Ein Kurztrip in die Schweiz Ein Reisereport aus Zürich und Zug

Zuschauer beim Spiel zwischen dem EV Zug und den Zürcher SC Lions. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Zuschauer beim Spiel zwischen dem EV Zug und den Zürcher SC Lions. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Bei bestem Wetter ab in den Süden, vorbei am wunderschönen Bodensee, bei dem eine kleine Mittagspause natürlich nicht fehlen darf. Gut gestärkt geht es weiter über den Zürich-See in die größte Stadt der Schweiz. Kurz ins Hotel einchecken und dann noch die Stadt besichtigen. So der Plan, der aber sehr schnell verworfen werden musste, dem Berufsverkehr sei Dank.  Die eigentlich kurze Strecke zog sich enorm in die Länge, aber nachher ist man immer schlauer. Also noch kurz das Zimmer besetzt und ab Richtung Stadion. Durch die Presseakkreditierung war die Verpflegung sehr angenehm: Sandwiches und Getränke werden gestellt und auch beste Plätze auf Höhe der Mittellinie versprachen ein gutes Spiel. Unterhaltung boten ein paar Fans direkt eine Reihe vor mir: nur wenig Ahnung vom Spiel, umso weniger Regelkenntnisse oder ähnliches, dafür aber umso trinkfester und ähnlich viel Meinung. Geld spielt anscheinend keine große Rolle, wenn man die Bierpreise betrachtet und den Bierkonsum beobachtet. Lustig waren sie dennoch, haben niemanden belästigt, sondern sie hatten einfach ihren Spaß und alle Zuschauer im Umkreis auch – und mein Spieltag startete.

ZSC – Ambri-Piotta (9160 Zuschauer/3:1 Endstand)

Vor dem Spiel standen die Vorzeichen auf einen klaren Sieg der Zürcher. Der Tabellenzweite empfingen den Tabellenelften aus Ambri. Während die Lions schon sicher in den Playoffs stehen und mit einem Sieg heute auch das Heimrecht klarmachen können, geht es für die Tessiner aus dem Süden der Schweiz noch um das Abwenden der Playdowns.

Die bisherigen Aufeinandertreffen in der Saison konnten allesamt die Zürcher für sich entscheiden. Die Vorfreude auf das Spiel war groß, da die Stimmung von beiden Seiten immer sehr gut zu bewerten ist. Zum Glück gab es keine Enttäuschung diesbezüglich: Die unglaublichen Melodien der Fans der Tessiner, die auch nach dem Spiel immer noch in den Ohren sind. Auch auf der Zürcher Seite waren laute Gesänge zu hören, diese protestierten aber gegen das Spielsystem der National League, da sie eine einfache Doppelrunde mit 44 und nicht wie seit Jahren üblich 50 Spiele absolvieren müssen, ehe die fünfte Jahrezeit beginnen kann. Wie in der Schweiz durchaus üblich, wurden die Durchsagen in zwei Sprachen gemacht, da in Ambri hauptsächlich Italienisch gesprochen wird. Auffällig war, dass die Zuschauer nur wenig mit Trikots oder Schals im Stadion ausgestatten sind. Die Stimmung auf den Sitzplätzen erinnert mehr an das typische Event-Publikum. Lediglich bei den Toren stieg die Stimmung im ganzen Stadion an. Sonst war eher das leidige Smartphone wichtiger. Auch der Spielfluss macht unglaublichen Spaß – kaum Unterbrechungen beim dennoch harten Spiel, keine Powerbreaks, die das Drittel unnötig in die Länge ziehen, die Schiedsrichterentscheidungen wurden nicht lange diskutiert. Auch die Spieler hatten kein großes Interesse Strafen zu ziehen, sondern kämpften mit allen, aber meist fairen Mitteln um jeden Zentimeter auf dem Eis.

Das erwartet eindeutige Spiel war dennoch nicht zu sehen. Die Tessiner gingen mit 1:0 in Führung und konnte die Verteidiger durch schnelle Konter mehrmals vor große Probleme stellen. Aber das Glück stand auch enorm auf ihrer Seite. Zwei Pfostentreffer verhinderten den Ausgleich im ersten Drittel. Im zweiten Drittel bekamen die Zürcher mehr und mehr die Kontrolle und schossen dann auch den verdienten Ausgleichstreffer.

