KHL: 33. Meistertitel für ZSKA Moskau4:3-Seriensieg im Finale gegen Metallurg Magnitogorsk

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Außerdem hatte der Titel einen leichten faden Beigeschmack, denn zwei Mannschaften schieden im Februar, nachdem Russland die benachbarte Ukraine militärisch überfallen hatte, aus Protest aus. Zum einen der lettische Club Dinamo Riga, der nach der Vorrunde nach 45 Vorrundenspielen mit 37 Punkten nur 22. von 24 Teams war und die Play-Offs sowieso nicht geschafft hatte und der finnische Club Jokerit Helsinki. Bei diesem verhielt sich die Situation etwas anders, denn Jokerit stand in der Gesamttabelle mit 64 Punkten nach 47 Spielen auf Rang sechs, hatte noch gute Chancen auf Platz drei vorzurücken und damit eine Spitzenposition auch für die anstehenden Play-offs einzuheimsen. Kurios: ZSKA Moskau kam sogar nur als Siebter über die Vorrundenziellinie, punktgleich mit Sewerstal Tscherepowez, zeigte dann aber unter Druck, dass die Psyche stimmt.

In der ersten Runde traf ZSKA auf den Tabellendreizehnten, Lokomotive Jaroslawl, der jedoch keine Bedrohung darstellte. Der geografische Nachbar, die Entfernung beträgt gerade einmal 270 Kilometer, hatte keine Chance, ZSKA kam mit einem Sweep (4:3, 4:1, 3:2, 4:1) in die zweite Runde. Zu sehen im kostenlosen KHL Live Stream.

Dort wartete ein besonderer Gegner auf ZSKA, dem Armeeklub, und zwar Dynamo Moskau. Beide Teams verbindet seit ihrer Gründung, beide wurden 1946 ins Leben gerufen, eine innige Konkurrenz. Aber auch Dynamo Moskau war nicht in der Lage, ZSKA in dessen Schranken zu weisen. Auch im stadtinternen Duell setzte sich Favorit ZSKA mit einem Sweep (3:2, 4:2, 2:1, 6:3) letztendlich sogar klar durch.

Richtig schwer sollte es dagegen im Conference-Finale, dem KHL-Halbfinale werden. Dort bekam es ZSKA mit SKA St. Petersburg zu tun. St. Petersburg war mit 68 Punkten Dritter in der KHL geworden und galt als hauchdünner Favorit. Aber ZSKA begann die Serie sofort mit einem Break, gewann die erste Partie auswärts mit 3:1. Es folgte ein 2:1 für St. Petersburg, aber ZSKA behielt die Nerven nach der ersten Play-off-Niederlage, gewann zuhause mit 6:2, um dann, etwas überraschend, mit 2:3 zu verlieren. Jetzt stand die Serie 2:2. Die nächsten beiden Partien gingen jeweils an den Gastgeber. SKA St. Petersburg gewann mit 3:2, ZSKA mit 3:1. In Spiel sieben hatte das Team von der Nova Heimrecht und konnte diesen großen Vorteil nicht nutzen. Sergei Plotnikov (24.,38.) und Konstantin Okulov (59.) trafen für die Hauptstädter zum 3:0 und damit zog ZSKA ins Finale ein. Witziges Detail in dieser Begegnung. Das 2:0 von Plotnikov fiel so schnell, dass es dem Schiedsrichter-Quartett erst zwanzig Sekunden später auffiel. Damit hatte ZSKA Moskau das Finale erreicht.

Gegner im Finale wurde schließlich Metallurg Magnitogorsk. Der fünffache Meister, zuletzt 2016, hatte am Ende in der Gesamtwertung Platz eins mit 71 Punkten geholt, allerdings äußerst knapp, denn Vizevorrundenmeister Traktor Tscheljabinsk kam ebenfalls auf 71 Zähler.

