen war. Gleich dahinter kommt der US-Amerikaner Casey Wellman. Der 30jährige kommt vom KHL-Klub Sotchi, zeigte vor einem Jahr sein Können im Europapokalfinale für Frölunda Göteborg und sollte sofort zum Leistungsträger reifen. Die restlichen Zugänge stellen junge, talentierte Schweizer sie z.B. Kay Schweri (Genf), Leonardo Fuhrer (Ajoie), Ron Martikainen (Fribourg U20), Sascha Rochow (Ambri) und Martin Ness (Krefeld Pinguine). Wichtig wird Tomlinson auch die Frage sein, ob seine beiden Importspieler Jared Aulin (36) und Dion Knelsen (29) bei dem höheren Tempo in der NL weiterhin so dominant den Ton angeben können oder ob sie damit überfordert sind. Fazit: Bei den Rapperswil-Jona Lakers steht das Ziel von vornherein fest: Den Abstieg vermeiden. Von den Play-Offs will man erst in den nächsten Jahren träumen, wenn die finanzielle Konsolidierung noch weiter fortgeschritten ist.

Zürcher SC Lions

Für die Zürcher könnte die Saison so schön beginnen und doch wird es in den ersten Wochen ein Blindflug. Die Rede ist vom Neutrainer Serge Aubin, der zwar ein Meisterteam übernimmt und auch in der deutschen DEL bei den Hamburg Freezers und in Österreich die Vienna Capitals coachte aber noch keinerlei Schweiz-Erfahrung hat. Für Aubin verließ Hans Kossmann den ZSC.

Im Tor ist und bleibt Lukas Flüeler die absolute Nummer 1. Zwischendurch war über eine Rückkehr von Berns Topkeeper Genoni gemunkelt worden aber nach dessen Entscheidung für Zug ist dieses Gerücht endgültig vom Tisch. Dazu haben die Lions mit Niklas Schlegel ein erstklassiges Talent auf der Bank sitzen, dass bei anderen Vereinen sicherlich die Nummer 1 wäre.

Auch wenn er am Saisonende nur noch sporadisch eingesetzt wurde. Mit Mathias Seger beendete eine Gallionsfigur seine Karriere. Seit September 1999 beim ZSC, davor drei Jahre in Rapperswil, erzielte Seger in 1167 NL(A)-Spielen 121 Tore, gab 354 Vorlagen und kassierte 475 Strafminuten. Sein größter Erfolg neben diversen Meisterschaften war sicherlich der Weltpokalsieg (Victoria-Cup) 2010 gegen die Chicago Black Hawks. Etwas überraschend, dass Severin Blindenbacher weiterhin die Verteidigung stärkt. Der 774fache NL-Spieler erlitt in der letzten Saison seine siebte (!) Gehirnerschütterung aber nach dem Krankheitssymptome im Sommer deutlich zurückgingen, will er es noch einmal versuchen. Neu in der Defensive einer besten ausländischen Verteidiger, die der Schweizer Markt hergab: Der Berner Maxim Noreau. Dazu kam die Entscheidung von Kevin Klein, nicht in die kanadische Heimat zurückzukehren sondern noch ein Jahr in Zürich dranzuhängen. Damit sollte dieser Mannschaftsteil zu den Stärken des ZSC gehören.

Noch besser sieht es im Angriff aus, der noch einmal verstärkt wurde. Transferhighlight war sicherlich die Verpflichtung von Roman Cervenka aus Fribourg. Dazu kam noch Simon Bodenmann aus Bern und Denis Hollenstein aus Kloten. Besonders bei Letzterem kochten die Gemüter hoch, spielten doch die Hollensteins sein Menschengedenken im benachbarten Kloten. Ein weiterer unbewusster Neuzugang ist Pius Suter. Der 22jährige wollte in die NHL wechseln, scheiterte aber im Trainingscamp der New York Islanders und spielt jetzt wieder beim ZSC. Verlassen haben den Klub Pestoni (Ambri), Sjögren (Rögle), Kenins (Lausanne),Vey (ZSKA Moskau) und Korpikoski (Turku). Fazit: Die ZSC Lions sind in jedem Fall ein Anwärter auf einen Finalplatz.

EV Zug

Die Innerschweizer haben ein Jahr zum Vergessen hinter sich und wollen wieder angreifen. Nachdem Chefcoach Harold Kreis sich in Richtung Düsseldorf verabschiedet hat, hat nunmehr der 39-jährige Norweger Dan Tangnes das Sagen. Erfahrung konnte Tangnes in Schweden sammeln, wo er untr anderem Headcoach in Rögle und Linköping war, jeweils in der höchsten Liga. Auch einer der Gründe, warum man den Norweger holte, war, dass Kreis sich in den Finals im Kreis drehte, bis auf einen Finaleinzug keinen weiteren Erfolg vorweisen konnte, seine Mannschaft kaum noch attraktiv spielte und er der Jugend kaum Chancen zur Entfaltung bot. Das alles soll sich mit Tangnes ändern.

Im Tor hat Tobias Stephan seine letzte Chance, zumindest beim EVZ, einen Titel zu holen. In der nächsten Saison kommt aus Bern Leonardo Genoni und Stephans Vertrag, der eigentlich noch bis 2022 laufen würde, wird vorzeitig beendet. In der Abwehr wurde der Altersschnitt drastisch gesenkt. Mit Leeger (Langnau), Grossmann (Lausanne) und Helbling (Rapperswil) gingen drei Routiniers, die alle die dreißig Lenze erreicht hatten. Leider verließ auch Geisser, ein 19-jähriges Toptalent die Zuger in Richtung Washington, wo er zunächst nach Hershey (AHL) weitergegeben wurde. Ausgeglichen wurde der Verlust mit zwei jungen, aber schon erfahrenen Kräften. Aus Ambri kam Jesse Zgraggen und aus Langnau Miro Zryd. Geführt wird die Abteilung von den Haudegen Raphael Diaz und Santeri Alatalo.

Ebenfalls aus Langnau kam Yannick-Lennart Albrecht. Der 24-Jährige kann links aber auch als Center eingesetzt werden und ersetzt Nolan Diem, der seinerseits nach Langnau ging. Überhaupt nicht in Zug zurechtkam Timothy Kast. Kast zog daraus die Konsequenz und spielt nun wieder bei seinem Ausbildungsverein Genf. Genau umgekehrt der Werdegang von Dario Simion. Simion spielte vier Jahre in Davos, hatte aber zuletzt Ladehemmung und will diese in Zug ablegen. Auf den Ausländerpositionen hat sich, im Gegensatz zu den konkurrierenden Klubs, absolut nichts getan. Die Topleute heißen auch weiterhin Viktor Stalberg, Garrett Roe, Carl Klingberg und David McIntyre. Das bedeutet, dass die Linien des EVZ bereits gut eingespielt sind und die Zuger in diesem Jahr das Halbfinale als Mindestmaß ansehen.

Die Meisterschaft ist offen wie nie. Neben den Topteams aus Zürich und Bern haben noch Lugano, Biel und Zug echte Chancen. Fribourg, Davos Genf und Lausanne darf man nicht unterschätzen. Im Abstiegskampf werden wohl Langnau, Ambri und natürlich Aufsteiger Rapperswil involviert sein.