Ambri hatte zwar noch einige gute Chancen, konnte aber nicht mehr erfolgreich den am heutigen Tag überragenden Goalie Lukas Flüeler überwinden. Die Erlösung gab es dann im letzten Spielabschnitt. Der ZSC drehte die Partie, ehe dann kurz vor Ende auch noch ein Empty-net Treffer die endgültige Entscheidung zum 3:1-Endstand brachte.

EV Zug – ZSC Lions (Zuschauer 7117 /Endstand 1:4)

Das Spitzenspiel in der National League stand einen Tag später an – Erster gegen Zweiter, Zug gegen Zürich. Etwa 45 Minuten dauert es von Zürich nach Zug –  also nicht wirklich eine weite Entfernung. Was aber in der Schweiz üblich ist, sind zwei Spiele in zwei Tagen. Freitag- und Samstagabend geht es heiß her in der Schweizer National League. Bei bestem Wetter darf aber auch das Sightseeing auf einem solchen Trip nicht fehlen. Auf halber Strecke liegt der Ütliberg. Mit einer knappen Stunde zu Fuß oder für die gemütlichen Genossen unter uns auch mit der Bahn zu erreichen, geht es auf den Gipfel. Ein Wahnsinns-Ausblick über die gesamte Stadt Zürich und auch der Zürcher-See ist fast komplett zu bewundern. Es lohnt sich auf jeden Fall, den kleinen Abstecher einzugehen. Danach geht es mit einer halben Stunde Fahrt in die schöne Stadt Zug. Ebenfalls am See gelegen auf jeden Fall, unabhängig vom Eishockey, eine Reise wert. An der Promenade noch ein kühles Blondes genießen, denn die Getränkekultur darf schließlich nicht zu kurz kommen und muss begutachtet werden. Das Klischee der Reichen aus der Schweiz wurde hier ebenfalls gezeigt: Viele Luxuskarossen parken entlang des Sees und irgendwie kommt man sich als „normaler“ Mensch fast fehl am Platz vor. Aber das zweite Highlight des Wochenendes steht noch bevor: Erneut ein toller Platz im Stadion lässt wieder auf ein gutes Spiel hoffen. Die Fankultur zeigt hier in Zug ein ganz anderes Bild, eher vergleichbar mit Deutschland, viele Trikotträger und eine Stehplatzkurve hinterm  Tor. Die Gesänge hallten schon weit vor Spielbeginn durchs Stadion. Man merkt die Motivation und die Vorfreude sowohl auf dem Eis bei den Spielern als auch bei den Fans auf den Rängen. Auch viele junge Fans finden den Weg ins Stadion. Das Intro zum Spiel ist lange nicht so aufwendig wie am Vortag in Zürich, aber trotzdem sehr gut anzuschauen. Ebenfalls unterhaltsam sind jede Menge Zuschauer, die von den vorherigen Faschingsumzügen in voller Montur zum Spiel erscheinen. Sicherheitskontrollen scheint es in der Schweiz anscheinend nicht zu geben. Rucksäcke, Taschen und jede Menge Zubehör der Kostüme kommen unkontrolliert ins Stadion. Bei uns unvorstellbar, wenn man bedenkt, was alles passieren kann, die Schweizer eher entspannt in der Hinsicht.

Zum Spiel:

Es geht los wie die Feuerwehr. Bereits in der zweiten Spielminute trifft ZSC im Powerplay zur Führung. Das gesamte erste Drittel gab es fast durchgehend diskussionswürdige Strafen, was die Fans mit entsprechenden Unmutsäußerungen quittierten. Dies übertrug sich auch auf die Spieler, die sehr harte Checks fuhren – auch vor dem Tor ging es nach jedem Schuss durchaus zur Sache. Das schien die Schiedsrichter aber wenig zu interessieren, die jede Rangelei zuließen, dafür aber harmlosere Dinge abpfiffen. Zug konnte im zweiten Drittel das Spiel ausgleichen, die Führung hielt aber nicht lange an. Erneut der Topscorer Pius Suter brachte die Zürcher in Führung.  Während des restlichen Spiels waren starke Saves der beiden Torhüter zu bewundern. Die Spieler beider Seiten verzweifelten an den Goalies, die beide einen Sahnetag erwischten. Kurz vor Schluss setzte Zug alles auf eine Karte und zog den Torwart. Pius Suter ließ sich dieses Angebot aber nicht entgehen und traf zweimal ins leere Tor der Zuger. Ein sehr gelungener Tag für diesen, der einen Viererpack im Spitzenspiel schnürte. Auch die Tabellenführung konnte ZSC nach diesem Sieg übernehmen.

