Wer es in der EBEL am schwersten hatEBEL vor dem Start – Teil 1

Fabian Dahlem (rechts) hat in Ljubljana das Sagen. (Foto: Imago)Fabian Dahlem (rechts) hat in Ljubljana das Sagen. (Foto: Imago)
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Auch die Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) steht vor dem Start. Wir haben uns alle Team angesehen und die wichtigsten Transfers zusammengestellt. Die heißesten Favoriten sind auch in diesem Jahr Red Bull Salzburg und die Vienna Capitals. Zunächst aber beleuchten wir die Teams am unteren Ende.

HDD Olimpija Ljubljana

Waren die Laibacher in ihrer ersten EBEL-Saison 2007/08 noch bis ins Finale vorgedrungen, zeichnen sich die letzten Jahre aber vor allem zwei Dinge aus. Zum einen war man nun bereits dreimal in Folge nicht mehr in den Play-offs, zum anderen fällt man immer wieder negativ auf, indem man Gehälter verspätet oder, wie Spieler immer wieder berichten, gar nicht bezahlt. Trotzdem gelingt es den Slowenen immer wieder, verblüffende Transfers zu tätigen. Das Grundgerüst bilden auch in der anstehende Saison junge slowenische Spieler, denen man erfahrenes ausländisches Personal zur Seite stellt. Trainer ist nach wie vor der 49-jährige Deutsche Fabian Dahlem, der mit Ljubljana nun in seine zweite Saison geht.

Nachdem Andy Chiodo und Aleš Sila bereits im Laufe der vergangenen Saison von Bord gegangen sind, beendete man die Saison mit Miika Wiikman. Doch diesen zog es im Sommer zu den Nottingham Panthers, sodass man gleich zwei neue Goalies holen musste. Fündig wurde man in Nordamerika. Olivier Roy wechselte von Idaho Steelheads und der Slowene Matic Marinšek von der Norwich University aus der NCAA III nach Laibach, der aber noch im Try-out ist.

Auch in der Verteidigung gibt es den großen Umbruch. Geblieben sind nur ein paar Nachwuchsspieler, alle anderen der letztjährigen Verteidigung sind weg. Darunter auch der ehemalige DEL-Spieler Marvin Degon, der noch ohne neuen Club ist. Neu sind hingegen und das ist ein Novum, Kristof Reinthaler, der von den Graz 99ers kam und Fabian Scholz, der viel EBEL-Erfahrung mitbringt, zuletzt aber bei der VEU Feldkirch in der INL unter Vertrag stand. Ein Novum ist es, weil es die ersten Österreicher sind, die in der EBEL für ein nicht-österreichisches Team spielen. Allerdings ist die Abwehr bisher viel zu dünn, bis Saisonbeginn muss hier dringend aufgerüstet werden.

Im Sturm verhält es sich ähnlich, mit dem Unterschied, dass man hier wohl voll besetzt ist. Die wichtigsten Abgänge sind Hunter Bishop den man nun in der DEL bei den Krefeld Pinguinen findet, Gal Koren (Manchester Storm), Tom Zanoški (Medveščak Zagreb) und Aleš Mušič, der noch nichts Neues hat. Nach wie vor im Team ist Anže Ropret der nun durch Stefan Chaput von den Dresdner Eislöwen Verstärkung erhält. Letzte Saison erreichte er in der DEL2 54 Hauptrundenpunkte durch 20 Tore und 34 Vorlagen. Damit ist er wohl der Königstransfer der grünen Drachen. Ebenfalls neu sind Guillaume Desbiens vom Dornbirner EC und Roland Kaspitz vom HC Innsbruck.

Ljubljana hat sich insgesamt nicht wirklich verbessert. Ob man die starken Abgänge im Angriff kompensieren konnte, muss sich erst noch beweisen und die bis jetzt zu dünne Abwehr wird kaum standhalten. Für Laibach dürften die Play-offs auch diesmal nicht in Reichweite liegen.