Magnitogorsk musste sich in der ersten Runde mit dem kasachischen Vertreter Barys Nur-Sultan auseinandersetzen. Nur-Sultan hatte die Vorrunde als 17. abgeschlossen und galt als klarer Außenseiter. So kam es am Ende auch, aber immerhin konnte Barys Nur-Sultan einen Sweep verhindern, gewann dabei sogar die Auftaktpartie in Magnitogorsk mit 3:2. Danach blieb allerdings Metallurg mit 6:2, 5:3, 5:2 und 3:1 siegreich.

In der zweiten Runde wurde jedoch Magnitogorsk vom Avangard Omsk, dem Titelverteidiger, gleich in der ersten Partie komplett abgekocht. Mit 8:1 gewann Omsk die Partie und blieb auch in der zweiten Begegnung mit 7:5 siegreich. Alles sah nach einem Sweep für Avangard aus, aber jetzt kam Magnitogorsk mit aller Macht zurück. Die beiden Spiele in Omsk wurden mit 5:2 und 5:1 gewonnen. Spiel fünf ging mit 5:2 an Magnitogorsk, Spiel sechs mit 6:1 an Omsk. Somit musste Spiel sieben entscheiden und diesmal hatte Metallurg die starke Offensive des Gegners voll im Griff, gewann klar mit 4:0 und zog ins Conference-Ost-Finale ein, wo Traktor Tscheljabinsk wartete. Auch diese beiden Städte sind Nachbarn, liegen nur 300 Km auseinander. Zur Erinnerung: In der gleichen Gruppe liegt Wladiwostok 7.500 Kilometer von Magnitogorsk entfernt. Hier zeigte sich Magnitogorsk in Topform. Zunächst gewann man mit 3:2, verlor danach mit 4:6, um schließlich die letzten drei Partien mit 2:1, 6:0 und 2:1 für sich zu entscheiden. Damit hatte Metallurg Magnitogorsk das Finale erreicht.

Und in diesem Finale zeigte sich, dass der Kopf ein entscheidendes Instrument zum Erfolg sein kann. Im Auftaktspiel kassierte Metallurg eine 1:3-Heimniederlage. Einem Doppelschlag von Sergei Andronov (24.) und Nikita Nesterov (27.) konnte zwar Maxim Karpov (32.) mit dem 1:2 beantworten, aber Sergei Plotnikov (58.) traf kurz vor Ende mit einem Empty-Netter zum Endstand 3:1 für ZSKA Moskau.

Metallurg hatte scheinbar aus den Fehlern zum Auftakt gelernt, denn die zweite Begegnung konnte mit 6:4 siegreich gestaltet werden. Hier schossen für Metallurg Philippe Maillet (7.), Linus Schulstress (25.), Nekolenko Arkhip (26.), Denis Zernov (36.), Brendan Leipsic (38.) und Nikolay Goldobin (54.) die Tore, für ZSKA waren Vitaly Abramow (23.), Mikhail Grigorenko (25.), Anton Slepyshev (32.) und Konstantin Okulov (60.) die Torschützen.

Worauf sich die eingangs erwähnten Nerven bezogen, zeigten die Spiele zwei und drei. Beide Begegnungen gingen an Metallurg und das auch noch ohne Gegentor. Mit 4:0 und 1:0 blieb das Team  von der kasachisch-russischen Grenze erfolgreich und der erste Titelgewinn seit 2016 war zum Greifen nahe.

War, denn danach zeigte Metallurg Magnitogorsk Nerven, verlor zuhause mit 2:3, in Moskau mit 1:2 und im entscheidenden siebten Spiel, bei Heimrecht, mit 1:4. Die entscheidenden Tore in dieser Partie markierten Philippe Maillet (40.) für Metallurg sowie Pavel Karnaukov (9.), Alexander Popov (10.), Konstantin Okulov (37.) und Vladislav Karmenev (57.) für ZSKA. Damit hatte der neue KHL-Titelträger es fertig gebracht, im Halbfinale und Finale jeweils das entscheidende siebte Spiel auswärts zu gewinnen. Eine Leistung, die die Meisterschaft im Nachhinein rechtfertigte.