Gleich nach dem Spiel gehts nach Hause. Auf der Heimfahrt ließen wir nochmal die beiden Tage und Spiele Revue passieren: Ein wahnsinnig toller Kurztrip in der schönen Schweiz bei bestem Wetter und vor allem tollem EIshockey. Auf jeden Fall Wiederholungsbedarf und jedem, der die Möglichkeit hat, wärmstens zu empfehlen!

Sebastian Eggl

Wer holt den Titel in der Schweiz?
Kann der EV Zug den Titel erfolgreich verteidigen? Die Saison in der National League in der Schweiz hat bereits begonnen. Wir haben uns die Kader der NL-Teams angesehen und wagen einen Tipp, wo die jeweiligen Mannschaften am Ende der Vorrunde landen werden. HC Fribourg-Gottéron Die Westschweizer bestechen mit einem eingespielten Kader. Im Sturm gab es sogar, zumindest beim Schweizer Personal, keine Veränderungen. Damit ist die Offensive relativ dünn besetzt, kann zum Problem bei Ausfällen werden. In der Verteidigung kam Top-Verteidiger Raphael Diaz aus Zug. Trotz seiner 35 Jahre immer noch ein Leader, der ein Team mitreißen kann. Im Tor steht mit Reto Berra weiterhin eine Wand, sein Back-up Connor Hughes ist sehr talentiert. Bei den Ausländern hat lediglich Viktor Stalberg den Verein verlassen und somit stehen die maximalen vier Ausländer zur Verfügung. HW-Tipp: Die sofortige Play-off-Qualifikation wird schwer. Platz 7 HC Lugano Die Tessiner wollen nach drei mittelmäßigen Jahren wieder angreifen. Im Tor wurde der Vertrag von Sandro Zurkirchen nicht verlängert und somit ist Niklas Schlegel die Nummer 1. Allerdings steht er in Konkurrenz zu zwei Top-Talenten, Davide Fadani und Thibault Fatton. In der Verteidigung gelang es dem HCL, gleich drei Top-Transfers zu tätigen. Vom Meister Zug kam der Finne Santeri Alatalo, der jetzt auch über einen Schweizer Pass verfügt. Dazu konnte aus Schweden Mirco Müller geholt werden und Samuel Guerra kam aus Davos. Ausgerechnet in der früher so hochgelobten Offensive gab es einen kleinen Einbruch: Mit Suri, Lammer, Zangger, Romanenghi, Bürgler und Sannitz verließen den Verein, letzterer beendete seine Karriere. Bester Transfer war Calvin Thürkauf aus Zug, der jedoch als verletzungsanfällig gilt. Aus der NCAA wechselte Evan Tschumi zum HCL. Der Name ist bekannt, war sein Vater eine große Nummer einst in Ambri, Zug, Genf und Fribourg. Bei den Ausländern hat man sich für vier Stürmer entschieden. Neben Mark Arcobello, Mikkel Boedker und Daniel Carr wird Troy Josephs, der aus Visp kam, eingesetzt. HW-Tipp: Sinnvolle Verstärkungen können für eine Überraschung sorgen. Platz 5 SC Langnau Tigers Der neben Ambri kleinste Club der Liga muss nach der letzten Saison weiterhin kleine Brötchen backen. Trotzdem kam ein Kader zusammen, der für Überraschungen sorgen kann. In der Verteidigung verließen Glauser, Lardi und Bircher den Verein. Dafür kam mit Janis Elsener ein Defender aus der eigenen zweiten Vertretung und mit Miro Zryd aus Bern ein gestandener Verteidiger. Auch bei den Stürmern gab es für wenig Geld nur Mittelmäßiges. Aus Rapperswil kamen Kay Schweri und Michael Loosli sowie aus Zug Livio Langenegger. Ganz anders sieht es bei den Ausländern aus. Mit Harri Pesonen kam ein altbekanntes Gesicht zurück aus Kasan (KHL). Aus Bern kam Viktor Olofsson, aus Iserlohn (DEL) konnte Alexandre Grenier verpflichtet werden und der Finne Aleksi Saarela war zuletzt in Rauma einer der besten Stürmer. HW-Tipp: Nach dem finanziellen Überlebenskampf steht nun der sportliche an. Platz 12 HC Davos Beim