Moser Medical Graz 99ers

Nachdem man zuletzt zweimal in Folge die Play-offs verpasste, gibt es in Graz eine radikale Runderneuerung. Obwohl bisher wenig erfolgreich, schon auf der Abschussliste stehend und im Laufe der vergangenen Saison zum Rapport vorgeladen, ist der alte und neue Coach der Amerikaner Todd Bjorkstrand, der auch in der kommenden Saison die Posten des Cheftrainers und des sportlichen Leiters in sich vereint.

Der Umbau beginnt bereits im Tor. Dany Sabourin, eigentlich die unangefochtene Nummer eins, musste gehen. Nun geht es für ihn nach Frankreich zu den Dragons de Rouen. Seine Nachfolge tritt der dänische Nationaltorwart Sebastian Dahm an. Er kam aus der dänischen Liga von den Rødovre Mighty Bulls. Backup Thomas Höneckl kam vom Villacher SV und gehört zum erweiterten Teamkader der Österreicher.

In der Abwehr ist der Umbruch ebenso groß. Alles, was Rang und Namen hat, hat den Club verlassen. Tyler Cuma und Jake Marto sind noch vereinslos. Mitch Ganzak ging zu den Belfast Giants, Sabahudin Kovačevič wechselt zu Medveščak Zagreb in die KHL, der Däne Stefan Lassen spielt in Finnland bei den Lahden Pelicans und Matt Kelly schloss sich dem Villacher SV an. Deren Nachfolger kommen ebenfalls aus den verschiedensten Ligen. Kevin Mitchell ist inzwischen 35 Jahre alt und ein wahrer Wandervogel geworden, holte man vom Mora IK aus der zweiten schwedischen Liga, in der er durch seine hohe Anzahl an Vorlagen auffiel. Danny New wechselt aus der AHL von den Binghamton Senators und Mike Marcou kommt aus der tieferen ECHL von den Reading Royals. Dazu kommt der Schwede Victor Panelin Borg (Sparta Sarpsborg) aus Norwegen und zu guter Letzt holt man Martin Oraze zurück in die EBEL. Letzte Saison hat er in der zweitklassigen INL beim EHC Lustenau verteidigen müssen. Die beiden Letzten befinden sich zurzeit noch im Tryout, wobei man ihnen wenige Chancen dieses zu bestehen.

In den Angriffsreihen konnte man mit Philipp Pinter, Luke Walker, Stephen Werner und Daniel Woger wenigstens eine Handvoll Spieler behalten. Doch auch hier sind die Abgänge immens. So zog es Olivier Latendresse und Kevin Moderer im Doppelpack zu den Black Wings Linz. Ebenfalls in der Liga bleiben Manuel Ganahl (Klagenfurter AC), Miha Verlič (Villacher SV) und Marek Zagrapan (Dornbirner EC). Der Norweger Anders Bastiansen wechselt zu Frisk Asker in seine Heimat und David Rodman ist mit seinem Bruder in der DEL2 bei den Dresdner Eislöwen vereint. Diese Saison setzt man etwas mehr auf junge Nachwuchskräfte, daher fallen die Zugänge nicht so üppig aus. Mit dem Italo-Kanadier Matt Fornataro hat Coach Bjorkstrand seinen Wunschspieler vom Mora IK zu den 99ers lotsen können. Mit Philip DeSimone (HC Bozen) und Peter MacArthur (Vienna Capitals) konnte man auch zweimal innerhalb der Liga zuschlagen. Patrick White kommt von HC Slovan Bratislava und Morten Poulsen vom IK Oskarshamn. Von der Statistik ist DeSimone der auffälligste, der machte bei HCB vergangene Saison in 56 Spielen 39 Punkte (14/25).

Bei den Mur-Städtern wurde wieder Tabula rasa gemacht. Dabei liegt auf dem Coach eine noch größere Verantwortung als bei anderen Teams. Denn gelingt es wieder nicht die von ihm zusammengestellte Mannschaft zum Erfolgen zu führen, wird man sicher nicht nochmal beide Augen zudrücken. Im Tor ist man auf jeden Fall breiter geworden, in der Verteidigung geht man ein gewisses Risiko und im Sturm hat man versucht die Besten gleichwertig zu ersetzten. Wenn alles optimal läuft, sind die Play-offs drin, aber wann läuft schon mal alles optimal?

