Interview mit Stanley-Cup-Sieger Afanasenkow - Showtraining in Kloten

Interview mit Stanley-Cup-Sieger Afanasenkow - Showtraining in KlotenInterview mit Stanley-Cup-Sieger Afanasenkow - Showtraining in Kloten
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Ab heute bereiten sich die russischen NHL-Stars in der Schweiz in Kloten, der neuen Heimat ihres Assistenztrainers Vladimir Jursinov, auf den anstehenden World Cup vor. Am Freitag kommt es dabei zu einem Showtraining und Showteil für die Fans im Klotner Schluefweg, nachdem ein Freundschaftsspiel versicherungstechnisch nicht möglich war. Um 18.30 Uhr kann die russische Nationalmannschaft bei einem einstündigen Showtraining unter den Coaches Bilyaletdinov und der ehemaligen Goalielegende Tretjak bewundert werden. Kommentiert werden die Trainingssequenzen von Vladimir Jursinov. Anschließend stehen die Dollar-Millionäre Kasparaitis, Tverdovsky, Fedorov, Bure, Kozlov, Afanasenkov, Yashin und wie sie alle heißen den Fans für Autogramme zur Verfügung. Dazu werden 600 T-Shirts mit sämtlichen Unterschriften der Stars zum Preis von nur 29 Franken verkauft, wobei der gesamte Reinerlös in die Kasse der Kloten Flyers geht. Um 20.30 Uhr folgt dann das Vorbereitungsspiel der Kloten Flyers gegen den tschechischen Extraligist Karlovy Vary.

Das Programm vom Freitag:

18.30 – 19.30 Uhr: Showtraining des russischen Nationalteams mit 20 Stars aus der National Hockey League - Leitung: Zinetula Bilyaletdinov (Ex-Trainer Lugano), Vladislav Tretjak (Ex-Goalie-Legende) - Kommentar: Vladimir Jursinov (Trainer Kloten Flyers)

20.00 Uhr: NHL-Stars zum Anfassen! Autogrammstunde und Foto-Shooting mit den NHL-Stars. Am Verkaufsstand: 600 Spezial-T-Shirts des russischen Nationalteams, signiert von allen Spielern. Preis: Fr. 29.— (gesamter Erlös zugunsten der Kloten Flyers)

20.30 Uhr: Freundschaftsspiel Kloten Flyers – Karlovy Vary (Extraliga Tschechien)

23.00 Uhr: Nachtessen für geladene Gäste im Hotel Hilton und Versteigerung der signierten Original-Dresses der russischen Nationalmannschaft


Das russische Aufgebot:

Torhüter: Maxim Sokolov (Omsk/RUS), Alexander Fomitchev (Novosibirsk/RUS), Ilya Bryzgalov (Anaheim/NHL, rückt später nach), Evgeny Nabokov (San Jose/NHL, rückt später nach, fällt ev. verletzt aus)

Verteidiger: Sergei Gonchar (Boston/NHL), Andrei Markov (Montréal/NHL), Darius Kasparaitis (New York Rangers/NHL), Oleg Tverdovsky (Omsk/RUS), Alex Khavanov (St. Louis/NHL), Anton Volchenkov (Ottawa/NHL), Vitaly Vishnevski (Anaheim/NHL), Dmitri Kalinin (Buffalo/NHL)

Stürmer: Ilya Kovalchuk (Atlanta/NHL), Alexei Yashin (New York Islanders/NHL), Oleg Kvasha (New York Islanders/NHL), Pavel Datsyuk (Detroit/NHL), Alexei Kovalev (Montréal/NHL), Sergei Samsonov (Boston/NHL), Maxim Afinogenov (Buffalo/NHL), Dainius Zubrus (Washington/NHL), Alexander Ovechkin (Dynamo Moskau/RUS), Artem Chubarov (Vancouver/NHL), Viktor Kozlov (New Jersey/NHL), Dmitri Afanasenkov (Tampa Bay/NHL), Andrei Kovalenko (Yaroslavl/RUS), Alexei Morozov (Kazan/RUS), Oleg Petrov (Zug/SUI)


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Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Mit den Kloten Flyers scheiterte Dimitri Afanasenkow im Frühjahr 2003 im Playoff-Viertelfinale am

damaligen Meister Lugano. Nur ein Jahr später gewann der 24-jährige Russe mit dem NHL-Klub Tampa Bay den Stanley Cup! 


So werden Helden geboren: Trotz seinem Traumtor in der Playoff-Serie gegen Lugano konnte Dimitri Afanasenkow im Frühjahr 2003 das Ausscheiden der Kloten Flyers im Playoff-Viertelfinale zwar nicht verhindern, aber für ihn selbst war es der Aufbruch in ein neues Leben als

Spitzen-Eishockeyspieler. Nur ein Jahr später holte der russische Powerstürmer mit dem NHL-Klub Tampa Bay die Stanley-Cup-Krone und damit die höchste Auszeichnung, die in diesem Sport vergeben wird. Im Schluefweg kommt es nun zum Wiedersehen mit dem NHL-Star, denn Afanasenkow gehört inzwischen auch zum Stamm der russischen Nationalmannschaft. 