Rekordmeister wünscht man sich auf der Torhüterstelle Kontinuität. Eigentlich sollten Robert Mayer und Sandro Aeschlimann zuletzt dafür sorgen, aber weil beide den hohen Anforderungen nicht genügten, wurde Mayer aufs Abstellgleis geschoben und mit Gilles Senn ein Eigentalent aus der AHL zurückgeholt. In der Defensive ging Felicien du Bois in den verdienten Ruhestand und auch Guerra, Kienzle und Buchli verließen den HCD. Für du Bois konnte aus Rapperswil mit Dominik Egli ein Toptalent verpflichtet werden. Dazu kamen aus Lugano noch Thomas Wellinger und Jesse Zgraggen vom Meister Zug. Damit konnte die Defensive evtl. sogar leicht verstärkt werden. Auch im Sturm wurde das Alter gesenkt. Zu den drei Leitwölfen Andreas Ambühl, Dino und Marc Wieser gesellten sich mehrere Toptalente. Die Neuen sind jedoch, bis auf Julian Schmutz, der von Langnau kam, knapp über zwanzig Jahre alt und waren alle wichtige Stützen in den U-Nationalmannschaften. Dies wären Raphael Prassl, Axel Simic, Valentin Nussbaumer und Simon Knak. Auch in Davos wurde auf den Ausländerpositionen aufgeräumt. Lediglich Magnus Nygren blieb. Neu sind seine Landsmänner Matthias Brome (zuletzt Detroit Red Wings) und Dennis Rasmussen, der aus Magnitogorsk (KHL) verpflichtet wurde. HW-Tipp: Der Altmeister wird die sofortige Qualifikation kaum schaffen. Platz 8 Zürcher SC Lions Die ZSC Lions gehören seit zwei Jahrzehnten zu den jährlichen Favoriten und soll es auch diesmal sein. Im Tor wird Emporkömmling Ludovic Waber die Nummer 1 sein. Der Fribourger setzte sich gegen Lukas Flüeler durch, erreichte eine Fangquote von 92,5 Prozent. In der Abwehr blieb alles beim Alten, lediglich ein größerer Austausch wurde vollzogen und ein wichtiger Abgang wurde verzeichnet. Der Abgang war Severin Blindenbacher. Tim Berni, eigentlich schon im letzten Jahr in Columbus (NHL) eingeplant aber dann doch dauerhaft zum ZSC verließ, geht endgültig in die NHL. Dafür kam Yannick Weber zurück mit der Erfahrung von 541 NHL-Spielen. Einziger neuer Stürmer ist Kyen Sopa vom SC Bern. Bei den Ausländern kam es auch zu einem größeren Austausch, wobei die Lions fünf Ausländer einsetzen dürfen. Frederik Pettersson verließ die Eishockey-Bühne und Ryan Lasch zog es nach Göteborg. Maxim Noreau, Marcus Krüger und Garrett Roe blieben. Neu im Team sind Justin Azevedo. Der Kanadier mit portugiesischen Wurzeln beeindruckte in der KHL, gewann 2018 gar den Gagarin-Cup. Die fünfte Position ist noch nicht besetzt, im Augenblick wird der 25jährige Kanadier John Quenneville getestet. HW-Tipp: Das Team ist eingespielt, kann Meister Zug gefährlich werden. Platz 2 HC Lausanne Das große Ziel der Waadter ist und bleibt die Meisterschaft. Dafür wurde auch in diesem Jahr in die Mannschaft investiert. Wie hoch das Team einzuschätzen ist, zeigte sich in der CHL, als am vierten Spiel Lukko Rauma auswärts mit 3:2 besiegt werden konnte. Im Tor stehen mit Tobias Stephan und Luca Boltshauser zwei der besten Schweizer Keeper. In der Defensive stehen mit Joel Genazzi, Lukas Frick und Fabian Heldner bereits drei Nationalspieler und jetzt gesellte sich auch noch Andrea Glauser (ehemals Langnau) zu dem Trio. Ausgeschieden sind Noah Schneeberger und Robin Grossmann. Im Sturm wurde, um die Tiefe zu verbessern, viel Talent geholt. Aus Biel kam Jason Fuchs, aus Davos Benjamin Baumgartner und Damien Riat wurde vom AHL-Klub Hershey Bears ausgeliehen. Etwas überraschend die Verpflichtung von Fabio