HC Bozen Foxes

Nachdem man 2013/14 im ersten EBEL-Jahr die Konkurrenz mit dem Meistertitel schockte, entwickelte sich der Südtiroler Club leider zum einem wahren Chaos-Verein. Diesen Sommer war es besonders extrem. Wie mehrfach berichtet, meldete der HCB ohne Finanzierung und nimmt nun nur deshalb an der Liga teil, weil die Ligaleitung diverse Fristen mehrfach verlängert hat.

Was das Traineramt angeht, ist man das einzige Team der Liga, das mit einem neuen Mann in die Saison geht. Letztes Jahr begann Mario Simioni, den man im Saisonverlauf gegen Don MacAdam austauschte. Doch auch er darf nicht in anstehende Saison gehen. Der Neue ist in Bozen mit Meistercoach Tom Pokel ein alter Bekannter. In Wien wurde er nicht glücklich, was er in Bozen wieder werden will.

Im Tor hat sich Günther Hell verabschiedet. Geblieben sind Jaroslav Hübl und die bisherige Nummer drei, Daniel Morandell. Der 20-Jährige spielte letztes Jahr hauptsächlich in der italienischen Liga beim SV Kaltern/Caldaro und kam auf Leihbasis nach Südtirol. Allerdings hatte Morandell in der deutlich schwächeren zweiten italienischen Liga nur einen Gegentorschnitt von 4,15. Für eine EBEL-Saison reicht das bei weitem nicht. Hier ist noch dringend Handlungsbedarf.

Überraschender Weise konnte man die halbe Verteidigung halten. Alexander Egger, Sean McMonagle und Hannes Oberdörfer sind auch in der kommenden Saison Füchse. Doch Richie Crowley (Hafro Cortina), Guntis Galviņš (Dinamo Riga) und die noch Suchenden John Lee und Bryan Rodney sind Geschichte bei den Italienern. Fix neu im Kader ist Brett Flemming (Lehigh Valley Phantoms). Matic Podlipnik (Olimpija Ljubljana) und Philipp Beber (HC Meran/Merano) befinden sich noch im Try-out. Doch auch wenn beide selbiges überstehen, ist die Abwehr für eine gesamte Saison noch zu dünn. Hier muss auf jeden Fall noch nachverpflichtet werden.

Im Sturm blieben die drei Italiener Anton Bernard, Markus Gander und Marco Insam. Der Rest hat sich, sicher auch wegen der unsicheren Zukunft des Clubs, verabschiedet. Žiga Pance und Rick Schofield gehen gemeinsam zum Villacher SV, Tom Zanoški zu Medveščak Zagreb, Philip DeSimone zu den Graz 99ers, Taylor Carnevale zu dem Kassel Huskies in die DEL2, Mathew Sisca und Paul Zanette zieht es in die EIHL, der eine zu Manchester Storm, der andere zu den Edinburgh Capitals und Derek Nesbitt wechselte zu den Gwinnett Gladiators in die ECHL. Mark Cullen, Justin Keller und Stefan Zisser sind noch ohne neuen Club, wobei mit Zisser wohl noch verhandelt wird. Von den Zugängen ist bisher kein einziger aus der EBEL. Nate DiCasmirro und Matt Pope kamen von HC Valpellice, wobei Pope vergangene Saison stoltze 66 Punkte machte. Michele Marchetti, aktuell im Try-out, von HC Fassa Falcons, Jerry Pollastrone von Mora IK, Steve Saviano von Djurgårdens IF, Joel Broda von den Hershey Bears und Taylor Vause von den Adirondack Flames. Auch hier ist man noch zu dünn besetzt.

