14:5 - EV Zug überrollt ZSC Lions am DoppelspieltagSaisonstart in der National League

So möchten die ZSC-Fans ihren Top-Neuzugang: In Jubelpose, wie hier nach seinem Treffer gegen Rapperswil. Gegen Zug setzte es zuletzt aber zwei deutliche Niederlagen. (dpa / picture alliance / KEYSTONE | PATRICK B. KRAEMER)So möchten die ZSC-Fans ihren Top-Neuzugang: In Jubelpose, wie hier nach seinem Treffer gegen Rapperswil. Gegen Zug setzte es zuletzt aber zwei deutliche Niederlagen. (dpa / picture alliance / KEYSTONE | PATRICK B. KRAEMER)
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ZSC Lions: Der Favorit mit Fragezeichen

In der Stadt am Limmat lechzt man nach Play-Off-Spielen. 2018 wurde man zwar Meister, aber ein Jahr später folgte der Absturz, als der Titelverteidiger es nicht in die zweite Runde schaffte. Nach der agebrochenen vergangenen Saison wollen die Lions wieder angreifen. Und sie haben dafür auf dem Transfermarkt ein paar geschickte Schachzüge durchgeführt, mit denen sie die ohnehin schon hohe Qualität ihres Kaders noch weiter verbesserten.

Tor: Lukas Flüeler, seit 2007 im Tor des ZSC, ist ein starker Keeper (91 Prozent Fangquote), dem es lediglich manchmal an Konstanz fehlt. Nachdem die finnische Absicherung Joni Ortio sich ins ferne Kasachstan (Nur-Sultan) veränderte, musste Ersatz gefunden werden: Ludovic Waeber, 24jähriger Dauer-Back-up in Fribourg, möchte seinen den Karriereschritt machen und entschied sich für den ZSC.

Verteidiger: Die bereits starke Verteidigung wurde mit einem weiteren gestandenen Crack mehr als nur ergänzt, von dem niemand erwartet hatte, dass er wechseln würde. Der Franzose Johann Morant kam nach sechs Jahren in Zug zum ZSC und verstärkte die Defensivabteilung um Super-Verteidiger Maxim Noreau noch einmal nachhaltig.

Sturm: Trainer Rikard Grönborg und sein Sportmanager Sven Leuenberger hielten sich extrem zurück, holten nur einen Spieler, aber der hatte es in sich. Sven Andrighetto erhielt in Omsk (KHL) nach zuvor 216 NHL-Spielen für Colorado und Montreal keinen neuen Vertrag und so schlug der ZSC zu, gab dem neuen Diamanten im Lions-Collier gleich einen Vertrag bis 2025. Zusammen mit dem Ausländer-Trio Garrett Roe, Marcus Krüger und Fredrik Pettersson sollte Andrighetto für die erhoffte Offensivmagie sorgen, die das Team ins Finale zaubert. Dazu kommen eine Handvoll Nationalspieler wie Patrick Geering, Christian Marti, Dennis Hollenstein, Reto Schäppi sowie Chris Baltisberger, die sich alle im besten Eishockey-Alter befinden sowie einige Junioren-Nationalspieler, die ebenfalls auf einen Platz im ZSC-Kader hoffen.

Aktuell: Die Zürcher schienen nach durchwachsenem Start auf dem richtigen Weg zu sein. Vier Siege in Folge ebneten den Weg an die Spitze - und dann kam der EV Zug. Ausgerechnet der vom Top- zum Mitfavoriten heruntergestufte Konkurrent zog dem ZSC zweimal die Tracht aus: Mit 6:3 und nur einen Tag später sogar mit 8:2 machten die Zuger zahme Kätzchen aus den Lions. 

Fazit: Die ZSC Lions haben - trotz der Doppelpleite - den Kader für das Finale. Da kann man aus Zürcher Sicht nur hoffen, dass die Nerven halten.  

EV Zug: Vom Top- zum Mitfavorit

Vor der letzten Saison sagten die meisten Experten dem EV Zug eine Spitzensaison voraus mit Platz eins nach der Vorrunde und dem ersten Titel seit 1998. Am Ende wurde es, nach einer Niederlage am letzten Spieltag, nur Platz zwei und die Play-Offs fielen komplett aus. Sieben Monate später, bedingt durch die Pandemie, musste gespart werden. Die Zuger befinden sich auf einem Niveau, bei dem man nicht mehr vom großen Favoriten sprechen kann. Allerdings ist spielerische Klasse immer noch vorhanden, so dass man dem Team das Halbfinale, bei optimalem Verlauf auch das Finale zutrauen kann.