Sein Gastspiel in Kloten beschränkte sich auf fünf Partien gegen den HC Lugano. Dann war die Saison 2002/03 für die Truppe von Wladimir Jursinow beendet und "Notnagel" Afanasenkow kehrte zu seinem Arbeitgeber nach Tampa zurück. Dort hatte man zuvor freiwillig auf seine Dienste verzichtet. Der kurzzeitige Abstecher in die Schweizer Nationalliga löste beim Russen aber offensichtlich alle mentalen Blockaden. Mit dem Vertrauen des neuen Trainers im Rücken

avancierte Dimitri Afanasenkow in der Saison 2004/05 zu den wichtigsten Figuren der "Lightnings". Mit seinem Toren trug er wesentlich dazu bei, dass der Klub aus dem südlichen Bundesstaat Florida erstmals in seiner Geschichte den Stanley-Cup gewann. 


In Kloten ein unauffälliger Söldner, in Tampa ein König. Nicht genug damit, hat der technisch brillante 92-Kilo-Brocken nun auch noch den Sprung ins russische Nationalteam geschafft. Afanasenkow ist einer von jenen 20 NHL-Legionären, die ihr Land ab 30. August am World Cup vertreten dürfen. 


Zum finanziellen Aufstieg gesellt sich privates Glück. Im Sommer 2004 heiratete Dimitri seine Lara und vor vier Monaten ist er Vater einer Tochter namens Dominika geworden. Man sieht es Afanasenkow an - er ist rundum glücklich und noch immer dankbar, dass ihm die Kloten Flyers im Frühjahr 2003 ein kurzes Gastspiel in der Schweiz ermöglichten. "Dank der Zusammenarbeit mit Trainer Jursinow habe ich mein Selbstvertrauen und damit auch den Glauben in meine Fähigkeiten wieder gefunden." 



Vom Mitläufer in der NLA zum Superstar in der besten Liga der Welt und neuerdings Mitglied der "Sbornaja". Dieser kometenhafte Aufstieg gleicht einem modernen Märchen...

Dimitri Afanasenkow: Ich kann es manchmal selbst nicht glauben. Als kleines Kind habe ich von Stars wie Tretjak, Fetisow, Krutow, Kasatonow, Larionow und dem russischen Nationalteam geträumt. Jetzt bin ich selber dabei, was zweifellos auf die hervorragende Saison mit Tampa Bay zurückzuführen ist.


Wie wichtig war da der Abstecher zu den Kloten Flyers?

Sehr wichtig. Kloten war für mich ein hervorragendes Sprungbrett, um das verloren gegangene Selbstvertrauen und die Form wieder zu finden. Denn damals steckte ich sportlich in einem regelrechten Tief, brachte keinen

Fuß mehr vor den andern. Ohne die Rückendeckung des Trainers sind allerdings auch keine Spitzenleistungen möglich. In Kloten war das ganz anders. Vom ersten Tag haben mich Trainer und Spieler voll akzeptiert. Schade nur, dass die Saison im Playoff so schnell zu Ende ging.


Wie lief es nachher in Tampa?

Im Gegensatz zum früheren Übungsleiter setzte der neue Trainer auf mich, schenkte mir das nötige Vertrauen. Ich habe es ihm allerdings mit Leistung und Toren zurück bezahlt. Dass es letztlich sogar zum Gewinn des Stanley Cup reichte, ist allerdings das Verdienst der ganzen Mannschaft. Gegen unsere Kompaktheit, Disziplin und Einsatzbereitschaft hatte jeder Gegner einen schweren Stand. Natürlich brauchte es auch eine Portion Glück, aber Glück hat bekanntlich nur der Tüchtige.


Russen, Schweden, Finnen, Tschechen, Slowaken, Deutsche und selbst Österreicher verteidigen oder stürmen in der NHL. Wieso hat bis heute kein einziger Schweizer Feldspieler den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft?

Dafür habe ich keine Erklärung. An den technischen Fähigkeiten des Einzelnen kann es nicht liegen. Die Schweizer Nationalliga ist jedenfalls besser als ihr Ruf. Vermutlich fehlt es den Schweizern am notwendigen Biss, sich gegen alles und jeden durchzusetzen. Wer in der NHL

erfolgreich sein will, muss diesen Leistungswillen haben, denn die Konkurrenz um die Stammplätze ist enorm.


Jetzt kommen Sie als Mitglied des russischen Nationalteams nach Kloten zurück, bereiten sich während vier Tagen auf den World Cup vor. Was darf der Fan im Rahmen des einstündigen Showtrainings am 20. August (18.30 - 19.30 Uhr) erwarten?

Ich garantiere, dass es ein einmaliges Spektakel und eine Trainingslektion auf höchstem Niveau zu sehen gibt. Wir demonstrieren beispielsweise die Angriffsauslösung, die perfekte Schusstechnik, das richtige Verhalten bei Überzahl und Unterzahl. Ein absolutes Novum auf Schweizer Eis, das kein Fan verpassen sollte. Zumal wir im Anschluss an dieses Showtraining noch für Autogrammstunden und persönliche Fotos zur Verfügung stehen. Dazu stehen 600 T-Shirts mit sämtlichen Unterschriften zum Verkauf. Und der Erlös aus diesem Verkauf

fließt vollumfänglich in die Kasse der Kloten Flyers.


Mit freundlicher Genehmigung von www.hockeyfans.ch

- Interview: Albert Fässler - Foto: Afanasenkow mit Trainer Jursinow by Paolo Foschini



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