Arnold aus Winterthur, der in der Swiss-League 20 Scorerpunkte erreichte. Auf den Ausländerpositionen haben Vladimir Roth, Brian Gibbons, Libor Hudacek und Charles Hudon den Verein verlassen. Mark Barberio und Cory Emmerton haben längerfristige Verträge, der Slowake Martin Gernat kam vom tschechischen Meister Trinec. Jiri Sekac hat NHL (Montreal) und KHL-Erfahrung (Kasan, ZSKA Moskau, Omsk), ebenso wie der Kanadier Phil Varone (Buffalo, Ottawa, Nur-Sultan). HW-Tipp: Der Kader ist für höheres bestimmt. Ob man an Zug und Zürich heranreicht wird man sehen. Platz 3 HC Ajoie Torwart Markus Bachschmied, Verteidiger Daniel Geschwind und Stürmer Normand Dupont, drei Namen, die für die letzte NL(A)-Saison des HCA in der höchsten Schweizer Liga stehen. Diese drei gehörten zum Stammpersonal 1992/93, danach ging es bis in die dritte Klasse runter und nach zwanzig Jahren Zweitklassigkeit stieg Ajoie, dank Corona, wieder in die Erstklassigkeit auf. Das Ziel kann nur der Klassenerhalt sein. Da kommt ein später Emporkömmling im Tor gerade recht. Tim Wolf, eigentlich schon fast als Nr. 1-Torhüter gescheitert, beeindruckt seit seinem Beginn in Ajoie, kommt im Schnitt auf 93 Prozent Fangquote und brachte es in den letzten Play-Offs gar auf 94,4 Prozent. Die Verantwortlichen hoffen, dass er, ähnlich wie Melvin Nyffeler (Rapperswil), einschlägt und die berühmte Wand darstellt. Die Defensive ist relativ schmal aufgestellt. Ganze acht Verteidiger, darunter nur Alain Birbaum mit 700 Spielen NL-Erfahrung. Der Rest kann vereinzelte Spiele anführen, mehr nicht. Auch keine NL-Erfahrung, dafür aber aus der ICEHL (Wien), kann der Kanadier Jerome Leduc vorweisen. Gezielt wurde im Sturm die Tiefe verbesserst. Aus Lugano kam Matteo Romanenghi, von Ambri-Piotta Dario Rohrbach und mit Martin Ness aus Rapperswil eine echte Verstärkung. Bei den Ausländern wurde die frankokanadische Fraktion auf vier Spieler erhöht. Zu den etablierten Stars Jonathan Hazen und Philipp-Michael Devos kamen Leduc und Guillaume Asselin aus Sierre. HW-Tipp: Man tat im Sommer was man kann. Trotzdem kann das Ziel nur Klassenerhalt lauten. Platz 13. EV Zug Für den EVZ war es bitter. Der erste Meistertitel seit 1999 und dann vor coronaleeren Rängen. Das soll nicht noch mal passieren und so streben die Innerschweizer die erfolgreiche Titelverteidigung an. Im Tor stehen weiterhin Leonardo Genoni und Luca Hollenstein. Es wird dabei erwartet, dass Hollenstein in der Vorrunde vermehr Einsätze erhält, um als Nachfolger von Genoni aufgebaut zu werden. In der Defensive musste General-Manager Reto Kläy einen kleinen Spagat hinlegen, der evtl. zu Lasten der Offensive geht. Mit Tobias Geisser, Raphael Diaz und Santeri Alatalo verließen gleich drei Topspieler den Verein. Als Ausgleich kam lediglich Samuel Kreis aus Biel. Der Spagat bestand darin, dass zwei Kontingentpositionen mit Verteidigern (Hansson, Djoos) besetzt wurden. Im Sturm verließ Gregory Hoffmann den EVZ in Richtung NHL (Columbus). Dafür kamen Publikumsliebling Reto Suri aus Lugano zurück und aus Davos kam Fabrice Herzog. Überraschender dritter Zugang Marco Müller (Ambri-Piotta). HW-Tipp: Auf allen Positionen gut bis sehr gut besetzt. Für Zug kann es nur um den Meistertitel gehen. Platz 1 SC Bern In der Hauptstadt ist man genervt. In den letzten zehn Jahren fünfmal Meister und in den letzten beiden Spielzeiten zum Nobody abgestürzt. Dass darf nicht sein und so musste die erste