Arno del Curto verlässt den HC Davos nach schwachem SaisonstartSeit 1996 Cheftrainer beim gleichen Verein

Nach über 22 Jahren ist Arno del Curto nicht mehr Trainer des HC Davos. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Nach über 22 Jahren ist Arno del Curto nicht mehr Trainer des HC Davos. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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Arno del Curto, 1956 im malerischen St. Moritz geboren, war als Spieler kein Akteur, an den man sich zurückerinnern würde. Seine höchste Spielklasse war mal die NLB, in der er 1973/74 für den Zürcher SC aktiv war. Ansonsten war die drittklassige 1. Liga seine sportliche Heimat.

Das Schicksal spielte del Curto zunächst übel mit. Bereits mit 21 Jahren beendete er seine Karriere nach einem Fußgelenkbruch und er wechselte als sportlicher Leiter direkt in Führungsstäbe, wobei die erste Station beim EHC Buochs sogar viertklassig war. 1982 ging es in die drittklassige 1. Liga zum SC Küsnacht und 1989 bereits in die zweite Liga zum SC Herisau. Dort zeigte del Curto starke Leistungen, rettete mit seinem Coaching seinem Klub den Klassenerhalt und das überzeugte die Macher im nahen Zürich, die ihm die Leitung des ZSC übergaben. Dort reichte es in allen drei Jahren zu Play-off-Teilnahmen, es wurde 1991/92 sogar das Halbfinale erreicht. Es folgte ein Engagement beim Schweizer Verband, für den er die U20-Nationalmannschaft übernahm und gleichzeitig coachte er den drittklassigen SC Luzern. Im Juli 1996 kam Arno del Curto schließlich zum HC Davos, den er bis zum heutigen Tag sportlich aber auch teilweise als Manager betreute. Seit dem 1. Juli 1996 vergingen bis heute 8.184 Tage oder auch 22 Jahre und vier Monate.

In diesen 22 Jahren holte del Curto für seinen HC Davos sechs Meistertitel (2002, 2005, 2007, 2009, 2011 und 2015), stand zusätzliche dreimal im Finale (1998, 2003, 2006) und erreichte in jedem Jahr die Play-off-Qualifikation. Die letzte Verfehlung datiert aus der Saison 1992/93, als der HC Davos noch zweitklassig war und unter der Leitung des Schweden Mats Waltin NLB-Champion wurde. In del Curtos Vita sind von den 22 Jahren beim HCD, wenn man die aktuelle Spielzeit außen vor lässt, nur ganze zwei Saisonen zu finden, in denen das Punkteverhältnis remis bzw. negativ war. 1998/99 und 1999/2000 und selbst in diesen Zeiten brachte er seinen Verein in die Play-offs.  Außerdem coachte er seinen „international“ verstärkten HCD beim alljährlich im Dezember durchgeführten Spengler-Cup, dem ältesten Vereinsturnier der Welt. Dort gewann er mit dem HD Davos viermal den Titel. Vor allem im Jahr 2000 war es eine echte Überraschung, war es doch der erste Schweizer Sieg nach 42 Jahren. Den letzten Titel dieses Wettbewerbs heimste er 2012 ein.

Dieser Arno del Curto hat nunmehr nach 21 Spieltagen die Konsequenz aus dem schwachen Start seines Vereines gezogen und die Leitung abgegeben. Allerdings muss man sich fragen, warum eine Mannschaft, die mehr Potenzial hat als der aktuelle Platz 11 mit neun Punkten Rückstand auf den HC Ambri-Piotta in den letzten Wochen zuhause desaströse Leistungen bot und dann, zumindest stellenweise, auswärts trotz aller Widrigkeiten brillierte. Lediglich beim zweiten Saisonheimspiel gegen Aufsteiger Rapperswil zeigten die Davoser beim 2:0 eine gute defensive Leistung. Negativhöhepunkte waren das 0:7 gegen Langnau, 3.7 gegen Biel, 1:6 gegen Lugano und 1:8 gegen Zug. Auswärts klappte es dann besser. Ein 2:1 in Zug, 5:1 letzte Woche in Zürich, 7:2 in Biel und 5:1 in Lausanne zeigen deutlich, dass das Team am Siegesdruck auf eigenem Eis zerbrach.

So war es dann auch kein Wunder, dass einige Fachleute in der Schweiz mit dem Abgang von del Curto rechneten, aber letzten Ende dann doch vom Zeitpunkt überrascht wurden. Davos Präsident Gaudenz Domenig, ein Zürcher Wirtschaftsanwalt, sagte: „Er hat lange damit gerungen. Wir hofften auf einen anderen Entscheid, aber es ist eine von Arnos großen Qualitäten, dass er ein sehr konsequenter Mensch ist. Er hat immer gesagt, dass er gehen würde, wenn er die Mannschaft nicht mehr erreiche.“ Auch Hansruedi Camenisch, HCD-Berichterstatter bei der heimischen Davoser Zeitung meinte: „Arno war nicht mehr derselbe, es schien, als sei ein Feuer in ihm erloschen.“ Ob es wirklich so war, ist natürlich nur schwer zu eruieren. Arno del Curto wollte persönlich nichts zu den Gründen seines Abganges sagen. Sein Kommentar: „Es lag nicht an der Mannschaft. Wir haben viele Spiele stellenweise nur mit einem Ausländer bestreiten können, hatten viele junge Spieler eingebaut. Das geht nicht von heute auf morgen. Ich persönlich glaube, dass es für mich besser gewesen wäre, wenn ich bereits im Sommer aufgehört hätte. Die letzte Saison war einfach zu lange für mich. Jetzt wird ein neuer Trainer kommen mit einem neuen Konzept. Das Team hat das Potenzial für Platz acht und ich glaube, dass es noch einmal richtig spannend wird.“