Ein Fest für die Familie World Legends Hockey League

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Das Fest

Bereits am Samstagmittag versammelten sich die ersten Autorammjäger um das Straubinger Stadion am Pulverturm und versuchten den einen oder anderen Blick vom Eistraining zu erhaschen. Mit dicken Bücher oder auch nur ein paar alten Fotos hörte man „Ist er das?“ Ja, die Legenden vergangener Tage haben sich natürlich etwas verändert. Doch das war kein Problem, denn wer freundlich auf die Spieler zuging, bekam auch freundlich Auskunft. Und wenn sich mal ein Fan „verirrte“, holten die Mitspieler gleich den Richtigen und jeder bekam seine Signatur. Leuchtenden Augen bei den Fans und keinerlei Starallüren bei dem Kufencracks.

Bei wunderbarem Frühlingswetter füllten sich schnell die Biertische, die am Stadion aufgebaut waren. Für Erfrischung und Verpflegung war ausreichend gesorgt und ein echtes Turnier braucht natürlich auch einen Fanshop. Auch dieser wurde belagert und so wechselten einige Andenken ihren Besitzer. Und immer wieder tauchen bekannte Gesichter auf. Auch Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) ließ es sich nicht nehmen vorbei zu schauen. Doch es war auch jede Menge Arbeit. Die letzten Nächte des Orga-Teams wurden immer kürzer. So meiner einer der Verantwortlichen beim Plausch: „Was bin ich froh, wenn es jetzt dann los geht.“ Doch eins ist am Ende der Veranstaltung auch klar – es hat sich gelohnt.

Sie können es noch

Schon am Freitagabend fand ein bayerischer Abend für die Teilnehmer statt. Schon da hatten alle einen heidenspaß. Als es am Samstag dann endlich losging, wurde schnell klar, verlernt haben die Herren nicht viel. Dabei verzichten die meisten immer noch ein Visier und spielen ihre alte „Hüte“. Natürlich sind einige keine Topathleten mehr und bei manchen hat der Bauchumfang zugenommen. Doch Schlittschuhlaufen können sie immer noch. So fährt zum Beispiel der Schwede Jonas Höglund immer noch unfassbare Kurven und von Spielern wie Slava Fetisov, Igor Larionov oder Pavel Bure kann sich so mancher Nachwuchsspieler immer noch jedem Menge abschauen. Es ist immer noch zum Zunge schnalzen, wenn der rechte Flügel Bure über die linke Seite Speed aufbaut, dann in der Offensivzone kreuzt und brandgefährlich rechts vor dem Tor auftaucht. Erstaunlich auch der Speed von Viktor Gordiyuk oder Igor Varitsky. Insgesamt machten die Russen den fittesten Eindruck und das obwohl sie nicht das jüngste Team im Turnier waren. Einen grandiosen Tag hatte am Samstag auch der Tscheche Viktor Ujčík und der slowakische Goalie Martin Klempa. Am Sonntag wuchs dann Maxim Sokolov  zu Bestleistung auf. Patric Kjellberg  versuchte mit zwei, drei schnellen Schritten die Verteidiger abzuhängen. Beeindruckend waren auch die Pässe, die man gezeigt hat. Messerscharf an die Abseitslinie und millimetergenau zwischen den Verteidigern. Doch eigentlich kein Wunder, wenn man auf die unglaublichen Erfolge der Spieler blickt. So waren drei von 27 Mitgliedern des Triple Gold Club anwesend. Fast wären es vier gewesen, doch leider musste Jiří Šlégr seine Teilnahme kurzfristig absagen. Unzählige Weltmeister, Olympiasieger und Stanley Cup-Gewinner tummelten sich.

Die rote Flut

Vor allem die Russen konnten jede Menge Fans mobilisieren und machten aus den Spielen in Straubing russische Spiele. Dabei holten sie alle möglichen Trikots aus dem Schrank. Die uralten roten mit „CCCP“-Aufdruck  und natürlich gab es auch die genauso alte Fahne der Sowjetunion mit Hammer und Sichel. Bis hin zu den aktuellen „Россия“-Trikots. Genauso vielfältig auch die Anfeuerung. Angefangen von „Scheibu“ bis „Russia“, auf jeden Fall aber laut. Schon beim Einlauf war klar, wer die Helden sind. Jede Puckberührung des Professors Larionov wurde frenetisch bejubelt. Jeder Antritt der Russian Rocket Bure lies die Meute aufheulen. 40- und 50-jährige Männer kreischen auf wie Teenies auf einem Popkonzert. Deren Kinder schauten ihre Väter mit offenem Mund an und wahrscheinlich dachte sie „Was ist nur mit Papa los?“ Doch auch die Knirpse feuerten ihr Team an. Genauso enttäuscht wurde auch jeder Fehlschuss und jeder Parade des gegnerischen Goalies aufgenommen.  Als MdB Alois Rainer (CSU) am Sonntagabend den Pokal übergab und die goldenen Lamettaschnipsel regneten, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Nah, näher, WLHL