Tor: Die Nummer Eins ist und bleibt Leonardo Genoni. Der 32jährige brauchte vor einem Jahr etwa zwei Monate, um in Zug warm zu werden, dann aber war er der erhoffte Rückhalt. Back-up Luca Hollenstein lernt und war bei seinen regelmäßigen Einsätzen immer bereit.

Verteidigung: Drei Abgänge stehen zu Buche, die Zuger Fans zwar nicht zittern lassen, aber in der Breite dem EVZ schadeten. Thomas Thiry und Miro Zyrid (beide Bern) sowie Johann Morant (ZSC) gingen, neu kamen dafür Claudio Cadonau (Langnau), Nico Gross (Oshawa/OHL) und Tobias Geisser (Hershey/AHL). Dazu gesellen sich mit Livio Stadler und Dario Wüthrich zwei talentierte Junioren. Zusammen mit den etablierten Raphael Diaz und Santeri Alatalo sollte die nur neunköpfige Defensive höheren NL-Ansprüchen genügen.

Sturm: Die Fans mussten erst einmal den Abgang eines ihrer Heroen verkraften. Fabian Schnyder, fast zwanzig Jahre fest beim EVZ integriert, beendete aus persönlichen Gründen nach fast 800 Spielen seine Karriere. Wichtigster weiterer Abgang war Oscar Lindberg, den es zu Dynamo Moskau zog.

Den Zugern, die aufgrund der Pandemie ebenfalls sparten, gelang es jedoch, mit Calvin Thürkauf einen Schweizer NHL-Spieler, dessen Vertrag in Columbus auslief, zurückzuholen. Vermutlich wird Thürkauf, dessen Status im Augenblick Free Agent ist, einen neuen Vertrag in der NHL unterschreiben, aber bis dahin wirkt er in Zug. Und den Zugern gelang noch ein, wenn auch etwas kleinerer Coup. Der 21jährige Ryan MacLeod kam auf Leihbasis von den Edmonton Oilers, erhält sein Geld weiterhin aus Kanada und soll in Zug Spielpraxis bekommen.

Aktuell: Offenbar kommen die Zuger mit dem Status des nicht mehr ganz so soch gehandelten Favoriten gut zurecht: Nach sieben Spieltagen stehen sie doch etwas überraschend an der Spitze der National League, zeigten sich dem bisherigen Tabellenführer Zürich in zwei Partien hintereinander überlegen. Jetzt folgen zwei Heimspiele gegen Langnau und Ambri, so dass man die Position ausbauen kann.

Fazit: Da drei der bisherigen Kontingentspieler (Jan Kovar, Carl Klingberg, nicht verwandt mit Dallas-Star John Klingberg, und Erik Thorell) blieben, wird erwartet, dass die eingespielten Zuger auch in dieser Saison ganz vorne mit dabei sind, vielleicht sogar aus dem Windschatten einen Angriff auf den Thron starten könnten.

Saisonstart nach Corona-Vorgaben und mit neuem Modus

Eishockey auf dem höchsten Niveau ist zurück in der Schweiz. Bis zur Normalität ist es aber noch ein weiter Weg. Zwei Maßnahmen zeigen deutlich, dass über dem Ganzen das Damoklesschwert mit der Corona-Klinge schwebt: Zum einen wird nur, nach Kantonalvorgaben, ein gewisser Teil der gewohnten Zuschaueranzahl in die Stadien gelassen, daneben sind keine Gästefans zugelassen und auch dem Alkohol darf nur vor dem Stadion gefrönt werden. Und in dieser Saison kann zwar ein Team aus der Swiss League, bei verifizierten finanziellen Möglichkeiten, aufsteigen, aber kein Erstligist muss Angst haben, in der nächsten Saison im Unterhaus spielen zu müssen.

Auch die Play-Offs wurden umgestaltet und werden zu einem großen Teil ähnlich gespielt wie vielen anderen Ländern, unter anderem auch Deutschland. In der Vorrunde werden zunächst zwei Doppelrunden mit jeweils 22 Partien (44 Spiele in der Hauptrunde) durchgeführt. Dazu kommen, eingestreut in die Vorrunde, sechs weitere Spiele gegen Vereine, die in regionaler Nähe liegen. Nach der Vorrunde haben die beiden Teams auf den Plätzen elf und zwölf Sommerpause, während die Teams der Plätze sieben bis zehn eine Pre-Play-Off-Runde im Best-of-three-Modus spielen. Ab dem Viertelfinale werden die Play-Offs wie gewohnt im Best-of-seven-Modus durchgeführt.

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