General-Managerin Europas, Florence Schelling, nach nur einem Jahr ihren Hut nehmen. Nachfolger ist Andrew Ebbett, im letzten Jahr noch Spieler bei Red Bull München in der DEL. Eine seiner wichtigsten Amtshandlungen war, den Torhüterposten nicht mit einem Kontingentspieler zu besetzen, auch wenn Tomi Karhunen eine Topbesetzung war. Neuer Nr. 1 ist Philip Wüthrich, der sich steigern muss, will er seinen Stammplatz behalten. Ihm zur Seite steht der 37jährige Routinier Daniel Manzato. In der Defensive gingen Miro Zryd (Langnau) und Yanik Burren (Ambri), neu nur Christian Pinana (Ambri). Im Angriff verließen zwei Akteure, Inti Pestoni und Andre Heim, den SCB ebenfalls in Richtung Ambri. Da auch Sopa (ZSC) ging, wurde der Aderlass nicht mit Transfers aufgefangen. Lediglich Timothy Kast von Servette Genf bestreitet gerade einen Try-out. Ansonsten geben die Berner ihrem Nachwuchs eine Chance. Mit Ronny Dähler, Noah Fuß und Joshua Fahrni haben gleich drei Juniorenspieler eine Chance, sich ihre ersten Meriten zu verdienen. Bei den Ausländern sticht zunächst Dominik Kahun, Wunschspieler von Ebbett, ins Auge. Dazu kommen noch Cory Conacher, Dustin Jeffrey und der Lette Kaspars Daugavins, wobei letzterer in über 400 KHL-Partien 300 Scorerpunkte sammelte. HW-Tipp: Das einstige Aushängeschild kann sich nur über die Pre-Play-offs einen Play-off-Platz sichern. Platz 10 Servette Genf Wer Vizemeister geworden ist, will danach den letzten entscheidenden Schritt machen. Für Genf bedeutet diese Maßgabe die Meisterschaft. Da wäre es natürlich wichtig, wenn die Torhüter richtig stark sind und gerade hier könnte es bei Genf hapern. Für den nach Bern abgewanderten Daniel Manzato muss das Talent Stephane Charlin ran, das zuletzt bei La-Chaux-de-Fonds in der Swiss League spielte. Nummer 1 ist und bleibt mit Gauthier Descloux einer der besten Schweizer Keeper. In der Defensive stimmt Qualität und Quantität. Die Defensive blieb gleich und auch die Offensive wurde nur marginal verändert. John Fritsche (Lausanne) und Timothy Kast (Bern) gingen, dafür kam Benjamin Antonietti aus Lausanne. Bei den Ausländern musste kurzfristig für Linus Omark Ersatz gefunden werden. Dies wurde in dem 37jährigen Finnen Valtteri Filppula (1220 NHL-Spiele) gefunden. Ähnlich jung Marc-Antoine Pouliot, der mit seinen 36 Lenzen aus Biel kam. Hier hofft man, dass Pouliot demnächst eine Schweizer Lizenz erhält. Weitere Ausländer wären noch Henrik Tömmernes und Daniel Winnik. HW-Tipp: Nur wenn man vom Verletzungspech verschont bleibt, ist ein direkter Play-Off-Platz drin. Platz 6 SC Rapperswil-Jona Lakers Für die Lakers geht der Kurs klar nach oben und mit dem Thema Abstieg beschäftigt sich niemand. Einer der Gründe der Lakers steht im Tor. Seit dem Aufstieg vor vier Jahren wurde immer dem gleichen Duo das Vertrauen geschenkt. Und Melvin Nyffeler und Noel Bader rechtfertigten dieses Vertrauen mit starken Leistungen. In der Defensive wurde grundaufgeräumt. Mit Mauro Dufner (Fribourg), Dominik Egli (Davos), Flurin Randegger (Kloten) und Daniel Vukovic verließen gleich vier Spieler die Lakers. Das Vertrauen soll in drei ehemalige U-20 Nationalspieler fließen. Dies wären David Aebischer, Nathan Vouardoux und Inaki Baragano. Dazu kommt noch aus Langnau Alain Bircher. Noch besser die Transferausbeute in der Offensive. Mit Yannick-Lennart Albrecht konnte ein NL-erfahrener Spieler vom Meister Zug gewonnen werden. Auch Dominic Lammer und Sandro