Furioses Ambri überholt den SC Bern in letzter SekundeSechs Siege in Folge bringen die Überraschung

Der HC Ambri-Piotta überholt den SC Bern in einem furiosen Schlussspurt. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Der HC Ambri-Piotta überholt den SC Bern in einem furiosen Schlussspurt. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Es ging allerdings nicht um die Spitze. Dort hatte es sich Titelverteidiger und Favorit EV Zug gemütlich gemacht. Verfolger HC Fribourg-Gottéron kam zwar nahe ran, war zwischenzeitlich auch an der Spitze, um diese dann in einer Schwächephase abzugeben. Platz drei ging an die Zürcher SC Lions. Die Lions, regelmäßig zum Kreis der Favoriten zählend, waren stellenweise bis auf Platz acht abgerutscht, rissen sich zuletzt am Riemen und überholten sogar noch das Überraschungsteam der Liga, den Konkurrenten vom Zürich-See, die Rapperswil-Jona Lakers.

Überhaupt die Lakers. Vom ehemaligen DEL-Profi Jeff Tomlinson in die National League gecoacht und dort die Klasse haltend, wurde dort mit viel Geduld gearbeitet. Vor allem war klar, dass um den Aufstiegshelden, Torwart Melvin Nyffeler, ein Team aufgebaut werden muss, das höheren Ansprüchen genügt und genau das passierte in dieser Spielzeit. Die Lakers standen nie zur Diskussion um die Spitze, aber immer um Platz vier und der wurde es letztendlich auch.

Ebenfalls hoch spannend bis zum Ende der Kampf um die Plätze fünf und sechs, der von einem Quartett ausgefochten wurde. Sieger wurde schließlich Altmeister HC Davos vor dem EHC Biel. Glück für Biel, dass jetzt die Hauptrunde zu Ende war, denn auch eine Siegesserie von acht Siegen in zehn Spielen reichte dem HC Lausanne am Ende nicht, es wurde nur Platz sieben. Achter wurde schließlich Servette Genf. Mit der Endplatzierung nicht zufrieden war der HC Lugano.

Der irrste Zweikampf fand jedoch zwischen dem HC Ambri-Piotta und Hauptstadtclub SC Bern statt um Platz zehn und somit dem letzten Pre-Play-off-Platz. Zur Vervollständigung: Vorletzter wurden die Langnau Tigers und, wie zu erwarten war, Aufsteiger HC Ajoie Letzter.

Am 4. März hatte der Hauptstadtclub, dem ganz andere finanzielle Mittel zu Verfügung stehen als dem tessinischen Dorf Ambri-Piotta, neun Punkte Vorsprung. Es stand 57:48 in der Punktewertung und keiner, die sportlichen Leiter, die Medien und die Fans glaubten, dass Ambri noch eine Chance haben würde. Ein berechtigter Grund, denn Ambri hatte zuvor die letzten drei Partien sämtlichst verloren mit 6:18 Toren. Bern dagegen hatte wenigstens beim 3:1 gegen Langnau eine halbwegs ordentliche Partie abgeliefert. Am 5. März dann der direkte Vergleich in der neuen Gottardo-Arena in Ambri. Endstand 3:2 für Ambri nach Penaltyschießen.

Am 6. März hätten die Berner gegen Rapperswil den Schaden begrenzen können, mussten sich aber mit 2:4 geschlagen geben. Der Vorsprung der Berner wurde kleiner. Am 8. März dann ein kollektives Aufatmen in Bern. Beim Aufsteiger Ajoie konnte 3:1 gewonnen werden, aber die Reaktion von Ambri kühlte die Freude schnell ab. Der HCAP besiegte das Topteam aus Freiburg 2:1 und blieb an Bern dran. Dann kam der 9. März und wieder ein direktes Duell, diesmal in Bern. 13.000 Zuschauer wollten das Spiel sehen und sie sahen keinen willensstarken SCB, sondern ein dominantes, selbstbewusstes Ambri, das den Meister von 2019 mit 34:19 Torschüssen beherrschte und klar mit 5:1 gewann. Noch immer betrug der SCB-Vorsprung sechs Zähler. Der 11. März brachte noch keine Entscheidung, aber Bern dem großen Ziel Pre-Play-Offs etwas näher. Während Ambri-Piotta Biel mit 2:1 bezwang, gewann Bern mit dem gleichen Ergebnis gegen Zürich, allerdings erst nach Verlängerung. Zwei Spieltage vor Schluss hatte der SC Bern somit fünf Punkte Vorsprung. Das musste reichen, zumal Ambri ja auch noch in Fribourg antreten musste. Aber Ambri tat den Hauptstädtern nicht den Gefallen und verlor. Im Gegenteil. Während in Ambris Defensive der von Jokerit Helsinki ausgeliehene Torhüter Janne Julonen zu Höchstform auflief, traf vorne Inti Pestoni zweimal und Ambri gewann mit 2:0. Somit war der Berner Vorsprung auf zwei Zähler eingeschmolzen, aber nur noch ein Spieltag. Bern hatte gegen Lausanne im eigenen Stadion beste Chancen, Ambri-Piotta hatte ebenfalls ein Heimspiel gegen Rapperswil-Jona. Und das Wunder geschah. Während beim SC Bern nichts zusammenlief, es eine 1:4-Klatsche gab und der deutsche Nationalspieler Dominik Kahun der einzige Leistungsträger und auch Torschütze war, schoss sich Ambri-Piotta beim 6:2 förmlich die Wut aus dem Leib und schob sich am Ende mit einem Punkt Vorsprung über die Ziellinie.

Während 6.100 Fans in der Leventina feierten, sagte HCAP-Trainer Luca Cereda: „Wir leben noch. Vor ein paar Tagen waren wir die einzigen, die noch dran geglaubt haben. Wir haben den Geist der alten Valascia in das neue Stadion gebracht.“ In Bern schob man unterdessen Trauer. Berns Stürmer Tristan Scherwey blieb jedoch fair: „Wenn man sagt, dass die Saison für uns zu früh endet, dann ist die Schönfärberei. Mit dem Finish hat Ambri die Pre-Play-offs hochverdient erreicht.“


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