"Intelligent und hart trainieren!"DEB-Leistungssportreferent Karl Schwarzenbrunner im Interview

DEB-Leistungssportreferent Karl Schwarzenbrunner. (Foto: Deutscher Eishockey-Bund e.V. (DEB) / City-Press GmbH)DEB-Leistungssportreferent Karl Schwarzenbrunner. (Foto: Deutscher Eishockey-Bund e.V. (DEB) / City-Press GmbH)
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Herr Schwarzenbrunner, es ist Sommer 2019. Sind Sie zufrieden?

Absolut! Die U18- und U20-Nationalmannschaften haben kürzlich den Aufstieg geschafft und spielen zukünftig erstklassig. Weiterhin haben die Männer- und Frauen erfolgreiche WM-Turniere gespielt. Und in der kommenden Saison dürfen wir uns erneut auf eine Heim-WM freuen – die U18-Frauen spielen in Füssen um den Aufstieg. Weiterhin haben wir einige positive Entwicklungen in der Trainerausbildung und konnten die Qualität der Lehrgänge und Fortbildungen aufgrund von zahlreicher Faktoren, wie zum Beispiel den Einsatz von renommierten Referenten, weiter steigern.

Sie wurden Anfang 2017 als Leistungssportreferent beim DEB angestellt. Wie kam es dazu?

Durch meine Tätigkeit als Athletiktrainer im Fußball stand ich bereits mit Stefan Schaidnagel in Kontakt. Als die Stelle dann vom DEB ausgeschrieben wurde, habe ich mich über den klassischen Bewerberpool durchgesetzt.

Welche Verbindung hatten Sie vorher zum Eishockey? Spielen Sie selbst?

Ich habe den Eishockeysport stetig verfolgt und stand auch selber auf dem Eis. Ich habe jedoch nie Eishockey aktiv als Leistungssport betrieben.

Die Trainerausbildung im deutschen Eishockey wurde und wird unter Ihrer Leitung neu strukturiert. Was ist im Detail neu? Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Die Trainerausbildung war bereits vor meiner Zeit beim DEB gut. Ich habe weitere Ansätze eingebracht und lege Wert auf kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen. Auch das ‚Blended Learning‘-Format über unsere Wissensplattform ist eine wichtige Neuerung. Wir arbeiten mit virtuellen Klassenzimmern, wo wir den Trainern zwischen den Modulen immer wieder begegnen. Wir haben einen großen Referentenpool im wissenschaftlichen Verbundsystem aufgebaut. Auch das Hospitieren der DEL und DEL2 bei der A-Trainer-Ausbildung ist ein wichtiger Schritt nach vorne.

Was ist Ihnen in den Trainerseminaren besonders aufgefallen und welches Ziel setzen Sie?

Das permanente Hinterfragen aller Inhalte hat in der Ausbildung eine sehr große Bedeutung. Wenn die Trainer dieses Prinzip verstanden haben, können sie effektives Training erfolgreich gestalten und sich sowie ihre Sportler permanent weiterentwickeln. Die Kultur des Hinterfragens bei den Trainern möchte ich etablieren und die entsprechenden Kompetenzen weiterentwickeln.

Sind Sie bei Eishockeyspielen und - trainingseinheiten dabei, um sich ein Bild zu machen?

Bei den Nationalmannschaften bin ich stetig vor Ort – dies gilt nicht nur für die Turniere, sondern auch für ihre Vorbereitung. Nur so kann ich mir ein umfassendes Bild machen. Ich schaue mir auch die Trainingseinheiten bei den Vereinen vor Ort an – sei es im Nachwuchs- oder Seniorenbereich.

Was läuft in den führenden Eishockeynationen anders oder besser?

Sie haben mehr Mitglieder und Spieler – dies ist natürlich ein Vorteil. Und wir können von der Detailbesessenheit der führenden Nationen lernen.

Sie haben vorher im Fußball gearbeitet. Was kann das deutsche Eishockey von anderen Sportarten lernen?

Zunächst einmal können andere Sportarten natürlich auch vom Eishockey lernen! Hier müssen wir uns in keinem Fall verstecken. Doch natürlich gibt es auch Dinge, die das Eishockey von anderen Sportarten lernen kann – zum Beispiel die akribische Planung aus dem Fußball. Und auch das Selbstbewusstsein.

Wie ist es um die Zusammenarbeit mit anderen Sportverbänden bestellt, die auch mit dem "krummen Stock" arbeiten? Z. B. Inlinehockey, Feldhockey, Rollhockey, Floorball. Sehen Sie Möglichkeiten der Kooperation?

Es gibt bereits zahlreiche Kooperationen bzw. Kontakte zu den genannten Sportarten. Beispielsweise engagiert sich der DEB-Dopingbeauftragte Eckhard Schindler im Inlinehockey. Durch meine Position in der DOSB-Trainerkommission pflege ich Kontakte zum Feldhockey und stehe mit dem Trainerausbilder dort im guten Austausch.

Was können Sie jungen Eishockeyspielern besonders empfehlen in der Off-Ice-Saison?

Hierzu könnte ich natürlich sehr weit ausholen, doch bringen wir es auf den Punkt: Intelligent, hart trainieren.

Was muss der ideale Eishockeyspieler im Jahr 2026 können?

Genau das, was er auch jetzt benötigt, um ein guter Eishockeyspieler zu sein: Eine gute Schlittschuhtechnik und ein sicheres Stickhandling. Die Spieler müssen das Spiel lesen können und ein entsprechendes Spielverständnis entwickeln. Und natürlich spielt die Athletik des Spielers eine große Rolle.

Stellen Sie sich vor ein*e Spieler*in denkt sich: "Ich habe keine Lust mehr auf Eishockey!" Warum sollte er/sie trotzdem nicht aufhören, sondern weitermachen?

Es gibt immer Höhen und Tiefen im Leben – doch die Tiefen gehen vorüber. Warum man nicht mit dem Eishockey aufhören sollte? Weil der Sport einfach unheimlich schön ist!

Wie sieht für Sie eine ideale Einheit auf dem Eis aus?

Es ist wichtig, dass sich ein roter Faden durch das Training zieht und die Inhalte aufeinander aufbauen. Eine ideale Einheit ist dann vollbracht, wenn der Trainer sein zuvor gesetztes Trainingsziel erreicht.

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