Zangger (beide Lugano) und Benjamin Neukom (Langnau) sind keine Mitläufer. Wichtigste Aktion vor Saisonbeginn. Die lebende Legende Roman Cervenka verlängerte seinen Vertrag um zwei Jahre. Für den dauerverletzten Steve Moses kam aus der KHL Zack Mitchell (Minsk). Andrew Rowe blieb und für die zuletzt schwächelnde Abwehr konnte der Schwede Emil Djuse (KHL; Spartak Moskau) geholt werden. HW-Tipp: Trotz der starken Transfers wird es im Pre-Play-off-Rennen eng. Platz 9 EHC Biel Die mit 55.000 Einwohnern zehntgrößte Stadt der Schweiz fiebert, nach zwei Halbfinalteilnahmen 2018 und 2019, wieder nach größeren Zielen. Ob das gelingen kann, hängt meistens von einer guten Defensive ab. Besonders bei den Torhütern hofft man in Biel, dass Joren van Pottelberghe endlich sein Potenzial abruft. Mit Elien Paupe steht ein Back-up bereit, bei dem ebenfalls Luft nach oben besteht. In der Abwehr gingen gleich vier Akteure. Samuel Kreis (Zug), Stefan Ulmer (Chaux-de-Fonds), Riccardo Sartori und vor allem Janis Moser. Das Supertalent versucht sich in der NHL bei Arizona. Für dieses Quartett kamen die erfahrenen Robin Grossmann und Noah Schneeberger (beide Lausanne). Im Sturm blieb, bis auf zwei Positionen, alles gleich. An Stelle von Jason Fuchs (Lausanne) kam Gaetan Haas zurück aus der NHL (Edmonton) und für Anton Gustafsson kam Etienne Froidevaux (Lausanne). Bei den Kontingentposten kamen gleich drei Neue. Lediglich Toni Rajala blieb. Neu sind Viktor Lööv (KHL; Jokerit Helsinki), Alexander Yakovenko (Jukurit; FIN2) und Jere Sallinen (IFK Helsinki). HW-Tipp: Biel hat das Potenzial für eine erneute Halbfinalteilnahme. Platz 4 HC Ambri-Piotta Für die Gallier aus dem kleinen Tessiner Tal südlich des St. Gotthards hieß es zuletzt nur „Überleben“ mit dem großen Ziel, mit dem neuen Stadion neue Zeiten anbrechen zu lassen. Eröffnet wurde die Halle mit stimmungsvoll dem Lied der Valascia: La Montanara. Bei den Torhütern blieb auch hier alles beim Alten. Damiano Ciaccio und Benjamin Conz versuchen, das Tor rein zu halten. Das könnte gut ausgehen, aber Conz gilt als verletzungsanfällig. Für die Not wurde mit Stefan Müller ein dritter Keeper vom Farmteam aus Biasca lizensiert. Die Defensive verliert quantitativ nur einen Spieler, aber der hatte es in sich. Michael Ngoy bestritt 1.038 NL-Spiele und seine Erfahrung wird mit Sicherheit fehlen. Ansonsten tauschten nur Yanik Burren und Christian Pinana (Bern) die Trikots. Im Sturm kamen aus Bern zwei weitere Spieler. Einmal der verlorene Sohn Inti Pestoni und dazu das Talent Andre Heim. Dritter im Bunde ist Dario Bürgler, den es aus Lugano in die Nachbarschaft zog. Alle drei sind ein Gewinn für die Offensive. Nur schade, dass trotz laufenden Vertrages Marco Müller weiter nach Zug zog. Bei den Kontingentspielern sieht es in diesem Jahr wohl etwas besser aus. Julius Nätinen (Växjö Lakers), Brian Flynn (Nattinen Jersey Devils), Brendan Perlini (Edmonton Oilers) und Jiri Novotny gingen. Lediglich der dauerverletzte Matt d`Agostini blieb. Neu im Kader sind Defender Juuso Hietanen (Histonen Moskau), Peter Regin (KHL; Jokerit Helsinki), Brandon Kozun (KHL; Dinamo Minsk) und Brandon MacMillan (KHL; Nischnekamsk). Letzterer kennt auch die DEL mit Ingolstadt aus der Saison 2015/16. HW-Tipp: Die neue Halle ist sicherlich eine enorme Motivation. Trotzdem wird es schwer, eine Pre-Play-off-Teilnahme zu erreichen. Platz 11

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