Stars zum Anfassen gab es auch und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einer Engelsgeduld wurde zwei Autogrammstunden abgehalten. Ein Fan hatte ein ganzes Buch, das er mit Bildern von Igor Larionov erstellt hat, dabei. Sicher 30 oder mehr Bilder. Mit einem Lachen im Gesicht unterzeichnete der vierfache WM-Gewinner, zweifache Olympiasieger und dreifache Stanley-Cup-Sieger jedes einzelne Foto auf jeder Seite. Nicht nur mit diesem Fan hielt der Superstar ein Schwätzchen.  Doch die Spieler wollten auch etwas mehr sehen, als nur eine weitere Eishalle. Pavel Bure fand man am Sonntagmittag in einem traditionellen bayerischen Lokal auf dem Stadtplatz. Igor Larionov spazierte vom Hotel in die Innenstadt und auch so manch anderer Spieler wurde in der Straubinger Fußgängerzone auf dem Ludwigs- oder Theresienplatz gesichtet.

Großes Lob für Straubing

Am Sonntagvormittag gab es eine Medienveranstaltung, auf der die Beteiligten über ihre Eindrücke berichteten und sich den Fragen stellten. Moderiert wurde von Dmitry Tugarin, dem WLHL Executive Director. Er zeigte sich beeindruckt über das, was die Straubinger in sehr kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. „Es war eine gute Entscheidung, hier nach Straubing zu kommen. Hier in Bayern lieben und verstehen die Menschen Eishockey und alle haben Spaß an diesem Spiel. Gestern haben wir auch viele Kinder und Familien gesehen.“

Anwesend war auch Michael Pfuhl, DEB-Generalsekretär: „Zunächst möchte ich die Organisatoren in Straubing loben. Die Jungs machen einen großartigen Job. Ohne ihre Hilfe wären wir nicht hier. Wir richten in ein paar Wochen die Weltmeisterschaft aus, da ist jeder aus unserem Büro involviert. Ich bin sehr glücklich über die lokale Unterstützung und Organisation, sie bieten uns eine großartige Plattform.“ Es war mehr als ein freundliches Schulterklopfen, denn man konnte schon deutlich spüren, wie ernst sowohl Dmitry Tugarin als auch Michael Pfuhl ihre Statements nahmen. Das war keine Lobhudelei, sondern aufrichtiger Respekt.

Ebenfalls voll des Lobes war Curt Lundmark, der Headcoach der Schweden, der schon letztes Jahr in Moskau dabei war. Er war richtiggehend erstaunt aber auch erfreut, dass auch ohne ein deutsches Team gute Stimmung in der Halle war. Zum Zuschauerzuspruch berichtete Micheal Pfuhl: „Es ist immer eine Herausforderung, ein Turnier auszurichten, bei dem die Heimmannschaft gar nicht dabei ist. Vor diesem Hintergrund sind wir sehr glücklich.“ Dmitry Tugarin stimmte dem zu, meinte aber auch: „Gestern war es unfassbar laut. Wir hoffen das wird heute auch so.“ Er sollte nicht enttäuscht werden.

Ligaerweiterung

Pavel Bure, WLHL-Präsident und als Vertreter für des russischem Teams, betonte nochmals, dass dies noch nicht alles sein soll und man die Liga weiter ausbauen möchte. So gibt es Verhandlungen mit der Schweiz, Kanada und den USA.

Qualifikation und Vorbereitung

Curt Lundmark immer noch Sportsmann durch und durch, berichtet er vom Qualifikationsspiel gegen Finnland, dass in seiner Heimatstadt war und auf Messerschneide stand. Andere Geschichten erzählten auch Igor Liba, Kapitän der Slowakei und Martin Loukota, General Manager Team Tschechien.

Spannend auch herauszufinden, wie oft die Legenden noch trainieren, denn wie oben berichtet, sind einige immer noch sehr schnell unterwegs. Der Schwede Curt Lundmark meinte mit einem lachen: „Meine Spiele kannst du nicht gemeint haben.“ Die Schweden waren am Samstag tatsächlich nicht so flott. Vielleicht hatten sie auch nur die altbekannten Busbeine. In immer lockerer werdender Stimmung erzählen die Anwesenden reihum, was natürlich schon vermutet wurde. Alle sind in ihren Jobs und Berufen. Sei es als Trainer oder in normalen Berufen und haben nicht mehr die große Zeit. So mancher hatte außer zwei, drei Vorbereitungsspielen noch nicht sonderlich viel Eiszeit.

Und nächstes Jahr?

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, jeder der nicht da war, hat etwas verpasst. Heute weiß man noch nicht, wo nächstes Jahr die dritte Austragung stattfindet. Doch wer in der Nähe ist, sollte in die Halle gehen.

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