Beim HCB läuft es alles andere als rund. Finanziell scheint der Club schwer angeschlagen und immer noch nicht über den Berg zu sein. Pessimisten zweifeln daran, dass die Füchse die Saison zu Ende spielen können. Zuletzt twitterte Matt Beaudoin, dass es offenbar normal in der Liga ist, sein Geld verspätet zu bekommen. Laut dem Tweet musste der Kanadier, der 2013/14 für Bozen spielte, zwei Jahre warten. Trotzdem schaffte es Dr. Dieter Knoll, Vorstand Sport und der starke Mann in Bozen, in sehr kurzer Zeit interessante Leute nach Südtirol zu lotsen. Doch will man, wie angekündigt in die Play-offs, so ist seine Arbeit noch nicht abgeschlossen. In allen Mannschaftsteilen gibt es Bedarf. Das Hauptproblem von Tom Pokel ist die extrem kurze Vorbereitung. Das erste Spiel konnte man erst eine Woche vor dem Ligastart bestreiten. Bei Bozen gibt es also noch jede Menge Fragezeichen. Wenn es bei diesem Kader bleibt, aus welchen Gründen auch immer, wird man die Play-offs nur im Fernsehen erleben.

HC Tiroler Wasserkraft Innsbruck

Innsbruck startet in die vierte Saison nach der Rückkehr in die EBEL. Bisher blieben den Haien die Play-off verwehrt, doch das soll sich 2015/16 ändern. Um das zu erreichen, hat Coach Christer Olsson, der in seine zweite Saison bei den Haien geht, den Tiroler Kader umgebaut.

Im Tor verabschiedete man sich von Adam Munro, der noch ohne neuen Club ist, und Patrick Machreich der nun für den EHC Lustenau in der IHL Tore verhindert, getrennt. Dafür holte man Andy Chiodo zurück in die EBEL. Er kommt vom finnischen Erstligisten Kalevan Pallo. Die aktuelle Nummer zwei hat bisher der junge Manuel Litterbach eingenommen. Er spielte letzte Saison für die eigene U20.

In der Defensive ist Kenny MacAulay der nennenswerteste Abgang. Er ist noch auf Clubsuche. Weiter in Diensten der Tiroler sind Christoph Hörtnagl, Nick Ross und Dustin VanBallegooie. Damit hat man einen guten Grundstock, den man mit Nick Schaus von den Grizzlys Wolfsburg und David Liffiton von den Malmö Redhawk ergänzt. Liffiton wird dabei für das Grobe zuständig sein, denn er kam in seinen 838 statistisch erfassten Spielen auf stolze 1.791 Strafminuten. Alleine letzte Saison sammelte er in seinen 58 Spielen für Malmö 157 Strafminuten.

In der Offensive fielen die Veränderungen größer aus. Weiter im Kader sind Patrick Mössmer, Benedikt Schennach, Andreas Valdix und der inzwischen 38-jährige Jeff Ulmer. Nicht überzeugen konnte Kris Beech der nun für die Belfast Giants stürmt. Nicht mehr bei Innsbruck aber in der Liga bleiben Roland Kaspitz (Olimpija Ljubljana) und Matt Siddall (Dornbirner EC). Nach Dänemark geht Marcus Olsson (Frederikshavn White Hawks) und in die DEL2 der Deutsch-Österreicher Alexander Höller (Eispiraten Crimmitschau). Zudem wechselt das 19-jährige Talent Mario Huber in die QMJHL zu den Victoriaville Tigres. Die Abgänge zu kompensieren dürfte nicht allzu schwer gewesen sein, da alle Abgänge mehr oder weniger enttäuscht hatten. Um am Ende nicht mehr den zweitschwächsten Sturm der Liga zu haben, bediente man sich auch in der DEL. Zu einen kommt der 37-jährige Derek Hahn vom ERC Ingolstadt und zum anderen der EBEL-erfahrene Tyler Scofield von den Grizzlys Wolfsburg an den Bergisel. Ebenfalls ein Ligarückkehrer ist Tyler Spurgeon der zuletzt beim Schweizer Zweitligisten HC Thurgau tätig war. Innerhalb der Liga sicherte man sich die Dienste von John Lammers (Villacher SV) und David Schuller (Klagenfurter AC).

Mit Chiodo hat man sich sicher verbessert, doch ob der eher klein gewachsene Litterbach schon das Zeug für die EBEL hat, darf man bezweifeln. Die ohnehin gute Verteidigung hat man gut verstärkt. Im Sturm hat man sich viele namhafte Spieler geholt, von denen aber nicht mehr alle taufrisch sind. Insgesamt dürfte der Kader Mut machen, sodass die Qualifikationsrunde im Bereich des erreichbaren liegt.